Social Prescribing: Wenn Ärzte in Rainbach soziale Hilfe verschreiben
RAINBACH/MKR. Seit Anfang März unterstützt die Sozialarbeiterin Renate Pointner die Ordinationsgemeinschaft Dedl/Stütz in Rainbach im Rahmen des Projekts „Social Prescribing“. Sie steht als Ansprechpartnerin und Vermittlerin für Patienten zur Verfügung, wenn kein eigentliches medizinisches Problem zugrunde liegt.

„Viele Patienten kommen immer wieder in die Ordination, teilweise bis zu dreimal in der Woche, mit einem Problem oder Anliegen, das wir per se nicht medizinisch lösen können. Im Grunde geht es hier um eine ganz andere Problematik – etwa familiäre Schwierigkeiten, Schuldenthemen oder Vereinsamung. Solche Patienten können wir nun an eine Sozialarbeiterin weitergeben, die wiederum an die richtigen Angebote vermittelt“, erklärt Allgemeinmediziner Werner Stütz das Projekt. „Social Prescribing heißt, wir weisen ans Sozialsystem beziehungsweise an soziale Angebote zu. Deshalb die Idee, dass dieses Projekt bei den Ärzten angesiedelt ist und wir jemanden haben, der vernetzt ist und weiß, welche Angebote es gibt und für den Patienten passen“, erklärt Hannes Dedl, ebenfalls Allgemeinmediziner in der Praxis, weiter.
Neues Angebot in Rainbach: Projektstart und erste Erfahrungen
Die Förderzusage für dieses Projekt von der Gesundheit Oberösterreich GmbH kam Ende Jänner, seit März gibt es das kostenlose Angebot in Rainbach. „Und es wird bisher richtig gut angenommen, wir erfüllen die Vorgaben des Projekts jetzt schon“, sagt Doris Dedl, Ordinationsmanagerin in der Praxis.
Eine Stellenausschreibung nach der Förderzusage hat sehr viele kompetente Bewerbungen ins Haus flattern lassen. „Mit Renate Pointner als Sozialarbeiterin und Birgit Hießl, Mitarbeiterin in unserer Praxis, die ebenfalls in das Projekt eingebunden ist und unterstützt, können wir uns sehr glücklich schätzen. Sie verfügen über einen großen Erfahrungsschatz und viele Kontakte in der Region“, sagt Stütz.
Viel Zeit für die Menschen
Pointner ist seit mehr als 30 Jahren diplomierte Gesundheitskrankenschwester und leitete unter anderem den Stammtisch für pflegende Angehörige. Außerdem ist sie Betriebsführerin des Alpakapoints Windhaag, in dem ein Tageszentrum für Senioren angesiedelt ist. „Ich habe jahrelang mit Jung und Alt zusammengearbeitet, das kommt mir hier zugute. Ich bin froh, dass die Fördervorgaben eher niedrig angesetzt wurden, somit hat man sehr viel Zeit, um auf die Klienten einzugehen. Das Tolle daran ist auch, dass man bei den Patienten nachfragen und dranbleiben kann durch Folgetermine oder sogar Hausbesuche durchführen kann, wenn notwendig. Somit kann man verhindern, dass man zwar vermittelt, aber der Patient nicht aktiv wird.“Das Hauptthema der Klienten, die Renate Pointner derzeit begleitet, ist die Vereinsamung. „Hier kann man gut ansetzen und Kontakte in der Region beziehungsweise in den verschiedenen Vereinen der Gemeinde vermitteln.“ Das ist auch ein Grund, warum Social Prescribing lokal verankert bleiben und das Netzwerk regional ausgebaut werden soll.
Finanzierung, Laufzeit und Nutzen für das Gesundheitssystem
Finanziert wird Social Prescribing über die Agenda Gesundheitsförderung und ist vorerst auf zwei Jahre befristet. Derzeit ist das Projekt in dieser Form noch einzigartig im Bezirk – ausgenommen das Primärversorgungszentrum Wartberg.
„Wir merken aber jetzt schon, dass das Projekt sehr viel Sinn macht. Es nimmt uns Ärzten Arbeit ab und wird auch von den Patienten sehr gut angenommen. Auch finanziell gesehen hat es positive Auswirkungen. Wenn diese Personen nicht mehr so oft im System auftauchen, können Kosten reduziert werden“, sagt Stütz.
Blick in die Zukunft
„Wenn man den Gedanken von Social Prescribing weiterspinnt, dann kommen vielleicht weitere Ideen, wie man das Angebot in der Region ausbauen könnte, um mehr Klienten abzuholen und im Sinne der Prävention zu wirken“, sagt Dedl.
Damit ist in Rainbach ein wichtiges Bindeglied zwischen Medizin, sozialer Unterstützung und regionalen Angeboten entstanden, von dem langfristig die ganze Gemeinde profitieren kann.


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