Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

MARIA SCHMOLLN. Vor 14 Jahren kam Johanna Czerny, eine Tierärztin aus Maria Schmolln, zum ersten Mal in Kontakt mit einem kranken Lama. Mittlerweile hat sie nicht nur viele eigene Alpakas und Lamas, sondern auch ein Buch über sie veröffentlicht.

Lamas sind sehr neugierige Tiere, die nur im Notfall spucken. (Foto: Johanna Czerny)
  1 / 2   Lamas sind sehr neugierige Tiere, die nur im Notfall spucken. (Foto: Johanna Czerny)

„Als Tierärztin wurde ich zur Behandlung eines schwerkranken Lamas gerufen. Es war nicht leicht, das Tier zu retten“, erinnert sich Czerny. „Anstatt einer Bezahlung erhielt ich das Tier geschenkt – das war mein erstes Lama.“

Inzwischen tummeln sich rund 20 Tiere auf ihrem Lamahof in Maria Schmolln. Hier bietet die gebürtige Pinzgauerin, die letzten Herbst in die Gemeinde gezogen ist, auch diverse Kurse und Workshops an, etwa einen Parasiten-Workshop oder einen Kurs für interessierte Tierärzte.

Wissen selbst angeeignet

Da es kaum Literatur über die Tiere und sehr wenige Tierärzte gibt, die mit der Behandlung von Kleinkamelen vertraut sind, eignete sich die 52-Jährige mit der Zeit selbst nach und nach Wissen über die Tiere an. „Im Laufe der Jahre wurde ich immer wieder von Haltern und Züchtern konsultiert. Dabei lernt man ganz von selbst die Besonderheiten oder man besucht Fortbildungen, die über diese speziellen Tiere unterrichten“, berichtet die Maria Schmollnerin. Dazu reiste sie sogar zum internationalen Kamelidenkongress in die USA.

Nur im Notfall wird gespuckt

Zwar sind Lamas und Alpakas wie Kühe oder Schafe auch Wiederkäuer. Sie unterscheiden sich aber in vielen anatomischen Besonderheiten und vor allem in ihrem Verhalten von europäischen Nutztieren. „Alpakas und Lamas haben starke Ausdrucksformen in ihrer Körpersprache. Die Ohren, die Kopfhaltung, und auch das bei diesen Tieren bekannte ‚Summen‘ sind Mittel zur Kommunikation“, sagt die Expertin.

„Nur im Notfall spucken Lamas, was harmlos ist, und nur auf ihre Artgenossen. Auf Menschen wird nicht gespuckt, außer man befindet sich zufällig zwischen rivalisierenden Tieren. In der Regel wird der Mensch zwar neugierig betrachtet, aber ansonsten ignoriert.“

Anschaffung gut überlegen

Wichtig zu wissen ist, dass Lamas und Alpakas Fluchttiere sind. Daher müssen sie vor der Behandlung gefangen und gehalftert werden, was aber trainiert werden kann. Zu beachten sei außerdem, dass sie in ihren Heimatländern in Südamerika andere Klimaverhältnisse und ein anderes Nahrungsangebot vorfinden. „Am besten gedeihen sie auf kargen Bergweiden und mageren, auch steilen Wiesen.“ Wertvolle Alpakas, die wegen ihres Vlieses gezüchtet werden, verlangen eventuell besondere Ernährung, rät Czerny.

Sie warnt allerdings: „Die Tiere sind sehr langlebig – von einer unüberlegten Anschaffung muss dringend abgeraten werden! Zwanzig Jahre und mehr sind bei gut gehaltenen Tieren keine Seltenheit. Kümmert man sich nicht um den Parasitenstatus, kann dies in einer bösen Überraschung enden, denn wenn die Tiere erst einmal erkrankt sind, gibt es häufig keine Rettung mehr.“

Angst braucht man vor Lamas und Alpakas allerdings nicht zu haben. „Sie sind sehr neugierig, und durch ihr geringes Körpergewicht und ihre natürliche Scheu völlig ungefährlich.“

Czerny ist nach wie vor von den beliebten Tieren begeistert. „Obwohl ich schon sehr vieles mit den Tieren erleben durfte, lerne ich jeden Tag etwas Neues über sie. Sie bringen mich jeden Tag zum Lachen, denn sie sind ganz außergewöhnliche Haustiere.“

Zehntausend Fotos

Damit vom angesammelten Wissen auch andere profitieren, entschloss sich die Tierärztin, ihre Erfahrungen niederzuschreiben. „Viel Wissen geht deshalb verloren, weil es nie aufgeschrieben wurde. Das hat mich motiviert, ein Buch über Neuweltkamele zu schreiben, auch wenn es vergleichsweise nur wenige Halter im deutschsprachigen Raum gibt.“

Um das Werk zu bebildern, durchforstete sie ihren Fundus von zirka 10.000 Fotos und kann nun einige seltene Schnappschüsse präsentieren, wie das Foto einer Geburt.

Buch für Interessierte

„Das Buch richtet sich an alle Menschen, die sich ganz allgemein für diese außergewöhnlichen Tiere interessieren, aber auch an solche, die sich über die Anschaffung von Alpakas oder Lamas Gedanken machen oder schon welche besitzen“, erklärt Czerny. „Auch Tierärzte werden viele wertvolle Tipps finden.“

Das Buch ist direkt bei der Autorin (www.Lamas-mit-Herz.com), im Buchhandel und auf Online-Plattformen erhältlich.

Johanna Czerny: Alpakas & Lamas. Begleiter aus der neuen Welt. Leopold Stocker Verlag, 272 Seiten, 34,90 Euro

Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden