Neuer Elternratgeber: „Trotz Beziehungsende bleiben wir, was wir waren: Mama und Papa“
ALKOVEN. Geht eine Beziehung in die Brüche, haben Trauer, Angst und Wut ihren großen Auftritt. Manche werden unberechenbar vor Eifersucht, andere reagieren mit psychosomatischen Beschwerden und manch einer holt zum emotionalen Rundumschlag aus. Gerade der Verlassene wünscht meist den totalen Beziehungsabbruch von dem Partner, der sich getrennt hat. Doch was, wenn ein Kind ein Leben lang verbindet?

„Eine Trennung ist wie ein Sandsturm, der plötzlich über uns hereinbricht. Es braucht seine Zeit bis jedes Sandkorn wieder seinen Platz in der weltlichen, familiären Ordnung gefunden hat“, weiß Sonja Huemer. Die Alkovenerin ist klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin für Kinder und Jugendliche, arbeitete als Familiengerichtshilfe in Wels, betreut seit Jahren Eltern in Scheidungsfällen sowie Trennungskonflikten, und ist selbst Teil einer Patchwork-Familie. In ihrem eben erschienenen Buch „Unserem Kind zu Liebe bleiben wir ein Team“ zeigt sie Bewältigungsstrategien für Eltern nach der Trennung auf. Es soll einen Leitfaden darstellen, um Eltern die Zusammenarbeit für ihr Kind zu erleichtern.
Wertschätzung neu erlernen
„Was ist das Beste für mein Kind? Wie gehe ich mit meinen Kränkungen und Ängsten um? Was kann ich für mich tun, wenn ich mein Kind nicht sehen kann? Eltern wollen nach einer Trennung natürlich das Beste für ihr Kind, schaffen es jedoch oft nicht, dieses in die Realität umzusetzen, da Trauer und Wut zu tief sitzen. Viele gehen den Weg bis vor das Familiengericht. Diesen Weg möchte ich den Eltern, aber vor allem dem Kind ersparen“, erklärt die 37-Jährige.
Kernziel des Buches ist für die Autorin das Beste für das gemeinsame Kind herauszuholen. „Die Angst ist bei einer Trennung der größte Feind. Auf beiden Seiten ist die Angst riesig, nach dem Partner auch noch das Kind zu verlieren. Es werden Mauern aufgebaut und versucht die Situation zwanghaft zu kontrollieren. Es heißt nicht umsonst, dass Eltern für ihr Kind wie Löwen kämpfen. Aus Angst schlagen sie Wege ein, die sie nie gehen würden. Doch die Angst darf uns nicht zu Ungeheuern werden lassen und vor allem darf man eines nie vergessen. Trotz Beziehungsende bleiben Frau und Mann immer das, was sie am Anfang waren: Mama und Papa. Das Band zwischen Eltern und ihrem Kind können nur die Eltern selbst kaputt machen“, so Huemer.
In ihrem Buch beschreibt sie nach den Trennungsphasen, wie es gelingen kann mit sich selbst und auch dem früheren Partner wieder ins Reine zu kommen, ohne sich im Hass zu verlieren. „Mutter und Vater müssen verstehen, dass es nicht um eine Machthierarchie geht, sondern um das Wohl ihres Kindes. Sie müssen lernen wieder wertschätzend, vernünftig und fair miteinander umzugehen, ganz egal wer gegangen ist“, so die Alkovenerin.
Kinder wissen Bescheid
Viel Potential für Überforderung und Konflikt lösen neue Lebenspartner aus. „Ob Frau oder Mann, man muss sich bewusst sein, dass der frühere Partner eine neue Beziehung eingehen wird. Angst ist aber unbegründet. Auch dass das Kind gerade zu Beginn über sie oder ihn viel redet ist normal, das ist mit einem neuen Spielzeug vergleichbar. Wir dürfen die Kinder nicht unterschätzen, denn sie wissen sehr wohl Bescheid. So hart es klingt und auch ist, wir müssen unsere Kinder loslassen. Wir sind ihre Begleiter, aber sie sind nicht unser Eigentum“, so Huemer. Das Buch ist in den Buchläden wie auch auf www.best-coach.at erhältlich.


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