Tips-Zeitreise KW 10: 2005 "1. Braunauer Frauentage"
Vor 11 Jahren fanden rund um den Internationalen Frauentag die „1. Braunauer Frauentage“ statt. Susanne Pfleger, damalige Geschäftsführerin des „Frau für Frau - Infozentrums“ war Hauptorganisatorin der Veranstaltung. Heute ist Monika Krahwinkler erste Ansprechpartnerin für Frauenthemen in Braunau und für die Organisation der Veranstaltungsreihe zuständig.

Tips: 2005 fanden zum ersten Mal die Braunauer Frauentag statt. Wie wichtig war und ist diese Veranstaltung für Braunau und für den Verein „Frau für Frau“
Monika Krahwinkler: Damals war ich selbst noch nicht aktiv bei „Frau für Frau“. Aus der Dokumentation ist ersichtlich, dass die ersten Braunauer Frauentage das zentrale öffentliche Ereignis des Jahres unseres Vereins war und das ganze Jahr dafür organisiert und gearbeitet wurde. Da unsere Beratungstätigkeit – natürlich die wichtigste Arbeit einer Frauenberatungsstelle – seit damals um vieles zugenommen hat und auch andere frauenspezifische Themen, wie etwa Gewalt gegen Frauen und neben den Einzelberatungen auch Gruppenangebote Platz finden mussten, muss heute die Organisation der Frauentage mehr oder minder nebenbei laufen.
Tips: Welchen Anklang finden Frauenthemen in der Bevölkerung im Bezirk?
Krahwinkler: Frauenthemen in die Öffentlichkeit zu bringen beziehungsweise das Bemühen, dass sie angenommen werden, ist an und für sich ein schwieriges Unterfangen. Das hat meiner Einschätzung nach nichts mit ihrer Relevanz zu tun, denn die noch immer nicht faktische, gelebte Gleichberechtigung von Frauen ist vielfach belegt. Man muss sich nur beispielsweise mit den Punkten ungleicher Lohn für gleiche Arbeit, oder die Zuständigkeit für die Kindererziehung beschäftigen. So müssen sich auch heute noch Frauen für ihre Rechte einsetzen, umso besser, wenn sie dabei von gleich berechtigten Männern unterstützt werden. Damit aus gesetzlicher Gleichberechtigung auch gesellschaftliche Wirklichkeit wird, dafür lohnt sich auch heute noch zu kämpfen. Vieles ist zwar erreicht, aber zahlreiche Probleme gibt es auch noch im Jahr 2016.
Tips: Erkennt man also in den letzten elf Jahren eine Entwicklung?
Krahwinkler: Ja, trotz allem können auch Fortschritte verbucht werden. Und das auch in Braunau: So konnte „Frau für Frau“ in Braunau von der Notwendigkeit einer Frauenübergangswohnung für Frauen und deren Kinder, die von latenter häuslicher Gewalt betroffen sind, überzeugen. Wenn auch eine längerfristige Finanzierung des Projekts noch ausständig ist. Zu unserem Verein möchte ich noch sagen, dass wir aufgrund unseres umfanreichen und professionellen Angebots letztes Jahr vom Bundesministerium für Bildung und Frauen die Anerkennung als Frauenservicestelle bekommen haben. Das freut natürlich sehr.
Tips: Wie würden Sie die Frauen im Bezirk Braunau einschätzen? Sehen diese eine Notwendigkeit, auf geschlechterspezifische Misstände aufmerksam zu machen oder sieht ein Großteil eine Gleichberechtigung als ausreichend fortgeschritten an?
Krahwinkler: Manche Frauen sehen freilich diese Notwendigkeit, andere wiederum finden feministische Aktivitäten übertrieben - für die ist es zum Beispiel dann auch okay, wenn Frauen in einer vermännlichten Sprache mitgemeint sind. Letztlich sind wir Frauen alle Kinder des Patriarchats, das tausende Jahre aufgebaut und verinnerlicht wurde. Und das ist nicht innerhalb von Jahrzehnten völlig abzulegen.
Mehr Informationen zu den aktuell laufenden Veranstaltungen zu den Frauentagen unter http://www.fraufuerfrau.at/events/braunauer-frauentage/


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