Sieber zur Nostalgiebahn: "Viele Prügel vor die Füße geworfen"
BISCHOFSTETTEN. Resignation macht sich bei Reinhard Sieber breit. Der Geschäftsführer der Ober-Grafendorfer Anschlussbahnen GmbH erzählt im Interview, wie es um die Tourismusbahn nach Bischofstetten steht.

Tips: Herr Sieber, wie ist der aktuelle Stand der Dinge rund um die Tourismusbahn von Ober-Grafendorf nach Bischofstetten?
Sieber: Die Zeichen stehen nicht auf Optimismus. Es geht jeder davon aus, dass es nichts wird. Ich frage jede Woche um einen Termin beim Land an, bekomme aber keine Antwort. Es hat zwar Anfang des Jahres ein Gespräch beim Büro Karl Wilfing (Anm.: Verkehrslandesrat, ÖVP) gegeben, dabei wurde uns aber klar gesagt, dass die Gemeinden dahinter stehen müssen. Denn ohne die Region wird nichts gemacht.
Tips: Woran hapert es Ihrer Meinung nach?
Sieber: Solche Tourismusbahnen kannst du nur mit Herzblut betreiben. Und ich habe zu viele rote Blutkörperchen.
Tips: Wie realistisch stehen die Chanchen für einen Fahrbetrieb?
Sieber: Für die Strecke nach Bischofstetten stehen die Chancen unter zehn Prozent. Für die andere Variante, nur einen Teil der Strecke zu befahren, sehe ich als Geschäftsführer der GmbH kein Ziel mehr. Ich bin mit einem gesamthaften Tourismuskonzept angetreten, das es nur dann geben kann, wenn der Zug zum Bahnhof Bischofstetten fährt. Denn dort haben wir die gesamte Infrastruktur, außerdem ist die Strecke technisch in Ordnung. Es bräuchte nur einen Grünschnitt und man könnte fahren. Ich komme aber über die ersten Schritte - also das Eisenbahnrecht - nicht hinweg.
Tips: Kurzum: Ist das Projekt somit gescheitert?
Sieber: Ich sehe mich als Geschäftsführer gescheitert, weil ich kein Ziel mehr sehe. Denn ich habe so viele Prügel vor die Füße geworfen bekommen. Und das bei diesem kleinen Projekt. Dabei haben mir viele Leute inoffiziell gesagt, dass das ein super Projekt ist. Aber nur unter vier Augen, offiziell wurde mir das nie bestätigt. Da waren sogar Gemeinderäte aus Bischofstetten dabei. Die Anzeichen stehen so, dass ich mich zurückziehe. Denn in der Gesellschaft brauchen wir Einnahmen. Und das funktioniert nur mit einem Tourismuskonzept.


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