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Eröffnung Servicestelle für pflegende Angehörige: „Auch auf eigene Gesundheit achten“

Mag. Michaela Maurer, 29.10.2019 17:04

FREISTADT/HAGENBERG. Die Mehrfachbelastung durch Pflege, Beruf und Familie ist eine große Herausforderung für pflegende Angehörige und deren Familien. Die neue Außenstelle für pflegende Angehörige der Caritas lädt alle Interessierten zur feierlichen Eröffnung mit Vortrag am Donnerstag, 7. November, um 17.30 Uhr im Pfarrhof Freistadt ein. 

Nadine Tscholl-Jagersberger bietet Beratung für pflegende Angehörige an. Foto: Maurer
Nadine Tscholl-Jagersberger bietet Beratung für pflegende Angehörige an. Foto: Maurer

Einen Menschen zu betreuen oder zu pflegen kann eine große Herausforderung im Alltag sein. „Meist fängt es mit kleinen Erledigungen wie den Einkauf mitmachen oder die Fenster putzen an. Doch die Anforderungen werden stetig mehr, bis die Pflege des Angehörigen den eigenen Alltag bestimmt“, sagt Nadine Tscholl-Jagersberger von der neuen Servicestelle für pflegende Angehörige der Caritas. „Viele Pflegende glauben, dass sie alles alleine schaffen müssen und merken dabei nicht, dass sie selbst an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gehen.“ In der Beratungsstelle in Freistadt und der Zweigstelle in Hagenberg erhalten pflegende Angehörige Unterstützung.

Individuelle Hilfe

Rund um die Uhr da sein müssen, die eigenen Bedürfnisse zurück stellen, mit den Veränderungen der Lebenssituation zurechtkommen – das sind nur einige Themen, mit denen sich pflegende Angehörige auseinandersetzen müssen. Bei der kostenlosen psychosozialen Beratung geht Sozialarbeiterin Nadine Tscholl-Jagersberger auf die individuelle Situation der Pflegenden und Betreuenden ein und hilft dabei, Möglichkeiten der Entlastung, neue Sichtweisen und Handlungsspielräume zu finden. Neben der psychosozialen Beratung werden auch Informationen rund um die Pflege geboten. „Wir veranstalten Treffpunkte, wo man sich mit anderen pflegenden Angehörigen austauschen kann. Außerdem organisieren wir Vorträge, Kurse und Erholungstage.“

Um die Angebote zu nutzen, muss man den Angehörigen nicht bereits jahrelang pflegen. „Im Gegenteil: Ein Beratungsgespräch sollte auch schon vor Beginn einer Pflege- und Betreuungssituation in Anspruch genommen werden, um dann im Fall des Falles ein gutes Netzwerk an Hilfen und Unterstützung hinter sich zu haben. Während es in der Kinderbetreuung schon gang und gäbe ist, sich im Vorfeld Gedanken über die Betreuungsmöglichkeiten zu machen, fehlt das in der Familie in Bezug auf ältere oder kranke Angehörige“, erklärt Tscholl-Jagersberger. „Die Beratung kann auf Wunsch auch anonym gemacht werden. In Ausnahmefällen bieten wir die Beratung zugehend – das heißt Beratung zuhause – an.“

Pausen und Kontakte pflegen

„Eine frühzeitige Beratung kann helfen, dass es erst gar nicht zu einer Überlastung kommt. Wir machen uns gemeinsam Gedanken darüber, wer im Alltag mithelfen kann und was man tun kann, damit die eigene Gesundheit erhalten bleibt. Es gibt viele Unterstützungsmöglichkeiten, von der mobilen Pflege bis hin zu Nachbarn oder Familienmitglieder, die einen Einkauf miterledigen können“, sagt Tscholl-Jagersberger. „Wichtig ist, dass man soziale Kontakte weiter pflegt, sich helfen lässt und an die eigenen Pausen und Erholungsphasen denkt, damit man wieder Kraft tanken kann.“

80 Prozent werden zuhause gepflegt

In Pflegesituationen kann es zu unterschiedlichen Konflikten oder Belastungssituationen kommen. „Gerade durch die körperliche Nähe bei der Pflege können Konflikte entstehen. Durch die Belastung kann es passieren, dass die Beziehung zu den pflegebedürftigen Personen angespannt ist.“ Psychosoziale Beratung kann auch in Anspruch genommen werden, wenn sich pflegende Angehörige ausgebrannt fühlen, alles ausweglos erscheint, Entscheidungen im Zusammenhang mit der Pflege zu treffen sind oder auch nach der Pflege, wenn jemand Trauerbegleitung in Anspruch nehmen will oder sich neu orientieren muss. Im Schnitt sind pflegende Angehörige zwischen 50 und 60 Jahre alt und oft noch berufstätig. Den Großteil der Pflege im privaten Bereich übernehmen Frauen. In Oberösterreich gibt es derzeit 80.000 betreuungs- oder pflegebedürftige Menschen, 80 Prozent davon werden von Angehörigen daheim betreut. Bis 2040 steigt die Zahl auf 126.000 Personen.

Vortrag: „Alterssturheit oder Langstrumpfgene“

Das Alter stimmt nicht jeden milde. Manchmal werden ältere Menschen stur oder aggressiv. Erwachsenenbildnerin Margit Hauft verknüpft in ihrem Vortrag die Alterssturheit, die auch ein Anzeichen einer beginnenden Demenzerkrankung sein kann, mit der frechen Pippi Langstrumpf, die sich von niemandem etwas sagen lässt. Die Referentin lädt ein, die „Langstrumpfgene“ als Schlüssel zu nutzen, um einen etwas anderen Blick auf das Phänomen der Alterssturheit zu werfen. Begleitet wird sie dabei von Puppenspielerin Ruth Humer, die Alltagssituationen nachstellt, welche dem Vortrag eine humorvolle Würze geben.Kontakt und BeratungPflegende Angehörige können sich telefonisch oder per Mail Erstinfos einholen oder ein Beratungsgespräch ausmachen. Die Beratung ist kostenlos, vertraulich und kann auch anonym stattfinden. Kontakt: Tel. 0676/87762438, Mail: nadine.tscholl-jagersberger@caritas-linz.at

Offizielle Eröffnung:

Donnerstag, 7. November, 17.30 Uhr, Pfarrhof Freistadt

Begrüßung, Vorstellung des Angebots und Vortrag „Alterssturheit oder Langstrumpfgene“


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