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Trockenheit und Hitze bescheren Land- und Forstwirten ein schwieriges Jahr

Nora Heindl, 12.09.2018 12:07

EFERDING/GRIESKIRCHEN. Des einen Freud, des anderen Leid: Während der Sommer für Urlauber und Badegäste fast optimal verlaufen ist, beklagen Land- und Forstwirte teils große Schäden. Anhaltende Hitze und vor allem der fehlende Niederschlag haben in den Bezirken Eferding und Grieskirchen Spuren hinterlassen.

Ausgetrocknete Wiesen und Felder prägen die Landschaft. Foto: Volker Weihbold
  1 / 4   Ausgetrocknete Wiesen und Felder prägen die Landschaft. Foto: Volker Weihbold

„Durchschnittlich haben wir bei Getreide um minus 15 Prozent, bei Ackerbohne um minus 70 Prozent und bei Grünland um minus 40 Prozent weniger geerntet. Kleinräumig kam es zu wesentlich höheren Ausfällen, weil die Niederschläge dort noch mehr ausgelassen haben“, weiß Ludwig Schurm, Bauernbund-Bezirksobmann von Eferding. Beim Grünland seien die Einbußen besonders problematisch, da aufgrund der geringen Futtervorräte zum Teil Vieh verkauft werden musste.

Bei Obst und Gemüse kam es zwar ebenfalls zu Ertragseinbußen, diese waren aber von Frucht zu Frucht verschieden. Während Marillen und Kirschen eher begünstigt waren, waren die Erdbeeren die großen Verlierer. „Dass der Schaden bei Obst und Gemüse überschaubar war, verdanken wir zum Großteil der durch die Wassergenossenschaft ermöglichten großflächigen Bewässerung. Das ist natürlich aber auch mit höheren Kosten verbunden und schmälert somit den Ertrag. Doch sind wir heute sehr froh, dass unter Agrarlandesrat Josef Stockinger diese Initiative stark unterstützt wurde“, betont Schurm. „Wenn der Gemüsestandort Eferding auch in Zukunft eine positive Weiterentwicklung nehmen soll, der Klimawandel aber fortschreitet, müssen wir die Bewässerungsmöglichkeiten weiter ausbauen.“ Bei Körnermais und Zuckerrübe sowie bei der Herbsternte im Gemüse und Obstbau werden im Bezirk Eferding gute bis durchschnittliche Erträge erwartet.

Hitze fördert Befall von Borkenkäfern

Durch die Trockenheit besonders gelitten hat der Wald. Die Hitze förderte den Borkenkäferbefall, wodurch zum Teil große Waldflächen geschlägert werden mussten, wie etwa in Haibach. „Damit verschlechterte sich der Preis am Holzmarkt massiv. Die Wiederaufforstung ist ebenfalls eine große Belastung für die Bauern“, so Schurm. Der Holzpreis für das vom Borkenkäfer befallene Holz ist bis zu 1/3 niedriger als der bisherige Handelspreis.

Kuhpreis zurückgegangen

Um nichts besser sieht es im Bezirk Grieskirchen aus. „Das heurige Jahr zeigt wieder einmal sehr deutlich, dass die Bauern als Erste vom Klimawandel unmittelbar betroffen sind“, betont Martin Dammayr, Bauernbund-Bezirksobmann aus Grieskirchen. „Im Grünland, sprich vor allem bei den Wiesen, hatten wir starke Schäden und Ernteeinbußen. In manchen Gegenden konnte gar nur die Hälfte der üblichen Erntemenge eingefahren werden.“ Wenn Futter fehlt, sind viele Tierhalter gezwungen erhebliche Mengen an Ersatzfuttermitteln wie Heu, Silage oder Silomais zuzukaufen beziehungsweise ihre Tierbestände teilweise abzustocken. Müssen etwa Zuchttiere verkauft werden oder können diese nicht nachgezüchtet werden, so zieht sich der Schaden lange hin und betrifft mehr als „nur“ den Wert des nicht geernteten Futters. Der Kuhpreis ist in den letzten Wochen um etwa 25 Cent je Kilogramm (zirka 95 Euro je Kuh = zirka 10 Prozent) zurückgegangen.

In Sachen Bewässerung sieht es im Bezirk Grieskirchen schwierig aus. „Die Frage ist, woher könnte das Wasser kommen. Flüsse hatten im heurigen Sommer ebenfalls sehr wenig Wasser. Der Grundwasserspiegel sinkt ohnedies und könnte in den nächsten Jahren noch zum Problem werden.“

Umdenken in Sachen Natur und Klimawandel notwendig

„Insgesamt brauchen wir eine andere Einstellung zu unseren wertvollen Lebensmitteln und zum Umgang mit der Natur. Das Verschleudern von Lebensmitteln zu Preisen unter den Herstellungskosten ist nicht notwendig. Auf der anderen Seite wirbt jede Handelskette mit der Region mit Produkten die in bäuerlicher Landwirtschaft produziert werden. Wir brauchen einen Gesinnungswandel“, betont Ludwig Schurm.

Martin Dammayr ergänzt: „Ich finde es grundsätzlich schade, dass wir uns in unserer Gesellschaft nur mehr mit der Frage der Anpassung an den Klimawandel befassen und mit Maßnahmen zur Verhinderung oder Eindämmung eigentlich gar nicht mehr auseinandersetzen. Bei Dürre und Unwetterkatastrophen zeigen wir uns dann überrascht und betroffen. Wir werden wohl oder übel lernen müssen damit umzugehen.“

Gesamtschaden von 110 Millionen Euro

Insgesamt sind in der oö. Landwirtschaft Schäden in Höhe von 110 Millionen Euro entstanden. „Dabei handelt es sich um die gegenwärtige Situation, die Auswirkungen auf die Herbstkulturen sind noch nicht inkludiert“, erklärt Mario Winkler von der Österreichischen Hagelversicherung.

In Oberösterreich begrüßt man das von der Bundesregierung verkündete Sofortmaßnahmenpaket. „Oberösterreich zählte in diesem Sommer zu den trockensten Regionen Österreichs. Um nicht nur die drastischen Schäden abzufedern, sondern auch eine nachhaltige Risikoabdeckung zu gewährleisten, wird auch Oberösterreich seinen Beitrag zur Erhöhung der staatlichen Prämienunterstützung für die Elementarrisikoversicherung und die Tierausfallsversicherung leisten“, so Landeshauptmann Thomas Stelzer. „Die raschen Sofortmaßnahmen und die Direkthilfe für tierhaltende Betriebe unterstützen treffsicher in den betroffenen Gebieten. Gerade im rinderstärksten Bundesland gilt es, unbürokratisch und direkt zu helfen. Doch auch die Maßnahmen zum Wiederaufbau und der Sicherung klimafitter Wälder legen den Fokus auf die nachhaltige Zukunft unserer Betriebe“, bekräftigt Landesrat Max Hiegelsberger.


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