Warum es auch in der Region zu Hangrutschungen kommen kann
BEZIRKE EFERDING UND GRIESKIRCHEN. Die Bilder von den Hangrutschungen und Wetterkatastrophen im Süden Österreichs waren in den Medien stark vertreten. Doch wie sieht es damit in den Bezirken Eferding und Grieskirchen aus? Tips hat den Hartkirchner Geologen Gerhard Neuhuber als Experten befragt.

Tips: In Kärnten und der Steiermark wurde aufgrund der Unwetter häufig von Hangrutschungen berichtet. Ist so etwas bei ähnlichen Wetterlagen auch in der Region Eferding/Grieskirchen möglich?
Gerhard Neuhuber: Hangrutschungen, Muren, Berg- oder Felsstürze sowie Gerölllawinen gehören zu den gravitativen Massenbewegungen. Die Schwerkraft und der Erddruck in Kombination mit Wassereinlagerungen und Aufschwemmungen sorgen dafür, dass Material hangabwärts, häufig in Spontanereignissen, rasch abtransportiert wird. Zunehmende Starkregenereignisse – wie der tagelange Regen in Kärnten und der Steiermark zuletzt –, aber auch extreme Trockenheitsperioden sind Folgen der Klimaveränderung.
Besonders in Österreichs alpinen Regionen, aber auch bei uns im Hügelland des Hausrucks wie dem Donautal und den Einhängen des Eferdinger und Grieskirchner Beckens zählen diese Wetterphänomene zu den auslösenden Momenten von gravitativen Massenbewegungen und erhöhter Boden- wie Felserosion. Zudem beeinflusst die Schwächung des Waldes, gleichfalls vom Klimawandel hervorgerufen, dessen zusätzliche Schutzfunktionen für Siedlungen gegenüber Steinschlag, Erdmuren und Felsstürzen.
Tips: Welche Bereiche sind in Eferding und Grieskirchen besonders gefährdet?
Neuhuber: Laut der ehemaligen Geologischen Bundesanstalt (GBA) betreffen Massenbewegungen „vornehmlich jene Hangbereiche, die einerseits durch menschliche Eingriffe wie zum Beispiel Böschungen, andererseits im Zuge sich wandelnder Klimabedingungen instabil werden“. Somit sind hier sämtliche Schlierbereiche in der oberösterreichischen Molasseregion und die lehmigeren Bereiche im Hausruckbereich sowie entlang der Bäche und besonders auch die Felseinschnitte der Donau anzunehmen. Der Klimawandel ist ein möglicher Treiber der Erdrutsch- und Steinschlag- wie Felssturzgefahr, doch auch damit verbundene Landnutzungsänderungen und die Art der Bodenbedeckung könnten für das Auftreten von Erdrutschen und Bodenumlagerungsprozessen relevant werden.
Tips: Welche Gefahren bestehen für die Umwelt bei Hangrutschungen?
Neuhuber: Wenn die Erderwärmung in unserer Region weiter voranschreitet, steigert sich das Risiko für Mensch und Umwelt. Die Böden in Eferding und Grieskirchen versteppen zeitweise und weichen sich bei Starkniederschlagsereignissen massiv auf. Beides hat große Auswirkungen auf die Fauna und Flora wie auch auf die Land- und Forstwirtschaft. Unsere Bauern werden sich dann umstellen müssen und andere Arten anbauen müssen. Unsere Region könnte beispielsweise wieder zu einem größeren Weinbaugebiet werden.
Tips:Gibt es Warnzeichen? Wie kann man vorbeugen?
Neuhuber:Als Warnhinweise im Boden oder Fels sind Risse und Umlagerungsprozesse zu erwähnen. Sobald sich größere Bodenumlagerungen, Bodenverbiegungen und Risse zeigen, sollte ein Fachmann ehestens zur Beurteilung herangezogen werden.
Als Vorbeugung empfehle ich, bei jeder Bautätigkeit und größeren Eingriffen in einem Hangbereich einen Fachmann hinzuzuziehen und beurteilen zu lassen, ob und welche Gefahren gegeben sind. Das ist besonders bei Nachbarsgrenzen empfehlenswert, sonst entstehen mitunter jahrelange prozessuale Auseinandersetzungen vor Gerichten. Weiters ist ein gesunder Mischwald mit seinen engen und tiefen Wurzelgeflechten und der Evapotranspiration (Gesamtsumme der Wasserverdunstung einer natürlich bewachsenen Bodenoberfläche, Anm. d. Redaktion) ein Hilfsmittel, um in gefährdeten Gebieten das Risiko zu minimieren. Straßenbauten oder auch Güterwege mit starken Eingriffen in die Landschaft sind jedenfalls gründlich zu überdenken und die Fundamentierungen von Häusern und Neubauten müssen in jedem Fall dementsprechend statisch berechnet und technisch verankert werden. Mein Tipp: Das Amt der Oberösterreichischen Landesregierung hat eine Gefahrenhinweiskarte für gravitative Massenbewegungen als Leitfaden frei zugänglich im Internet erstellt und kann als Erstbeurteilung, ob eine Fläche gefährdet ist, herangezogen werden:
https://www.land-oberoesterreich.gv.at/files/publikationen/gtw_leitfaden_gefahrenhinweiskarte.pdf


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden