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Die Rückkehr der Sommerfrische: Klimawandel birgt auch Chancen fürs Mühlviertel

Mag. Claudia Greindl, 08.05.2018 19:03

BEZIRK FREISTADT. Ein eiskalter März, ein überdurchschnittlich warmer April, Trockenheit, Saharastaub und dicke Wolken von Blütenpollen – die Natur scheint heuer aus dem Gleichgewicht geraten zu sein. Sind das noch normale Wetterkapriolen, oder sind diese Phänomene bereits dem Klimawandel geschuldet? „Wir sind mittendrin im Klimawandel“, meint der Meteorologe Bernhard Niedermoser.

  1 / 2   Die nächsten zehn Generationen sind geprägt von der Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Aber das Bedrohungs-Szenario Hitze birgt auch Chancen. Foto: Marian Weyo/Shutterstock.com

„Der Klimawandel kommt nicht erst, er ist schon längst da“, betont Niedermoser, Leiter des nationalen Wetterdienstes der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik für Salzburg und Oberösterreich. Bei einem Vortrag in Bad Zell versuchte der Wetterexperte die Auswirkungen des Klimawandels auf den Bezirk Freistadt deutlich zu machen. Wärmer wird“s seit 1880Seit 1880 beobachten die heimischen Wetterexperten einen Temperaturanstieg. „Das Klima ist nicht immer gleich, auch Ältere sind schon mit der Erwärmung aufgewachsen. Vor 1880 war das Klima jedoch mehr als 200 Jahre mehr oder weniger stabil“, sagt Niedermoser.

Wärme im Grunde positiv besetzt

Grundsätzlich seien Wärme und Hitze in unseren Breiten noch positiv besetzt. „Sie werden aber zunehmende Probleme verursachen“, ist der Meteorologe überzeugt. „Es stimmt schon, es war schon einmal wärmer bei uns – vor sechs- bis achttausend Jahren gab es in vielen Teilen der Welt ein günstiges Klima. Was mir Sorgen macht: Einen Anstieg von plus zwei Grad Celsius hat es nach der letzten Eiszeit gegeben, sonst nie mehr. Temperaturanstieg bedeutet Veränderung, und die tut in vielen Bereichen weh – Anpassung macht Stress“, sagt Niedermoser. Er prognostiziert, dass die Phase der Anpassung an das wärmer und trockener werdende Klima die nächsten zehn Generationen dauern werde. Schon jetzt ist diese nötige Anpassung in vielen Lebensbereichen im Gange. Was bereits regional spürbar ist:

* Die Übergangsjahreszeiten werden wärmer, der Juni entwickelt sich zunehmend zu „dem“ Sommermonat.* Bis zum Jahr 2000 waren die Sommer bei uns relativ niederschlagsreich, dann stellten die Meteorologen fest, dass sich die Luftströmungen in Europa umgestellt haben. Es wurde deutlich trockener im Raum Linz/Mühlviertel.

* Die Hitzetage mit 30 Grad und darüber werden immer mehr. Die Sommer werden bei uns zum „Italien-Sommer“. * Die Vegetationsperiode ist österreichweit bereits zwei Wochen länger geworden und fängt zehn bis elf Tage früher an.

* Die Niederschläge werden tendenziell übers ganze Jahr weniger – die Grundwasserbildung verschiebt sich in Richtung Winter, das ist auch für das Trinkwasser problematisch.

* Extremwetterlagen wie Platzregen mit 50 bis 60 Litern Niederschlag werden noch intensiver.

* In den Städten wird es wochenlang brütend heiß – auch die Nächte sind nicht mehr deutlich kühler. „Das wird auch Menschenleben kosten“, prognostiziert der Meteorologe.

Plus ein Grad ist bereits fix

Weitere gravierende Veränderungen sind in den nächsten drei, vier Generationen zu erwarten. Ein Temperaturanstieg von einem Grad ist bis 2050 bereits fix. Niedermoser: „Wenn wir nichts tun, kommt es zwischen 2070 und 2100 zu zwei bis vier Grad Temperaturanstieg – und das ist brutal viel. Dann schaut es bei uns ganz anders aus.“ Auch im Mühlviertel müssten wir uns dann auf extreme Trockenheit und steppenartige Pflanzenwelt einstellen. „Vielleicht gibt es dann auch gar keine Vegetation mehr“, sagt Bernhard Niedermoser.

Flucht ins Mühlviertel

In dem Szenario der Belastung und Bedrohung liegt jedoch auch eine Chance. Niedermoser: „Der Tourismus stellt sich ja bereits jetzt schon um, obwohl es auch in Zukunft noch kältere Winter geben wird. Das ist kein Widerspruch zum Klimawandel. Die Temperaturkurve geht trotzdem deutlich nach oben, im Sommer sogar sehr deutlich, im Winter weniger. Die Urlaubsplanung verschiebt sich – 2050/60 werden die Leute nicht mehr ans Mittelmeer fahren, wo es wochenlang 40 Grad hat und der Wald brennt.“ Eine logische Alternative sei die früher beliebte Sommerfrische, der der Klimaexperte eine Renaissance voraussagt: „Bei uns wird es auch dann noch Nächte unter 20 Grad geben, die Leute werden vor der Hitze in den Städten aufs Land flüchten.“

In einem kleinen feierlichen Rahmen wurde jüngst die Ausstellung „Change – Lebenswerte im Klimawandel“ im Green Belt Center in Windhaag bei Freistadt eröffnet. Die Ausstellung setzt sich aus mehreren interaktiven Informations- und Aktivitäts-Stationen zusammen. Sie demonstriert, wie es gelingen kann, den Klimawandel auf ein für Mensch und Natur verträgliches Maß zu beschränken und welchen Einfluss der eigene Lebensstil auf den Klimawandel hat. Besonders empfehlenswert ist die Ausstellung für Schulklassen, Vereinsausflüge und generell am Thema Interessierte. Im Spätherbst wird die in Deutsch und Tschechisch gestaltete Ausstellung nach Südböhmen weiterwandern. Weitere Informationen: www.greenbeltcenter.eu


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