Deutschförderklasse an der VS1 Freistadt: „Es ist nicht der richtige Weg, aber wir wollen das Beste daraus machen“
FREISTADT. „Es ist schwer, etwas umzusetzen, wenn man überzeugt ist, es ist nicht der richtige Weg“, sagt Ulrike Steiniger, Direktorin der Volksschule 1 Freistadt zu den geplanten Deutschförderklassen, die mit Beginn des kommenden Schuljahres verpflichtend starten.

Bereits im Frühjahr berichtete Tips, dass die vom Gesetzgeber geplanten Deutschförderklassen im Lehrerteam der Volksschule 1 Freistadt auf keine Gegenliebe stoßen.
„Sprachklassen widersprechen jeglichem Integrationsgedanken, forcieren Ausgrenzung und bedeuten mit drei Deutschstunden täglich eine massive Überforderung im Volksschulalter“, sagte Schuldirektorin Ulrike Steininger schon damals.
Ihre Schule setzte bisher lieber auf eine Vielzahl von Maßnahmen zur Sprachförderung, bei denen das Miteinander besonders wichtig ist.
„Der helle Wahnsinn!“
Eine entsprechende Stellungnahme des Lehrerteams der VS1 Freistadt an das Bildungsministerium blieb unbeantwortet, worüber Ulrike Steininger nur den Kopf schütteln kann. Und obwohl sich sehr viele Schulen, Sprachwissenschafter und der Landessschulrat Tirol gegen die Deutschförderklassen stark gemacht haben, wurde das Gesetz von der Bundesregierung beschlossen wie geplant.
„Im Grunde ist das ein Riesensparpaket“, sagt Ulrike Steininger, an deren Schule ein Drittel der insgesamt 187 Schüler eine andere Erstsprache als Deutsch hat. „Wir bekommen viel weniger Stunden für die Sprachförderung und die Gruppengröße beträgt 25 Kinder. Das ist der helle Wahnsinn!“, empört sich Ulrike Steininger.
Unmut der Eltern ist groß
Zumindest konnte der Landesschulrat eine Übergangslösung für das Schuljahr 2018/19 erreichen. „Wir bekommen mehr Stunden für die Deutschförderung als vom Ministerium vorgesehen und starten mit einer Deutschförderklasse.
Alle Schulanfänger, die nicht Deutsch als Erstprache haben, mussten sich einer sprachlichen Überprüfung stellen. Jene Kinder, die äußert mangelhafte Deutschkenntnisse aufweisen und dem Unterricht deswegen nicht folgen können, werden als außerordentliche Schüler eingestuft und in der Deutschförderklasse unterrichtet.
„Das sind an unserer Schule zehn Kinder“, berichtet die Schuldirektorin. „Der Unmut unter den Eltern der betroffenen Schüler ist groß. Ich sage ihnen, dass ich es auch nicht will, ich aber keine andere Möglichkeit habe.“
Jene Mädchen und Buben, deren Deutschkenntnisse als mangelhaft eingestuft wurden, werden für den Deutschförderkurs pro Woche jeweils für sechs Stunden aus der regulären Klasse genommen. An der VS1 sind das 27 Kinder aus sieben verschiedenen Klassen, geteilt in zwei Gruppen.
„Das Miteinander fehlt“
„Alle Maßnahmen zur Sprachförderung, die bisher so erfolgreich waren – etwa in kurzen Sequenzen und in Kleinstgruppen – dürfen wir jetzt nicht mehr anwenden“, bedauert Steininger, dass funktionierende Modelle mit dem neuen Gesetz aufgegeben werden müssen.
Dazu kommt: „Die Deutschförderklasse bedeutet eine große Herausforderung für die Lehrerin. Vor allem, da sie das einzige Sprachvorbild für die Schüler ist und das partnerschaftliche Lernen von und mit anderen Kindern, deren Erstsprache Deutsch ist, in diesem Modell komplett fehlt. Trotzdem wollen wir als Schule positiv an die Sache herangehen und andere Mittel und Wege finden, wie Integration noch stattfinden kann. Denn der uns so wichtige Integrationsgedanke passt nicht dazu, dass man eine Gruppe von Kindern außen vor stellt“, will die Schuldirektorin das Beste aus der Situation herausholen.
„Aber es ist schwierig, etwas umsetzen zu müssen, wenn man überzeugt ist, es ist nicht der richtige Weg.“


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