Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

Debatte um Moschee-Neubau in Freistadt: Das steckt wirklich hinter dem Projekt

Mag. Claudia Greindl, 28.03.2026 08:21

FREISTADT. Hohe Wellen geschlagen hat in den sozialen Medien das Gerücht über den Bau einer neuen Moschee samt  Minarett in Freistadt. Am Freitagabend stellten Mitglieder des Vereins Alif, allen voran Bauprojektsleiter Mehmet Gül, das tatsächliche Vorhaben Stadtpolitikern und Medienvertretern vor.

  1 / 5   Diese Renderings, fotorealistische Entwürfe des Gebäudes, präsentierte Alif Stadtpolitikern und Medienvertretern. (Foto: plan-design.at)

Eines gleich vorweg: Bei der Stadtgemeinde liegt bis dato kein Vorprojekt und damit auch kein Einreichplan auf. Was die Vertreter von Alif in ihrem Vereinssitz in der Linzer Straße präsentierten, waren Entwürfe für ein neues Vereinshaus, das den stark  in die Jahre gekommenen Bau ersetzen soll.

„Vereinshaus ist eine Bruchbude“

„Unser Vereinshaus ist eine Bruchbude“, fasste Mehmet Gül den Zustand des Baus aus den 1950er Jahren zusammen. Der Austria Linz Islamische Föderation Ortsverein Freistadt (Alif) hatte das Gebäude 2004 gekauft und seither einiges in die Sanierung investiert. „Das ist jetzt wirtschaftlich nicht mehr vertretbar, das Dach ist undicht, die Mauern haben Risse, die Elektro- und Heizleitungen sind veraltet, die Sanitäranlagen sind für Frauen völlig ungeeignet, nichts ist barrierefrei, die Heizung kostet ein Vermögen und die Lage an der Straße ist für Kinder unsicher“, so Gül weiter.

Die Neubau-Pläne für ein mehrstöckiges Gebäude

Die Entscheidung, mit dem Neubau-Entwurf des Bad Schallerbacher Innenarchitekten Günter Vrecun und seines Planungsteams an die Öffentlichkeit zu gehen, sei getroffen worden, um nicht zum Spielball oder zur Zielscheibe der Politik zu werden. Der Plan sieht einen mehrstöckigen Bau samt einer Tiefgarage mit 40 Stellplätzen vor. Im Erdgeschoß soll es Platz für Geschäfte geben, die für Alif Einnahmen bedeuten und Arbeitsplätze schaffen.

In vier weiteren Stockwerken, das oberste davon springt aus optischen Gründen zurück, finden Gebetsräume für Frauen und Männer, ein Versammlungsraum, Schulungsräume, Sanitäranlagen, Bibliotheken, ein kleines Café und eine Küche und Räume für Kinderbetreuung Platz. Auf der Dachterrasse sind Spielflächen für Kinder geplant. Ein Minarett sieht der Entwurf nicht vor. Orientalischen Touch verleiht der Fassade beim Eingang ein Spitzbogen und ein metallenes architektonisches Gestaltungselement.

Planer bedroht

Planer Vrecun fühlte sich über den Auftrag von Alif geehrt. „Ich habe ihn gerne angenommen, weil ich ein Menschenfreund bin. Und ich bleibe Christ“, verhehlt er aber auch nicht, nach dem Aufwallen des Freistädter Moschee-Themas islamfeindliche Drohanrufe erhalten zu haben.

Orientalische Optik „ist Geschmackssache“

Nach der Vorstellung des Entwurfs gab es eine offene Fragerunde, die Stadtrat Rainer Widmann (WIFF) eröffnete. Seine Anfrage an den Bürgermeister hatte die Moschee-Debatte Anfang März losgetreten. Widmann stellte die Notwendigkeit und das Recht auf eine zeitgemäße Unterkunft für den Verein außer Frage, bezweifelte aber, ob eine Tiefgarage überhaupt umsetzbar bzw. finanzierbar sei, ob die Abstände zu den benachbarten Objekten eingehalten würden und ob die orientalische Optik dem Ortsbild entspreche. „Die Optik ist Geschmackssache, wie auch bei der Messehalle“, spielte Projektleiter Gül auf deren außergewöhnliche Form an. Im Übrigen sei ohnehin die Baubehörde und der Gestaltungsbeirat vor dem Baubeginn am Wort. Bei der Finanzierung greife man auf eigene Mittel, Sponsoren und Spenden zurück.

Groß genug für viele Jahrzehnte

Die „monumentale“ Größe des Vorhabens, die FPÖ-Stadtrat Harald Schuh ins Treffen führte, relativierte Alif-Jugendbildungsreferent und SPÖ-Gemeinderat Ibrahim Cansiz: „In unserer Planung gibt es nichts, was ‚nice to have‘ wäre, alles wird gebraucht, auch eine Wohnung für unseren Imam. Jetzt sind wir 250 Mitglieder, in zehn Jahren vielleicht 500, wir haben aber nicht die Mittel, dann noch einmal zu bauen.“

„Moschee gehört wie Kirche ins Zentrum“

Warum das Kulturhaus nicht an einem weniger zentralen Standort gebaut werde, beantwortete Mehmet Gül: „Zum einen haben wir es schon probiert und sind immer an den rechtlichen Auflagen gescheitert. Auf der anderen Seite gehören wir hierher. Wenn die Kirche im Zentrum ist, gehört auch die Moschee ins Zentrum.“ Widmungsprobleme wird Alif in der Linzer Straße sicher keine bekommen, wie ÖVP-Stadtrat Dietmar Weinzinger erklärte: „Die Flächenwidmung muss für das Projekt nicht verändert werden, es steht in der Zentrumszone.“

Aufwertung für „hässliches Eck“ der Stadt

Einen Befürworter fand das Alif-Kulturhaus in Grünen-Stadtrat Klaus Fürst-Elmecker, einem ausgebildeten Architekten. „Wenn ihr das Projekt wirklich durchzieht in diesem hässlichen Eck der Stadt – Gratulation!“ Im Übrigen gab er zu bedenken, dass es bei der Kapelle in der Hl. Geist-Gasse und sogar beim Linzertor mit dem liegenden Halbmond und dem Stern am Blitzableiter schon seit hunderten von Jahren islamische Symbole in der Stadt gebe.

Verbaler Schlagabtausch

Einen Schlagabtausch lieferte sich Mehmet Gül mit FPÖ-Stadtrat NAbg. Harald Schuh. Während Schuh von der Bildung einer muslimischen Parallelgesellschaft sprach und das Fehlen von muslimischen Mitgliedern bei Feuerwehr oder Musikverein beklagte („Es geht eigentlich gar nicht um den Bau, sondern um die mangelnde Integration!“), warf Gül dem Politiker vor, absichtlich das Gerücht vom Minarettbau verbreitet zu haben, um politisches Kleingeld zu machen. Mit Gerold Gusenbauer, einem direkten Anrainer, war auch ein erklärter Gegner des Bauvorhabens anwesend. Er kündigte an, es „auf allen Ebenen“ verhindern zu wollen.

„Integration vor 60 Jahren versäumt“

Das Schlusswort kam von Bürgermeister Christian Grazl. Er bedauerte, die öffentliche Erregung über ein Projekt, das noch nicht einmal über das Entwurfsstadium hinausgegangen sei und kündigte eine korrekte baubehördliche Abwicklung an. „Eines ist jedenfalls sicher“, schloss das Stadtoberhaupt: „Echte Integration haben wir vor 60 Jahren versäumt, als wir die Gastarbeiter nicht hereingeholt haben.“

Der Zeitplan

Nach der Vorlage des Entwurfs bei der Stadt gab es für Alif bereits eine Liste von Anregungen, die in die Voreinreichung eingearbeitet werden sollen. Diese könnte bereits in rund einem Monat erfolgen. Wie lange bzw. wie oft sich Baubehörde und Gestaltungsbeirat mit dem Plan befassen werden, kann aus derzeitiger Sicht nicht abgeschätzt werden. Alif rechnet jedoch nicht mit einem Baubeginn vor 2028.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden