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Pläne für Freistädter Waldfriedhof: ewige Ruhe unterm Familienbaum

Mag. Claudia Greindl, 20.01.2026 19:00

FREISTADT. Der aktuelle Trend zu alternativen Bestattungsformen erreicht nun auch die Bezirkshauptstadt: Die in Wien ansässige Klosterwald GmbH strebt an, einen gemeindeeigenen Wald nahe der Prager Straße für Baumbestattungen zu pachten. Der Klosterwald Freistadt wäre der neunte Standort des Unternehmens in Österreich.

  1 / 4   Keine Dekoration, keine Kerzen, keine Grabsteine: Die Natur schmückt die Grabstätten. Der Wald bleibt für alle Besucher zugänglich. Foto: Markus Raffeis/Klosterwald (Foto: Markus Raffeis/Klosterwald)

Vogelgezwitscher, Blätterrauschen, säuselnder Wind Naturbestattungen, vor allem im Wald, liegen in Österreich im Trend. Geht es nach der Klosterwald GmbH, ist auch Freistadt reif für die ewige Ruhe im Wald als Alternative zum Friedhof. Eine Projektvorstellung des Vorhabens hat es im Stadtrat gegeben, nun läuft die politische Diskussion darüber.

Konkret soll ein gemeindeeigenes, gut fünf Hektar großes Waldstück nahe der Hundeschule an der Prager Straße in Vierzehn als Klosterwald Verwendung finden. „Der Wald ist im Einvernehmen mit Bezirksförster Martin Speta ausgewählt worden, gewünscht ist eine langfristige Verpachtung“, berichtet Bürgermeister Christian Gratzl (SPÖ), der dem Plan „grundsätzlich positiv“ gegenübersteht, da offenbar Nachfrage nach alternativen Bestattungsarten vorhanden sei.

Für die Fläche braucht es eine Sonderwidmung als Waldfriedhof, die der Gemeinderat nach ausführlicher Vorberatung in den Gremien ebenso beschließen muss wie den Abschluss eines Pachtvertrags. „Den werden wir uns in Ruhe genau anschauen, auch was die Laufzeit und das Vorgehen danach betrifft“, so Gratzl weiter.

„Werden nicht reich“

„Reich werden wir durch die Verpachtung aber sicher nicht“, meint das Stadtoberhaupt. Bezirksförster Martin Speta findet die Idee für den Klosterwald „nicht schlecht, und nachdem es weder Dekoration noch Kerzen auf den Grabstätten gibt, spricht auch aus waldbrandschutztechnischen Gründen nichts dagegen“, sagt der Forstexperte im Tips-Gespräch. Für die Bestattungen zwischen den Baumwurzeln sollen ausschließlich kompostierbare Urnen verwendet werden. Nötig sei jedenfalls eine Ausweisung der Fläche als Waldfriedhof im Waldentwicklungsplan.

Alexander Burtscher ist Geschäftsführer der Klosterwald GmbH, einem der österreichweit größten Anbieter von Naturbestattungsanlagen. „Für uns ist es wichtig, dass die in Frage kommenden Waldflächen gut vom Ballungsraum erreichbar sind, aber nicht direkt an ein Siedlungsgebiet angrenzen“, erklärt er.

Kirchlicher Hintergrund

Alle bisher acht Klosterwald-Standorte (ein weiterer ist in Vöcklabruck in Entwicklung) sind für Bestattungen aller Konfessionen, Herkunft und Kulturen offen. Der Hintergrund des Unternehmens ist allerdings durchaus katholisch: Die Gründungsgesellschafter sind die Klöster Heiligenkreuz, Klosterneuburg sowie die Erzdiözese Wien.

Verabschiedungsfeiern auf einem geplanten Andachtsplatz können mit oder ohne Seelsorger, mit Trauerrednern, Musik oder sonstigen individuellen Ritualen durchgeführt werden. Die traditionelle Grabpflege, wie sie auf Friedhöfen üblich ist, entfällt in Waldfriedhöfen ebenso wie das Setzen von Grabsteinen. Nur die Natur schmückt die Grabstellen.

Baumwahl zu Lebzeiten

Das Klosterwald-Geschäftsmodell sieht vor, dass sich die Kunden schon zu Lebzeiten „ihren“ Baum aussuchen, an dem sie dereinst bestattet werden möchten. Gewählt werden kann zwischen Gemeinschafts- und Familienbäumen. Die Kosten dafür, unabhängig von der Baumart, hängen von Größe und Alter des jeweiligen Baumes ab. Die Bandbreite reicht von 790 Euro für Gemeinschaftsbäume bis zum Familienbaum mit bis zu zehn Grabstellen ab 4.900 Euro. Im Trauerfall kommt eine Gebühr für die Beisetzung dazu. Für Sternenkinder, die kurz vor, während oder nach der Geburt versterben, sind die Bestattungsplätze kostenlos. Jeder Bestattungsbaum wird mit einer Namenstafel gekennzeichnet, es gibt ein Baumverzeichnis und eine Orientierungstafel.

„Nehmen regionalen Bestattern nichts weg“

„Den regionalen Bestattern nehmen wir nichts weg, es ist ihre Aufgabe, die Verstorbenen zur Einäscherung zu bringen, die Urne in den Wald zu überstellen und auf Wunsch die Trauerfeier zu gestalten“, erklärt Burtscher. Das Personal des Klosterwaldes für Freistadt sind zwei Teilzeitkräfte angedacht sorgt für die Aushebung und Schließung der Grabstätte mit der Urne, die sich innerhalb von zehn Jahren vollständig zersetzen soll. So lange läuft auch die gesetzliche Mindestruhezeit.

Die Pflege der Bäume übernimmt das Klosterwald-Team. Nach Ablauf des Grabnutzungsrechts (Familienbaum: 50 Jahre, Gemeinschafts- und Sternenkinderbaum: 25 Jahre) besteht Option auf Verlängerung.

In Oberösterreich gibt es mehrere Standorte für Waldfriedhöfe und Naturbestattungen.

Zu den bekanntesten gehören der FriedWald Clam, der Waldfriedhof  Tillysburg,

derRuhewald Luftenberg, der Naturfriedhof Linz-Pfenningberg und der Urnenwald Mining.

Üblicherweise wird die Asche in biologisch abbaubaren Urnen beigesetzt und die natürliche

Umgebung ersetzt die traditionelle Grabpflege und die Grabsteine. 

Statement von Roland Altreiter, Pfarrgemeinde Stadt Freistadt: „Wir schreien jetzt angesichts der Pläne für den Waldfriedhof in Freistadt nicht laut Hurra, aber grundsätzlich haben wir nichts dagegen“, sagt Roland Altreiter. In der katholischen Kirche seien Bestattungen mit Priester oder Seelsorger und das Gedenken an Verstorbene am Grab jedenfalls wichtige Rituale. 


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