Altmaterialien als Rohstoffquelle
ENNS. Im Ennshafen erweitert die Firma Bernegger ihren Firmenstandort. Eine Anlage zur thermischen Metallgewinnung ist im Bau und soll 2024 fertiggestellt sein. Klimaschutzministerin Leonore Gewessler und Klima-Landesrat Stefan Kaineder von den Grünen besuchten am Freitag, 10. Februar, die Betriebsanlagen.

Konnte man vor 50 Jahren einen Autoscheinwerfer in sämtliche Einzelteile zerlegen und die Bauteile einer Wiederverwertung zuführen, so bestehen heutzutage viele Fahrzeugteile aus Verbundstoffen, in denen unterschiedliche Materialien eingearbeitet sind. Der technische Fortschritt führt dazu, dass Bauteile wie Türverkleidungen, Sitze oder die Mittelkonsole viele Funktionen beinhalten und aus unterschiedlichen Materialien bestehen. Beleuchtungskörper, Schalter, Sensoren, Heizungen, Form- und Dämmelemente sind miteinander verschmolzen. In einem modernen Pkw mit Verbrennungsmotor befinden sich zwischen 20 und 30 kg Kupfer, in Fahrzeugen mit Elektromotoren bis zu 80 kg. Daneben sind verschieden andere hochwertige Metalle, unter anderem Silber, Gold und sogar Platin, Rhodium und Palladium verbaut.
Altstoffe als Rohstoffquelle
Nicht nur Autos sind wertvolle Rohstoffquellen, auch Haushaltsgeräte, Spielzeuge, Handys, Computer können wiederverwertet werden. Das Recycling ist eine technische Herausforderung, macht sich aber in Zeiten von steigenden Rohstoffpreisen bezahlt und ist zudem eine umweltschonende Alternative zum Bergbau. Der Abbau von Erzen erfordert massive Eingriffe in die Umwelt, die gewonnenen Rohstoffe müssen oft über weite Strecken transportiert werden. Kupfererz enthält durchschnittlich weniger als ein Prozent reines Kupfer, der Anteil an Kupfer in Fahrzeugen und Elektrogeräten ist deutlich höher. Das Metallkann aus Altmaterialien ohne Qualitätsverlust beliebig oft wiederverwertet werden. Derzeit stammt weltweit etwa ein Drittel aller hergestellten Kupferprodukte aus Recyclingmaterial.
Mechanische Aufbereitung
Seit 2006 betreibt die Firma Bernegger im Ennshafen eine sogenannte Shredderrückstandsaufbereitungsanlage. In dieser mechanischen Aufbereitungsanlage werden angelieferte Abfälle zerkleinert und mittels unterschiedlicher Trennverfahren in 21 Materialien aufgespalten. Neben verschiedenen Metallen werden auf diesem Weg auch Kunststoffgranulate gewonnen. Bei dieser Art der Aufbereitung bleiben feine metallhaltige Rückstände zurück. Durch ein weltweit einzigartiges Verfahren können auch aus diesen Rückständen Metalle gewonnen werden und somit 99 Prozent der Rohstoffe aus Altautos und Elektroschrott verwertet werden.
Investition in neue Anlage
Aktuell investiert die Firma 70 Millionen Euro am Firmenstandort Enns in den Bau einer neuen Anlage zur thermischen Metallgewinnung und einer Kunststoff-Sortieranlage, in Zusammenarbeit mit ARA und dem Grünen Punkt, die 2024 in Betrieb gehen soll.
Für die Anlieferung der Rohstoffe wurde ein eigener Bahnanschluss errichtet. Am Standort können pro Tag bis zu drei Züge mit Spezialcontainern umgeschlagen werden und pro Zug 100 Lkw-Fahrten ersetzt werden.


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