Hautnahe Ausbildungen bereiten die Schüler auf das Arbeitsleben vor

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Julia Karner Julia Karner, Tips Redaktion, 21.09.2020 08:11 Uhr

ST. FLORIAN. Im Laufe der fünfjährigen Ausbildung an der Höheren Landwirtschaftlichen Bundeslehranstalt St. Florian sind drei Pflichtpraktika zu absolvieren. Zwei davon in der Dauer von vier Wochen und die sogenannte „Große Praxis“ in der Dauer von 14 Wochen zwischen dem 3. und 4. Jahrgang.

Im Pflichtpraktikum können die Schüler die im Unterricht der fachtheoretischen und fachpraktischen Pflichtgegenstände erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten auf die Berufspraxis anwenden und vertiefen. Sie gewinnen einen umfassenden Einblick in die Organisation von Betrieben und Bereichen der Landwirtschaft. Sie umreißen die Pflichten und Rechte der Arbeitnehmer und reflektieren diese auf die unmittelbare berufliche Situation hin. Sie lernen, sich Vorgesetzten sowie Mitarbeitern korrekt und selbstsicher zu verhalten. Durch die Unterrichts- und Praxiserfahrung erwerben sie eine positive Grundhaltung zum Berufs- und Arbeitsleben. Das Pflichtpraktikum ist gemäß der Stundentafel in drei Abschnitten durchzuführen. Zur Anrechenbarkeit ist das Pflichtpraktikum in einem der Zielsetzung der Fachrichtung Landwirtschaft entsprechenden Betrieb abzuleisten und es ist eine facheinschlägige Tätigkeit nachzuweisen. Die Schule leistet hierbei Hilfestellung beim Auffinden geeigneter Praktikumsstellen. Etwa zwei Drittel der Schüler der HLBLA St. Florian nützen diese Gelegenheit, um auch Ländergrenzen zu überschreiten und fachlich und sprachlich im europäischen Raum „über den Tellerrand“ zu blicken.

Praktikumsbericht aus Finnland (Kiuruvesi) - Romana Zeitlhofer:

„Trotz Coronakrise war es mir schlussendlich doch möglich, mein Praktikum in Finnland anzutreten. Mein zwölfwöchiges Praktikum absolviere ich umgeben von vielen Wäldern, Seen, Feldern, Wiesen und nicht zu vergessen zahlreichen Kühen. Mein Betrieb befindet sich in der Region Kiuruvesi, welche den zweitgrößten Rindfleisch- und Milchanteil in ganz Finnland produziert. Auf meinem Milchviehbetrieb bin ich hauptsächlich für die Milchlieferantinnen zuständig. Meine Aufgaben bestehen darin, mich um das Wohlbefinden und die Gesundheit der Kühe zu kümmern. Liegebereiche von Schmutz und Fäkalien zu befreien und sie mit neuen frischen Sägespänen einzustreuen sind genauso meine Aufgaben, wie die 150 Kuh-Damen mit Silage zu füttern. Die Rasselbande der neugeborenen und jüngsten Kälber, welche mit Milch gefüttert werden, darf ich ebenfalls betreuen, was ich mit viel Liebe mache.

Die Hygienemaßnahmen der zwei LELY Milkroboter sind ebenfalls mir zugeteilt. Diese werden von mir zweimal am Tag gewaschen und gereinigt. Bei einer so großen Anzahl von Kühen gibt es immer wieder Wehwehchen und Problemchen. Schmerzmittel per Maul verabreichen oder Injektionen gegen eine Entzündung geben, bilden mittlerweile einen Teil meiner Stallroutine. Ich fühle mich sehr wohl bei meiner Familie, die mir die Möglichkeit bietet, in meiner Prakti-kumszeit nicht nur arbeiten und zahlreiche Erfahrungen sammeln zu dürfen, sondern zusätzlich wird mir die Möglichkeit geboten, das Land der 1.000 Seen und Menschen, die darin leben, kennenlernen zu dürfen. Ich freue mich auf meine noch verbleibende Zeit im hohen Norden und die bevorstehenden Aufgaben und Abenteuer, die ich noch erleben darf“, erzählt Romana.

Praktikumsbericht von Kilian Preinfalk. – Kilian absolviert sein Praktikum auf einem niederösterreichischen Ackerbaubetrieb.

„Seit ein paar Wochen arbeite ich nun schon auf meinem Praxisbetrieb und ich habe mich bereits gut eingewöhnt. Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich und interessant. Manchmal ist es auch anstrengend, aber das gehört natürlich dazu. Da ich auf einem Ackerbaubetrieb arbeite, werden die meisten Arbeiten mit Traktoren erledigt, aber es sind auch manche Tätigkeiten mit der Hand zu machen, wie zum Beispiel die Bewässerungsrohre verlegen. Ich habe bereits einiges gelernt, mir gefällt es sehr gut und ich freue mich auf die noch verbleibende Zeit“, sagt Kilian.

Praktikumsbericht aus der Schweiz (Sargans) - Therese Köberl:

„Mein großes Praktikum absolviere ich in der Schweiz auf einem sehr vielfältigen Betrieb im Kanton St. Gallen, genauer gesagt in Sargans (Rheintal). Der Betrieb hat drei große Standbeine: Milchviehhaltung, Markt- und Industriegemüsebau sowie Hühnermast. Insgesamt 30 Kühe, 24.000 Hühner und etwa 25 Hektar Gemüse (Karotten, Erdäpfel, Blumenkohl, Rote Rüben, Süßmais) und noch ein paar ha Grünland, Feldfutter, Getreide, Zuckerrüben und Silomais gehören zum Betrieb. Entsprechend vielfältig sind auch meine Aufgaben: Morgens und abends melken und Stallarbeiten bei den Kühen erledigen, mehrmals täglich Kontrollgänge bei den Hühnern, aber auch Feldarbeiten wie Unkrautbekämpfung oder Hilfe bei der Erdäpfel- oder Karottenernte stehen auf dem Programm. Zwischendurch wird noch geheut und siliert, oder das Jungvieh auf der Alp muss umgetrieben werden - langweilig wird es deshalb nie“, so Therese.

 

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