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Drei Mütter stellten Ferienbetreuung für beeinträchtigte Kinder auf die Beine

Ute Schneiderbauer, 13.09.2018 05:47

BRAUNAU/BURGKIRCHEN. Im Bezirk mangelt es an Ferienbetreuung für beeinträchtigte Kinder, weshalb drei betroffene Mütter selbst zur Tat schritten. Auch Martina Sellmaier aus Burgkirchen hat sich an dem Projekt beteiligt, da ihr Sohn an Autismus erkrankt ist.

  1 / 2   Der autistische Sebastian genoss das dreiwöchige Ferienprogramm, da gewisse Alltagsroutinen für ihn aufgrund seiner Erkrankung besonders wichtig sind.

Sebastian Sellmaier aus Burgkirchen ist an frühkindlichem Autismus erkrankt. Bis er zwei Jahre alt war, ist Sebastian wie alle anderen Kinder aufgewachsen und lernte sprechen. „Plötzlich verschwand aber sein Sprechvermögen und wir bemerkten autistische Züge an ihm. Er hat sich oft zurückgezogen und geweint“, erzählt seine Mutter Martina Sellmaier. Auch sein Intelligenzstand hat sich in weiterer Folge vermindert und in großen Menschengruppen fühlt er sich nicht wohl. Aus welchem Grund Sebastian plötzlich an Autismus erkrankte, ist bis heute unbekannt. Ein durchgeführter Gentest war unauffällig. Wegen des Autismus empfindet Sebastian neue und unbekannte Situationen als stressig.Daher ist Alltagsroutine für den Neunjährigen besonders wichtig.Da im Bezirk Braunau aber keine Ferienbetreuung für beeinträchtigte Kinder im Alter zwischen sieben und vierzehn Jahren angeboten wird, stellen die langen Sommerferien für ihn eine Herausforderung dar.

Ferienbetreuung in die Wege geleitet

Da Sebastians Situation kein Einzelfall ist, wurden drei betroffene Mütter aus dem Bezirk initiativ und organisierten ein dreiwöchiges Ferienprogramm. Neben Sebastians Mutter Martina setzten sich auch Loretta Seber und Sandra Untersberger für die Zusammenstellung eines abwechslungsreichen Programmes ein. Bei einem Treffen mit dem Braunauer Bürgermeister Johannes Waidbacher zeigte sich dieser zuvorkommend und versprach, den Müttern bei dem Projekt zu helfen. Es wurde vereinbart, dass zuerst eine Bedarfserhebung erstellt wird und sich die Mütter um die Finanzierung der Ferienbetreuung durch Spendengelder kümmern. Auch Claudia Kobler, Direktorin der Pestalozzischule in Braunau, der Sonderschule für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf, unterstützte das Anliegen.

Rückschlag vor Ferienbeginn

„Nachdem sich sieben Kinder für die Ferienbetreuung angemeldet hatten, wurden eine Lehrerin und zwei Schulassistentinnen für die Betreuung gefunden. Dabei wurde darauf geachtet, dass keine Betreuer von auswärts geholt werden, sondern die teilnehmenden Kinder ihre Bezugspersonen schon von der Schule kennen. Eine dreiwöchige Anstellung über das Zentrum Spattstraße wurde vereinbart. Die Kinder waren privat unfallversichert, somit schien alles geklärt und vorbereitet zu sein“, erzählt Sebastians Mutter. Eine Woche vor Ferienbeginn kam jedoch die erschütternde Nachricht seitens der Stadtgemeinde. Es wird keine Ferienbetreuung geben. „Bei einem weiteren Besuch bei Bürgermeister Waidbacher war auch ein Rechtsberater dabei. Uns wurde erklärt, dass wir uns mit dem Projekt Ferienbetreuung auf einem rechtlichen Niemandsland befinden“, sagt Martina. Die Stadtgemeinde konnte deshalb nicht die Verantwortung über die Betreuung übernehmen, weshalb sich Loretta Seber in dieser Notsituation bereit erklärte, einzuspringen. Nach dem Unterschreiben einiger Verträge war die aufwändig organisierte Ferienbetreuung für die beeinträchtigten Kinder in letzter Sekunde gerettet.

Programm kam bei Kindern gut an

Das vielseitige Programm beinhaltete unter anderem Ausflüge ins Freibad, in den Motorikpark oder zum Wochenmarkt. „Die Kinder waren begeistert. Für Sebastian war das so, als würde das Schuljahr und somit seine tägliche Routine etwas länger laufen und er ist immer glücklich heimgekommen“, erzählt Martina und freut sich, dass sie durch die Ferienbetreuung ausnahmsweise mehr Zeit für sich und ihren zweiten Sohn Johannes gefunden hat.

5.800 Euro Kosten großteils durch Spenden gedeckt

Die Kosten für die dreiwöchige Ferienbetreuung betrugen 5.800 Euro, die großteils durch Spenden gedeckt werden konnten. „Besonders bedanken möchten wir uns unter anderem bei dem Verein „Helfer mit Herz“ unter der Leitung von Frau Vilsecker, die mit viel Einsatz durch gemeinnützige Flohmärkte Spenden gesammelt hat“, sagt Martina. Weil es von vielen Seiten positive Rückmeldungen gab, planen die drei Mütter, auch im kommenden Jahr wieder eine Ferienbetreuung auf die Beine zu stellen und organisatorisch noch einige Verbesserungen vorzunehmen.


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