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Sternsinger aus Leidenschaft: dreistimmig von Haus zu Haus in Kaltenberg

Mag. Claudia Greindl, 14.01.2026 10:42

KALTENBERG. „Es ziehn aus weiter Ferne drei Könige einher...“ So kündigen sich Caspar, Melchior und Balthasar in Kaltenberg an. Doch die Sternsinger sind nicht, wie in den meisten Pfarren, Kinder, sondern erwachsene Männer. Gerhard Fragner-Lieb setzt seit fünfzig Jahren die Dreikönigskrone auf. Mit seinen Söhnen David und Peter ist er in jedem Haus ein gern gesehener und vor allem gehörter Gast.

  1 / 3   Stimmkräftige Sternsinger in der Kaltenberger Pfarrkirche: David (38), Peter (36) und ihr Vater Gerhard Fragner-Lieb (v. l.). David und Peter sind mit ihrem Bruder Hannes auch mit ihrer Band „Graf3“ musikalisch aktiv, und auch Mama Gerti singt leidenschaftlich gerne. (Foto: Jana Hofer)

1951 sind zum ersten Mal Sternsinger durch die Pfarre gezogen. Gerhard Fragner-Lieb (66) ist heuer bereits zum fünfzigsten Mal für den guten Zweck unterwegs. Die Besonderheit in Kaltenberg: Die erwachsenen Männer singen dreistimmig althergebrachte Lieder, die anderswo nicht erklingen. „In unserer Familie, beim Liab-Nazn, ist immer schon viel und gerne gesungen worden, das haben meine Eltern uns weitergegeben“, erzählt Fragner-Lieb.

Sternsingen ist Männersache

Das Sternsingen in der Pfarre habe eigentlich sein verstorbener Bruder Rudi aufgebaut. „Und es freut mich unheimlich, dass auch meine Söhne, David und Peter, genauso schön und gerne singen und seit rund 20 Jahren als Könige mit dabei sind. Damals hat’s geheißen, wir brauchen wen, könnt’s mitgehen“, schmunzelt er. Sternsingen ist also Männersache in Kaltenberg, und was für eine! Die dreistimmigen, harmonischen Klänge der Heiligen Drei Könige öffnen jede Tür und auch die Herzen und die Geldbörsen der Kaltenberger.

Zugaben für großzügige Spenden

„Ich glaub schon, dass unser Gesang dazu beigetragen hat, dass in die Spendenkasse in meinen fünfzig Jahren insgesamt 120.000 Euro hineingekommen sind“, sagt Fragner-Lieb nicht ohne Stolz. Für besonders großzügige Spenden gibt es die eine oder andere gesangliche Zugabe. „Gastspiele“ der Kaltenberger in Nachbargemeinden hatten zur Folge, dass auch dort mittlerweile Erwachsene als Sternsinger unterwegs sind.

Noch immer ein „Megaprojekt“

Das Königs-Dasein macht Fragner-Lieb noch immer große Freude, obwohl er 2016 eigentlich die Krone an den Nagel hängen wollte. „Von 1999 bis 2016 war Martin Luger mit dabei. 2017 haben wir Verstärkung von Andreas Rockenschaub, Alfons Reithmayr und Burkhard Raffetseder bekommen, seither teilen wir die 180 Haushalte in zwei Gruppen auf. Jede Gruppe geht an einem Tag. Aber es ist noch immer ein Megaprojekt, wir kommen in der Früh zum Anziehen und Schminken zusammen und besuchen von 7.15 Uhr bis halb neun Uhr am Abend unsere Häuser.“

Farbe im Gesicht

Apropos schminken: Während anderswo die Heiligen meist mit ihrer eigenen Hautfarbe unterwegs sind, tragen Caspar, Melchior und Balthasar in Kaltenberg noch traditionell Farben im Gesicht, die die drei Kontinente Europa, Afrika und Asien repräsentieren.

Eine Bierlänge zum Proben

Die Probenarbeit für die Sternsinger-Lieder hält sich in Grenzen. „Wir sechs treffen uns einmal auf eine Bierlänge zum Durchsingen, damit hat sich’s“, schmunzelt der erfahrene König. Zur Tradition gehört neben dem schönen Gesang und der Schminke im Gesicht auch die kräftige leibliche Stärkung

Kräftige Stärkung hat Tradition

Zum Mittagessen sind die Majestäten traditionell beim Groß Burger und beim Vorder Bachler eingeladen, eine deftige Jause gibt es beim Langothen. Von Haus zu Haus, von Hof zu Hof wurde früher zu Fuß gegangen, heute genießen es die Sternsinger, von Max Himmelbauer und Otto Rockenschaub in gratis zur Verfügung gestellten Bussen gefahren zu werden. Und wenn sie am Abend müde die Kronen abnehmen, die Gewänder ausziehen und das Weihrauchfass abstellen, sind sie sicher: Nächstes Jahr heißt es wieder bei allen: „Es ziehn aus weiter Ferne...“.

Am Dreikönigstag ziehen die Heiligen Drei Könige in Kaltenberg schon bei der Frühmesse mit dem Pfarrer in die Kirche ein und singen ihre Weisen. Anschließend werden Haushalte im Ort besucht und es wird um Spenden für die Dreikönigsaktion gebeten. „Danach geht es wieder zurück in die Kirche zum Amt, wo wir den Gottesdienst mit unseren Gesängen gestalten“, erzählt Gerhard Fragner-Lieb. Bis zum Abend sammeln die heiligen Männer anschließend Spenden für nachhaltige Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika. Damit werden Initiativen, die Nahrung sichern, Bildung ermöglichen, Kinderarbeit stoppen und Familien stärken, finanziert. Details: www.sternsingen.at


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