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Bäume gegen Dürre: Wie ein Biobauer aus Leonding landwirtschaftliche Felder neu denkt

David Ramaseder, 26.02.2026 14:09

LEONDING. Was tun gegen Hitze, Wind und ausgetrocknete Böden? Während vielerorts noch diskutiert wird, hat ein Landwirt in Leonding längst gehandelt: Christoph Wagenhofer pflanzte 1.600 Bäume mitten in seine Felder – und zeigt, dass alte Methoden erstaunlich moderne Antworten auf Klimakrise und Artensterben liefern.

  1 / 3   Christoph Wagenhofer betreibt mit seiner Frau Laura unter www.chrisundlaura.at eine Bio-Landwirtschaft und setzt schon seit rund zehn Jahren auf seinen „Agroforst“. (Foto: Christoph Liebentritt)

Auf sieben Hektar wachsen Baumreihen mitten im Feld. Christoph Wagenhofer zählt zu den ersten Landwirten Österreichs, die ein Agroforstsystem umgesetzt haben. Begonnen hat alles nicht mit Förderprogrammen, sondern mit persönlicher Überzeugung – und einer großen Leidenschaft für Bäume.

Alles schon einmal da gewesen

„Es ist eine vergessene Methode, die Landwirtschaft gegen größere Einflüsse zu schützen – da spreche ich von Wind, Erosion usw.“, sagt der Biobauer aus Rufling. Agroforst, also die Kombination von Bäumen mit Acker- oder Weideland, sei im Grunde nichts Neues. In Griechenland wachse Hafer unter Olivenbäumen, in Frankreich schützten Hecken seit Jahrhunderten die Felder vor starkem Küstenwind. „Im Grunde ist alles schon einmal da gewesen.“ 2015 begann Wagenhofer zu planen, 2016 setzte er gemeinsam mit einem Freund die ersten Reihen. Mit Schnur und Kompass, Nord-Süd-Ausrichtung, rund 30 Meter Abstand zwischen den Streifen. Schon zuvor hatte er rund um seine Freilandschweine Eichen gesetzt – inspiriert von traditionellen Weidesystemen in Südeuropa: „Mir taugt das Baumsetzen, eine Leidenschaft von mir.“ Auch experimentiert er gerne, etwa mit Pekannuss oder Zuckerahorn.

Ein System, das funktioniert

Das Prinzip hinter dem Agroforst ist einfach: Die Fläche wird doppelt genutzt. Zwischen sogenannten Wertholzreihen wachsen Energieholzstreifen, etwa mit Robinien für den Zaunbau. Gleichzeitig bleibt genug Platz für Ackerbau oder Futterflächen. Seit 2012 wird der elterliche Hof biologisch bewirtschaftet. Gedüngt wird ausschließlich mit dem, „was die Kühe produzieren“, ergänzt durch eine durchdachte Fruchtfolge. Seine Beobachtung: „Egal, was ich in der Agroforst kultiviere, es funktioniert.“ Die Erträge seien stabil. Zwar sei die Ernte in den Baumstreifen manchmal etwas später, bedingt durch Beschattung, „aber es ist auch immer etwas feuchter“. Wer von der freien Fläche in die Agroforst gehe, merke sofort den Unterschied: „Wie wenn du in den Wald gehst – es ist kühler, feuchter, ein eigenes Mikroklima.“ Ein möglicher Grund liegt unter der Oberfläche. Überschüssiger Stickstoff, der sonst ausgewaschen würde, könnte von den tieferen Baumwurzeln aufgenommen und über das Laub wieder in die obere Bodenschicht zurückgebracht werden. Auch bei Extremwetter sieht er Vorteile. Baumreihen bremsen Wind, reduzieren Erosion und machen die Fläche robuster gegenüber Stürmen. Dazu kommt der ökologische Mehrwert: Gehölzstreifen bieten Schutz, Winterfutter und Lebensraum, nicht zuletzt für viele Vogelarten.

Revival der Kulturlandschaft

Ein wesentlicher Beweggrund für Wagenhofer war die Gestaltung der Landschaft selbst. „Es ist schade, wenn so ein Wissen verloren geht.“ Früher seien Feldraine, Hecken und Streuobst selbstverständlicher Teil der Kulturlandschaft gewesen. Heute dominiere oft die optimierte, „ausgeputzte“ Fläche. „Den Weg braucht man nicht mehr, da ackert man durch“, beschreibt er eine Entwicklung, die vielerorts zur Vergrößerung von Schlägen geführt habe. Für ihn ist der Baum am Feld kein Hindernis, sondern Normalität. Er plant bereits die nächste Fläche – acht Hektar am Stück. „Da werde ich es noch besser machen.“

Exkursion am 6. März

Beim Projekt der LEADER Regionen Linz Land, Nationalpark Kalkalpen und Traunviertler Alpenvorland „Dürre aktiv begegnen“ findet am 6. März um 9 Uhr im 44er Haus in Leonding eine Infoveranstaltung statt. Nach zwei Fachvorträgen wird vor Ort der Betrieb Wagenhofer besichtigt, wo neben Tipps und Erfahrungsberichten auch Untersuchungen des Bodens am Programm stehen.

Anmeldung bis 5. März unter: www.leader-alpenvorland.at


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