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Vögel der Region: "Tipsi" präsentiert den kleinen Spatz

Leserartikel Julia Karner, 03.11.2015 18:00

REGION ENNS. Im Herbst-Monat November präsentiert die Blaumeise „Tipsi“ seine kleinen Freunde, die Spatzen.

Hausspatz
Foto: Florian Mayr
  1 / 5   Hausspatz Foto: Florian Mayr

„Ich bin ein armer Schreiber nur, hab weder Haus noch Acker, doch freut mich jede Kreatur, sogar der Spatz, der Racker“, schrieb Wilhelm Busch. In China ließ hingegen Mao Tse-tung 1957 wegen Ernteausfällen 600 Millionen Chinesen antreten, um die „schuldigen“ Spatzen auszurotten. Sein Hofgelehrter schimpfte wie ein Rohrspatz: „Du Mistvogel, heute rechnen wir mit dir ab!“ Zwei Milliarden Spatzen wurden durch Lärm so lange in Panik versetzt, bis sie vor Erschöpfung zu Boden fielen. Dort wurden sie wehrlos erschlagen. Die Missernten wurden allerdings noch krasser und eine regelrechte Hungersnot begann. 30 Millionen Chinesen verhungerten. Eines besseren belehrt, die Spatzen fressen ja gerne die Getreideschädlinge, musste China vom ungeliebten Nachbarn Russland Spatzen importieren. Der Spatz steht heute in China unter Schutz, hat sich aber im Bestand nicht mehr erholt. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, es schießen halt leider alle Systeme, vom Kommunismus bis zum Kapitalismus, beim Umgang mit der Natur mit Kanonen auf Spatzen.

Zurück in Österreich:

Bei uns sitzt der Spatz auch bereits auf dem absteigenden Ast, er ist aber noch halbwegs häufig. Generationen von Schülern sind bei uns mit der Spatzenpost aufgewachsen und schlau geworden. Auch wenn man für dumm und vergesslich sein die Redewendung „ein Spatzenhirn haben“ her nimmt, so ist der Spatz ein sehr intelligenter und sozialer Vogel. Deshalb haben die Spatzen ja gerade uns auserwählt - den graueren Hausspatz gibt es seit Jahrtausenden als Kulturfolger nur dort wo Menschen leben. Der scheuere, fein gezeichnete Feldspatz, ist eher am Rande von Siedlungen anzutreffen. Der Hausspatz wurde von den Menschen sogar in die USA und nach Australien mitgenommen. Die Vorliebe der Spatzen für Staubbäder, die nach dem Wasserbad eigentlich für zusätzliche Hygiene sorgen, ließen uns die Bezeichnung „Dreckspatz“ für schmutzige Kinder erfinden. Auch der Ausdruck „Schmutzfink“ leitet sich vom Spatzen her. In den Wellnesstempeln und Thermalbädern machen wir aber mit Fango- und Schlammpackungen nicht viel anderes und Hygienestudien besagen inzwischen, dass Kinder, die nicht vor jedem Staubkorn beschützt werden, viel weniger mit Allergien und Asthma zu kämpfen haben als der allzu steril aufgezogene Nachwuchs. Damit uns der werte Spatz auch weiterhin in der Hand lieber sein kann als die Taube auf dem Dach, braucht es wieder weniger versiegelte Flächen und mehr Nischen-Nistplätze an Gebäuden. Dank dem Spatzen darf auch der arme Buchsbaum bald wieder aufatmen, denn der Haussperling hat die Buchsbaumzünslerraupen, die der Mensch mittels Gartencenter in ganz Mitteleuropa verbreitet hat, als Nahrung für sich entdeckt. Da hoffen wir alle, dass der Spatz hier nicht isst, wie ein Spatz.


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