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Tag der Behinderung: ein Rundgang durch Enns gibt Aufschluss

Rafael Haslauer, 29.11.2017 19:01

ENNS. Alexandra Gschwandtner – Sekretärin am Bundesrealgymnasium Enns – sitzt seit ihrer Geburt im Rollstuhl. Anlässlich des Tages der Behinderung am 3. Dezember begab sie sich, gemeinsam mit Tips, auf Lokalaugenschein in der ältesten Stadt Österreichs. Der Blick wurde auf Barrierefreiheit gelegt.

Bis auf den Bahnhof sieht es in Enns mit der Barrierefreiheit recht gut aus.
  1 / 2   Bis auf den Bahnhof sieht es in Enns mit der Barrierefreiheit recht gut aus.

Die gebürtige Bad Goisnerin kam mit offenem Rückenmark zur Welt, lebt mittlerweile in Kronstorf und arbeitet in Enns. Ihre Wahlheimat weiß sie, vor allem was die Barrierefreiheit angeht, durchaus zu schätzen. „Ich bin der Meinung, dass Enns in Sachen Barrierefreiheit ganz gut dasteht. Natürlich gibt es immer irgendwo Verbesserungsmöglichkeiten, die gibt es aber überall.“

Ein Musterbeispiel

Vor allem ihren Arbeitsplatz am Bundesrealgymnasium hebt Gschwandtner lobend hervor: „Die Eingangstür öffnet automatisch und auch der Lift weist einen akustisch darauf hin, wann die Türe schließt oder wann man in welchem Stock angekommen ist. Das ist vor allem für blinde Menschen besonders wichtig, da sie ansonsten den Lift nicht benutzen könnten.“ Generell ging man im Gymnasium sehr auf die Wünsche und Bedürfnisse von Gschwandtner ein, wie sie berichtete.

Die Innenstadt

Beinahe jedes Geschäft in der Ennser Innenstadt ist barrierefrei zu begehen. Auf Probleme stößt man allenfalls bei Gebäuden, die unter Denkmalschutz stehen. Lobende Worte findet Gschwandtner auch für die Ennser Stadtapotheke: „Zwar wird man dort als Rollstuhlfahrerin mit einer Stufe von der Apotheke an sich getrennt, dafür ist im Außenbereich eine Glocke angebracht, auf die die Mitarbeiter prompt reagieren. Generell fühle ich mich in der Stadtapotheke bestens betreut.“

Alltagsprobleme

Allerdings bleibt dem Auge eines gesunden Menschen so einiges verborgen. So seien beispielsweise Alltagstätigkeiten, wie das Auto betanken, ein großes Problem. „Aufgrund der baulichen Gegebenheiten ist es mir nicht möglich, alleine mein Auto zu betanken. Da müssen mein Mann und ich immer zu zweit fahren, was ziemlich aufwendig und vor allem nervig ist.“ Auch Bargeldbehebungen am Bankomat seien fast nicht möglich.

Ärgernis

Wenn man das Stadtzentrum verlässt und sich in das neue Primärversorgungszentrum begibt, fallen zunächst die beiden Behindertenparkplätze ins Auge, auch der Zugang zu den Warteräumen stellt keinerlei Probleme dar. Erst bei der Anmeldung kommt man ins Grübeln: „Für mich als Rollstuhlfahrerin ist es absolut nicht möglich, mit den Ordinationsdamen zu kommunizieren, weil ich nicht über den Verbau schauen kann. Der ist viel zu hoch. Natürlich kann man sich immer irgendwie helfen, auf Dauer ist das aber ziemlich ärgerlich, weil man solche Dinge auch im Vorfeld hätte bedenken können.“

Baustelle Bahnhof

Gravierende Defizite wurden bei der Begehung des Ennser Bahnhofs sichtbar. Dort ist es behinderten Menschen nicht möglich, die Gleise zu wechseln, weshalb Gschwandtner nach St. Valentin ausweichen muss. „Für mich persönlich ist das kein Problem, da ich ohnehin am liebsten mit der Westbahn fahre und ich von St. Valentin aus nur eine Station nach Amstetten fahren muss. Generell wurde der Bahnhof in St. Valentin sehr gut ausgebaut. Rampen und Aufzüge bringen einen überall hin.“ Einige Meter weiter befindet sich die Basilika St. Laurenz – auch dort wurde der Haupteingang mittlerweile rollstuhlgerecht umgebaut. Um allerdings dorthin zu gelangen, muss man als Rollstuhlfahrer einen Umweg durch den Friedhof auf sich nehmen, weil der Hauptzugang nicht mit einer Rampe ausgestattet wurde.

Bemühungen sind groß

Auch dem Bürgermeister der Stadt Enns, Franz Stefan Karlinger, ist Barrierefreiheit wichtig: „Generell unterstützen wir alle Maßnahmen, die eine Verbesserung der Barrierefreiheit zum Ziel haben. Bei Neubauten wie etwa dem neuen Kinderhaus oder dem Museum, ist uns die Umsetzung gut gelungen. Eine der größten Aufgaben bezüglich der Barrierefreiheit in der Innenstadt ist der Denkmalschutz. Da wird es leider immer Gebäude geben, die nicht barrierefrei umgebaut werden können.“


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