Landespräsident der Faschingsgilden nimmt die närrische Zeit ganz ernst
TIMELKAM/BAD ZELL. Hochsaison hat in diesen Tagen Adalbert Zwölfer, der oberösterreichische Landespräsident des Bundes Österreichischer Faschingsgilden. Seit 1993 bekleidet der gebürtige Bad Zeller dieses ehren- und humorvolle Amt. Als „Obernarr“ sieht sich der 64-Jährige jedoch nicht, wie er im Tips-Gespräch schildert.

In Adalbert Zwölfers Kindheit ist seine Affinität zum Fasching nicht begründet. „Ich bin mit acht Geschwistern in Bad Zell aufgewachsen, kann mich aber nicht erinnern, dass der Fasching bei uns eine besondere Rolle gespielt hat“, sagt der Landespräsident, den es aus beruflichen Gründen schon bald nach Timelkam zog. Was sich jedoch rasch herauskristallisierte, war Zwölfers Talent zum Vorausgehen: „Ich bin immer relativ schnell vorne gestanden, war in Bad Zell Oberministrant, Jungscharführer, Dekanatsjungscharführer.“ Durch einen Nachbarn in seinem nunmehrigen Heimatort Timelkam kam der Raiffeisen-Mitarbeiter zur örtlichen Faschingsgilde. „1983/84 war ich mit meiner Frau das Faschingsprinzenpaar.“ Zwölfer hielt damals Hof als „Adalbert I. Ritter von der Groschenburg“. Was nahtlos anschloss, war die Präsidentschaft der Gilde, die Zwölfer bis 2008 ausübte.
Rücktritt heuer in Bad Zell
„Landespräsident bin ich nun schon seit 1993, und heuer werde ich dieses Amt am 21. April in Bad Zell bei der Landessitzung der oö. Faschingsgilden niederlegen“, berichtet er. Bis dahin hat der Herr Präsident aber noch jede Menge zu tun, schießlich gilt es nicht nur zu Faschings-Hochzeiten wie in diesen Tagen Veranstaltungen zu besuchen, Orden zu verleihen, Gilden zu organisieren und Hintergrundwissen zu vermitteln (siehe Infobox). Zwölfer: „Die zeitliche Belastung ist natürlich im Fasching besonders groß, an die 30 Veranstaltungen wie Bälle und Umzüge sind schon zu besuchen.“ Dass ihn seine Gattin dabei selten begleitet, liegt ebenfalls am Fasching: Sie schneidert die Showkostüme für die Timelkamer Garde – und zwar für jede Faschingssaison ein neues. Logisch, dass auch Sohn und Tochter, 37 und 39 Jahre, faschingsbegeistert sind. „Meine Tochter war jahrelang bei der Garde und ist jetzt Marschtrainerin.“
Ruhiger ab Aschermittwoch
Ein wenig ruhiger wird es für den Landespräsidenten, wenn der Faschingsdienstag vorbei ist. Danach gilt es, Jahreshauptversammlungen zu besuchen und die Bundestagung mit vorzubereiten. Auch die Jugendarbeit bedeutet viel Aufwand und Verantwortung. Der Fasching wird im Bund Österreichischer Faschingsgilden also durchaus ernst genommen.
„Bin kein Obernarr“
Ein Grund dafür, dass sich Adalbert Zwölfer nicht als „Obernarr“ sieht, aber nichts gegen diese Bezeichnung einzuwenden hat, sie sogar als Auszeichnung empfindet: „Ich bin im Grunde kein sehr lustiger Mensch.“ Worüber kann der Landespräsident dann doch herzlich lachen? „Über alles Mögliche, besonders über gelungene Scherze in den Faschingssitzungen, von denen ich jedes Jahr an die zehn besuche. Vor kurzem war ich in Ebensee bei einer sehr lustigen.“ Auch privat kann es vorkommen, dass er in ein Faschingskostüm schlüpft und sich inoffiziell unter die Narren mischt.
Kein Spaß auf andere Kosten
Das Lachen vergeht dem Landespräsidenten, wenn der Spaß auf Kosten von Minderheiten oder Gruppen geht, die sich gegen einen Angriff nicht wehren können. „Das ärgert mich maßlos.“ Nicht zuletzt deshalb hat er im BÖF dazu beigetragen, eine Ethik-Charta für die Mitglieder zu erarbeiten. „Dadurch ist vieles besser geworden.“
Zu den 130 Gilden, 32 davon in OÖ, die im BÖF organisiert sind, zählt auch jene in Zwölfers Geburtsort Bad Zell. Besonders freut den Timelkamer, dass dessen Präsidentin seine Schwester Christa Fürst ist – „und zwar ohne, dass ich etwas dazu beigetragen hätte.“
Was ist der BÖF?
Der Bund Österreichischer Faschingsgilden (BÖF) besteht seit mehr als 50 Jahren und ist ein Zusammenschluss von derzeit rund 130 Mitgliedsvereinen bzw. -gilden. Alle Vereine können in Sachen Technik, Austausch von Kostümen, Faschingszubehör, Faschingsmuseum Orden und Ehrunge etc. voneinander profitieren. Das BÖF-Management arbeitet gemeinsame Grundlagen zu Themen wie Vereinsgesetz, Faschingsumzugswesen, Versicherungswesen oder Pressearbeit aus. Zudem werden Fortbildungskurse (Gardeseminare, Rehtorik für die Bütt, etc.) organisiert, und es gibt auch Hilfe bei Vereins-, Rechts- und Steuerfragen.
Weitere Informationen: Bund Österreichischer Faschingsgilden


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