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Neurochirurgin Eva Himmelbauer aus Pierbach: Konzertmeisterin im Operationssaal

Mag. Claudia Greindl, 03.03.2026 20:56

PIERBACH/WIENER NEUSTADT. Einer der aufregendsten Tage ihres Lebens war es, als Eva Himmelbauer ihre erste Kopfoperation durchführte. Nicht erst seit diesem Moment wusste die gebürtige Pierbacherin, dass die Neurochirurgie ihre große Leidenschaft ist. 

Eva Himmelbauer (r.) kur vor einer Operation mit einer Assistenzärztin (Foto: privat)
  1 / 6   Eva Himmelbauer (r.) kur vor einer Operation mit einer Assistenzärztin (Foto: privat)

Bevor Eva Himmelbauer den ersten Schnitt setzt, hat sie die Operation im Geiste bereits durchgespielt. „Jeder Tumor ist in meinem Kopf schon operiert, ich weiß, welche Komplikationen eintreten können, Plan B und C habe ich mir schon überlegt“, erklärt die Medizinerin.

Nicht angespannt sei sie, sondern fokussiert. Seit sieben Jahren ist die 42-Jährige Oberärztin am Universitätsklinikum Wiener Neustadt. „Ich habe schon sehr bald gewusst, dass die Neurochirurgie meine Welt ist.“ Dabei hatte die Medizin ursprünglich gar nicht auf ihrem Berufswunschzettel gestanden. „Ich war auf Kindergärtnerin fixiert, den Beruf meiner Mutter“, sagt die Absolventin der HLW Perg. Vater Erwin war Amtsleiter der Gemeinde Pierbach. In der Familie gab es keinen Arzt.

Der Weg zur Neurochirurgie

Und doch führte sie ihr Weg zum Medizinstudium an die Uni Graz. Als es um die Entscheidung für eine Fachrichtung ging, liebäugelte sie mit Radiologie. Ihre Wahl fiel dann aber auf Neurochirurgie, was sie bis heute nicht bereut hat. „Unsere Arbeit ist unglaublich fein, es geht um alles, was mit Nerven zu tun hat – von Hirnblutungen und Tumoren über Schädel-Hirn-Traumen und Bandscheibenvorfällen bis hin zur Stabilisierung von Halswirbelsäulen und zu Rückenmarkstumoren.“

Der Operateur bestimmt die Stimmung

Ein Jobangebot als Assistenzärztin in Berlin, wo sie gegen Ende ihrer Studienzeit tätig war, schlug sie aus, um ihrer Familie näher zu sein. Die Facharztausbildung absolvierte die junge Medizinerin bereits am Universitätsklinikum Wiener Neustadt. Die Leidenschaft und Liebe, mit der die Oberärztin ans Werk geht, gibt sie seit 2024 auch an Studenten der Danube Private University weiter. „Ihnen sage ich immer, dass der Operateur der Konzertmeister im Operationssaal ist. Geht er mit Elan und guter Laune ans Werk, überträgt sich das auf das ganze Team.“

Auf Leben oder Tod

Die Arbeit der Neurochirurgin beginnt allerdings oft schon vor dem OP, nämlich im Schockraum, wo schwer verletzte oder erkrankte Patienten nach dem Transport mit Hubschrauber oder Rettung landen und es oft um Leben oder Tod geht. „Wir entscheiden, was wir für den Patienten noch tun können, oder ob wir ihn in Frieden gehen lassen.“ Für jüngere Patienten werde oft mehr riskiert als für Hochbetagte, die ihr Leben schon gelebt hätten. Gestresst fühlt sich Eva Himmelbauer durch solche Entscheidungen nicht. „Das lernt man, ebenso wie man lernt, mit dem 25 Stunden-Dienst und dem langen Stehen am OP-Tisch zurechtzukommen. Wenn man  gut ausgebildet, streng mit sich selbst ist und viel gesehen hat, ist man bestens vorbereitet.“

Himmelbauer bildet auch ihre Studenten so aus, dass sie der Dienstalltag nicht belastet. „Eine der ersten Operationen, die ein Jungarzt macht, ist die Entleerung eines Subduralhämatoms, einer Blutung unter der harten Hirnhaut. Der erste Hautschnitt am lebenden Menschen, im ersten Moment kommt viel Blut, man bohrt ein Loch, fräst es auf, es ist wirklich sehr aufregend.“

Glücklich, wenn Patienten schmerzfrei sind

Nach ihrer ersten Bandscheiben-Operation habe sie einen Freudenhüpfer gemacht. „Wenn ich danach den Patienten besuche und er ist schmerzfrei, das macht mich richtig glücklich.“ Diese Freude am Beruf erfüllt sie jeden Tag aufs Neue.

Noch nie hat die Neurochirurgin einen Patienten auf dem OP-Tisch verloren. Gegenüber den Schicksalen der Betroffenen kann sie sich gut abgrenzen. „Ich komme aber jetzt in ein Alter, in dem viele Patienten jünger sind als ich, manche gehen mir doch recht nahe“, bekennt sie, „etwa bei bösartigen Hirntumoren, wenn ich weiß, ich hole dem Patienten maximal ein paar Monate oder Jahre Lebenszeit heraus.“ Kinder operiert Eva Himmelbauer eher selten. Für eigene Kinder haben die Lebensumstände der Pierbacherin nicht gepasst. „Das liegt aber nicht am Beruf, der ließe sich mit einer Familie gut vereinbaren.“

Als Frau völlig anerkannt

Als Frau fühlt sich Himmelbauer in ihrer eher männerdominierten Berufswelt völlig anerkannt. „Meine drei Assistenzarzt-Kollegen hatten drei Jahre Vorsprung, als ich zum Team gestoßen bin, ich habe mir meine Position und mein Können schon erarbeiten müssen.“ Mittlerweile arbeiten bereits fünf Ärztinnen an der Abteilung, in der ein hervorragendes Miteinander herrscht und sich auch junge Oberärzte Rat bei ihr holen.

Premiere mit dem Exoskop

Stolz ist Eva Himmelbauer darauf, dass sie während der Corona-Zeit die erste Ärztin im deutschsprachigen Raum war, die ein sogenanntes Exoskop im Operationssaal testen durfte, vereinfacht ausgedrückt ein digitales Mikroskop für mikrochirurgische Eingriffe, das weiteren Ärzten ermöglicht, die Operation mittels 3D-Brillen mitzuverfolgen. „Niemand sonst hatte dieses Gerät. Heute ist es bei Hirntumoren in Wiener Neustadt bereits Standard.“

Mühlviertler Wurzeln sind tief

Ebenso tief wie ihre Leidenschaft für den Beruf ist Himmelbauers Verbundenheit zur Heimat. „Ich liebe das Mühlviertel, meine Wurzeln sind tief.“ Wenn es der Dienstplan zulässt, besucht sie Eltern und Schwestern in Pierbach. „Daheim in Wien gehe ich gerne spazieren oder fahre mit dem Rennrad, wenn es schön ist.“ Und auch die Ausbildung an der HLW Perg war nachhaltig: „Ich liebe es, Freunde einzuladen und sie zu bekochen.“ 


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