INNVIERTEL. Immer mehr streunende Katzen, aber weniger Unterstützung – damit sind die Tierschutzvereine im Innviertel aktuell konfrontiert. Sie sind auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen. Teilweise müssen Tieraufnahmen abgelehnt werden.

Mehrere Tierschutzvereine kümmern sich im Innviertel um streunende, ausgesetzte und hilfsbedürftige Katzen, darunter der Tierschutzverein mit Herz mit einem Katzenhaus in Schärding, die Pfotenhilfe Lochen, der Tierschutzverein Schärding, die Tierschutzinitiative Innviertel mit Sitz in Peterskirchen und die Rieder Initiative Gnadenkatzen. Sie stehen derzeit vor Herausforderungen.
Während es weniger Förderungen gibt, steigen gleichzeitig Tierarzt- und Versorgungskosten. „Überall wird bis an die Belastungsgrenze gearbeitet“, sagt Sara Rothauer vom Tierschutzverein mit Herz.
Streunerkatzenprojekt
Seit 2011 unterstützt das Land OÖ mit dem Streunerkatzenprojekt, um Tierleid nachhaltig zu vermeiden. Wichtiges Element dabei ist die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Kastrationspflicht. Gefördert werden daher jene Organisationen, die nachweislich Streunerkatzen kastrieren, chippen und registrieren.
Wegen der aktuellen budgetären Lage mussten allerdings Einsparungen vorgenommen werden. Das Budget für 2026 beträgt 81.000 Euro. In den Jahren zuvor waren es noch mehr als 100.000 Euro. Trotz der Einsparungen soll das Projekt aber auch in Zukunft bestehen bleiben, wie Tierschutz-Landesrat Martin Winkler (SPÖ) betont.
Spenden benötigt
Mit den aktuellen Förderungen können die Innviertler Tierschutzvereine ihre Arbeit allerdings nicht vollständig finanzieren. „Wir müssen wieder um Spenden und Mithilfe der Bevölkerung bitten. Denn die Streunerkatzen sind im Innviertel nicht weniger geworden, im Gegenteil, es werden wieder mehr“, berichtet Rothauer.
„Wir kastrieren aktuell im Akkord, da die Streunerkatzen bereits rollig werden. Somit ist unser karges Kontingent spätestens im April verbraucht und für die restliche Zeit des Jahres müssen wir um jeden gespendeten Euro bitten.“ Mitunter müssen Projekte und Tieraufnahmen abgelehnt werden, weil finanzielle Mittel, Platz und helfende Hände fehlen.
Viele Krankheiten
Ein großes Problem ist laut der Pfotenhilfe Lochen nicht nur die unkontrollierte Vermehrung der Katzen, sondern es sind auch die ansteckenden oder von den Eltern übertragenen chronischen Krankheiten. „Die Tiere sind oft Opfer von Inzucht und damit verbundenen Krankheiten. Wir bekommen Katzenbabys mit eitrigem Nasenausfluss, mit entzündeten Maulhöhlen, ja sogar mit schweren eitrigen Augenentzündungen, wo die Augen teils sogar entfernt werden müssen“, berichtet Jürgen Stadler von der Pfotenhilfe.
„Abgesehen von den zusätzlichen medizinischen Kosten, die uns niemand ersetzt, sind das unermessliche Qualen, die schon die Babys ertragen müssen und oft ein Leben lang darunter leiden.“ Manche der Kätzchen sterben auch an den Krankheiten.
Ehrenamtliche Helfer
Der Tierschutzverein mit Herz etwa betreut derzeit mehr als 150 Katzen. Ein Teil davon lebt im Katzenhaus in Schärding, ein weiterer Teil ist auf Pflegestellen untergebracht. Darunter befinden sich Kätzchen, Mutterkatzen, chronisch kranke Tiere, Quarantänetiere sowie alte und besonders pflegeintensive Katzen. 14 ehrenamtliche Helfer kümmern sich gemeinsam mit Tierpflegeassistenten um die Tiere.
Die Pfotenhilfe Lochen versorgt rund 80 Katzen. In der Hauptsaison, von Mitte März bis in den Spätherbst, werden pro Tag mehrere Katzen, oft ganze Würfe, bei der Tierschutzorganisation abgegeben.
Eigener Fonds in Ried
Im Bezirk Ried ist die Tierschutzinitiative Innviertel mit Sitz in Peterskirchen tätig. Sie ist auch der Verwahrer der Fundtiere im Bezirk Ried. Die Initiative schuf für die Streunerkastration einen eigenen Fonds, an dem sich viele Menschen beteiligt haben. Hauptsächlich wird dieser durch Privatpersonen und Firmen finanziert.
„Diese breite Unterstützung aus der Bevölkerung sichert unsere Arbeit für 2026 ab und ermöglicht eine verlässliche, ganzjährige Durchführung der Streunerkastrationen. Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Obfrau Franziska Greil. Die Initiative hofft, dass das auch im kommenden Jahr wieder möglich ist. „Erste Gespräche mit ortsansässigen Firmen und Spendern laufen bereits.“
Alleine im Jänner und Februar wurden bereits 50 Katzen kastriert. Für das ganze Jahr rechnet die Initiative mit mehr als 120 Kastrationen. „Nur durch die Unterstützung der Bevölkerung ist diese kontinuierliche und nachhaltige Arbeit möglich.“
Im Vorjahr wurden 140 Fundkatzen übernommen. Alle konnten in ein neues Zuhause vermittelt werden. „Doch leer werden wir trotzdem nicht – die nächsten Fundtiere sind bereits wieder da. Die Zahl zeigt deutlich, wie wichtig sowohl die Kastration als auch die verantwortungsvolle Tierhaltung und Kennzeichnung sind.“
So kann man helfen
Finanzielle Unterstützung, ehrenamtliche Mithilfe, Mitglied- sowie Patenschaften – insbesondere für Katzen mit geringen oder keinen Vermittlungschancen – können den Tierschutzorganisationen bei ihrer Arbeit helfen. Auch kleine Beträge bewirken in Summe Großes. Beim Projekt „Streunerengel“ kann beispielsweise ein Euro pro Monat gespendet werden.
Auch Zivilcourage ist gefragt, wie Rothauer betont: „Nicht wegschauen, sondern helfen, wie es möglich ist. Schon eine verletzte oder hilfsbedürftige Katze zum Tierarzt oder in eine Tierklinik zu bringen, ist eine große Hilfe.“


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