Sieben begeisterte Flieger: Familie aus St. Georgen ist im Skisprungfieber
ST. GEORGEN. Bald sind es sechs junge Springer, die in der Familie Eitzlmair in St. Georgen am Fillmannsbach fleißig die Skisprungskier schnallen. Auch Papa Norbert hat sich von der Begeisterung anstecken lassen und begann mit über 50 mit der Sportart.

Während andere Familien ihre Kinder zum Tennis-, Klavier- und Tanz-Unterricht bringen, hat sich die Familie Eitzlmair aus St. Georgen erfolgreich auf ein Hobby festgelegt: Auf das Skispringen. In den Kinderzimmern stapeln sich die Medaillen und Pokale – bei jedem Turnierwochenende kommen mehr dazu. Gemeinsam fährt die Familie im mit Skiern vollbepackten Auto zu den vielen Trainingseinheiten und auch der Urlaub wird an das besondere Hobby angepasst. Mit den österreichischen Skisprungstars sind die Kinder durch die Nachwuchscamps schon per Du.
Mit Goldi-Cup gestartet
Angefangen hat alles ganz unerwartet. Andreas Goldberger lud 2022 in Höhnhart zum Goldi-Cup, um Kinder für das Skispringen zu begeistern. Eigentlich hatte die Familie schon etwas anderes vor, Vater Norbert hatte sich aber schon in jungen Jahren für die Sportart interessiert, bevor er sich damals für den Fußball entschied, und besuchte nun mit seinen Kindern spontan die Veranstaltung. „Goldis“ Begeisterung für das Skispringen schwappte über – und alle kamen voller Freude und Enthusiasmus für die Sportart nach Hause.
Damals fingen gleich drei der Kinder, gemeinsam mit 17 weiteren Kindern aus dem Bezirk Braunau, mit dem Skispringen beim ASVÖ SC Höhnhart an. Inzwischen sind fünf beim Verein. Die jüngste Tochter Marlena startet mit fünf Jahren im Herbst. Auch Papa Norbert begann mit dem Skispringen. Er machte sogar die Ausbildung zum Übungsleiter und ist Trainerhelfer. „Ich mache das, damit ich körperlich fit bleibe“, sagt er. Besonders ist für ihn auch der Adrenalinausstoß nach dem Springen.
Viele Vorteile
Für die Familie hat das Skispringen viele Vorteile und ist eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, bei der die ganze Familie dabei sein kann. „Wir legen viel Wert auf Bewegung – und haben keinen Fernseher“, erklärt der 51-Jährige. Die Kinder können sich auch im großen Garten der Familie, der bei der Garten Trophy 2023 als „Schönster Bienengarten“ des Bezirks ausgezeichnet wurde, austoben.
Der Sport bietet aber viel mehr als nur Bewegung: „Man braucht auch Mut, Körperbeherrschung und man lernt viel“, so Norbert. So wird beim Höhnharter Verein die Nordische Kombination trainiert – somit steht auch Langlaufen auf dem Programm. Um die Kinder fit dafür zu machen, wird zusätzlich jongliert, Inlineskates gefahren, gelaufen oder gebouldert. Bei Charity-Läufen machen die Kinder auch mit.
„Je vielseitiger man ist, desto leichter ist das Springen. Wir haben zum Glück sehr gute und engagierte Trainer“, sagt der Familienvater. „Auch die Gemeinschaft unter den Kindern und Eltern ist top.“ Dass der Fokus beim Verein auf der Freude am gemeinsamen Springen liegt, gefällt der Familie besonders.
Fast jedes Wochenende
Für den Sport werden viele Anstrengungen in Kauf genommen. Im Sommer sind drei Wochen trainingsfrei, danach geht es aber schon mit einem Trainingslager in Villach weiter. Hier sind alle Familienmitglieder dabei.
Im Sommer ist die Haupttrainingszeit. Trainiert wird nicht nur in Österreich, sondern auch in Slowenien. Die Anstrengung wird aber mit Spaß verbunden. Im Sommer wird mit Matten geübt. Herausfordernd ist vor allem die Hitze – mit dem Skisprunganzug kann es ganz schön heiß werden. „Danach geht es in den Teich“, schmunzelt Norbert.
Im Landes-Kader
Das Hobby macht den Kindern nicht nur Spaß, sie sind dabei auch erfolgreich. Zwei Kinder sind im Landeskader und haben daher einen noch intensiveren Trainingsplan. Jakob beispielsweise sprang bei der 90 Meter-Schanze schon 85 Meter. Auch Joachim ist im Kader, Anna ist seit heuer im Förderkader. Zu den vielen Erfolgen zählen beispielsweise der dritte Platz im Team bei der Österreichischen Meisterschaft oder der dritte Platz im Team in der Kombination.
Sie trainieren vier bis fünfmal die Woche. In der Saison sind sie fast jedes Wochenende unterwegs. „Die Gespräche daheim drehen sich viel ums Skispringen“, erzählt Mama Teresa, die als Einzige in der Familie nicht mitspringt. „Ich würde mich das nicht trauen – ich bleibe lieber am Boden.“
Adrenalinkick
„Mir gefällt beim Skispringen vor allem die Gemeinschaft und das Gefühl, als würde man fliegen“, sagt Anna. Auch Joachim ist vom Fluggefühl begeistert – vor allem bei gutem Aufwind. Jakob hat es der Adrenalinausstoß beim Springen angetan. Angst, von großer Höhe aus zu springen hat der 13-Jährige nicht – nur Respekt vor neuen Schanzen. Er und Joachim möchten später einmal im Weltcup mitmischen. Jakobs nächstes Ziel ist es, ins Skigymnasium Saalfelden aufgenommen zu werden. Nach dem Weltcup möchte er Sportlehrer werden.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden