Milchbauern: Überraschendes Nein zu ersehntem Berglandmilch-Liefervertrag
BEZIRK FREISTADT/OÖ/NÖ. Überraschende Entwicklung im Fall der 19 ober- und niederösterreichichschen Milchbauern ohne Liefervertrag: Für einen Teil der Landwirte waren die Bedingungen für die in letzter Minute angebotene Rückkehr ins Liefersystem der Berglandmilch nicht akzeptabel. Die sechs Niederösterreicher haben am Mittwoch einen Liefervertrag mit der Milchgenossenschaft NÖ unterzeichnet und setzten damit künftig ihre Milch über die NÖM AG ab.

Noch vor wenigen Tagen hatten sich die 19 Bauern, die durch das finanzielle Aus der Alpenmilch Logistik ihren Abnehmer verloren hatten, mit einem dringenden Appell an Berglandmilch gewandt. Sie baten um einen neuen Liefervertrag. Am Sonntag, 30. April, war die Milch zu letzten Mal vom Tankwagen im Auftrag der Alpenmilch Logistik abgeholt worden – ohne Vertrag schein das zumindest vorübergehende Wegschütten des wertvollen Lebensmittels unausweichlich. In einer Sondersitzung hatte der Berglandmilch-Vorstand dann tatsächlich beschlossen, den von den Lieferanten der „Freien Milch“ übrig geliebenenen Bauern einen neuen Vertrag anzubieten. Präsentiert wurde ihnen dieser in Pabneukirchen.
Ausgestreckte Hand nicht angenommen
Dem Vernehmen nach war der Unmut über die von Berglandmilch vorgeschlagenen Vertragsbedingungen allerdings kein geringer: Ein Abschlag auf den Netto-Milchauszahlungspreis von 4,2 Cent pro Liter und eine Vertragsbefristung auf ein Jahr waren für sechs Milchbauern aus Niederösterreich inakzeptabel. Sie baten bei der Milchgenossenschaft Niederösterreich (MGN), 25-Prozent-Eigentümer der NÖM AG, um Aufnahme – und sie bekamen noch am Dienstag einen Lieferantenvertrag. „Das ist ohne Aufregung über die Bühne gegangen“, berichtet MGN-Geschäftsführer Leopold Gruber-Doberer.
Lieferanten, keine Genossenschafts-Mitglieder
„Die sechs Bauern bekommen die gleichen Bedingungen wie die 32 bisherigen Rückkehrer, die wir wieder als Lieferanten, nicht aber als Mitglieder der Genossenschaft, aufgenommen haben“, so Gruber-Doberer weiter. Der Vertrag gilt ab 1. Mai 2017, läuft bis 31. Dezember 2021 und sieht einen Abschlag von drei Cent auf den Milchauszahlungspreis (“Schüttgebühr“) im Vergleich zu jenem für Genossenschafts-Mitglieder vor.
Entscheidung steht an
Die potenziellen Rückkehrer zur Berglandmilch müssen sich demnächst entscheiden, ob sie ihre Unterschrift unter den neuen Liefervertrag setzen. Auch ihnen wird die Aufnahme in die Genossenschaft verwehrt bleiben, so wie es auch mit den Freie Milch-Rückkehrern bei Gmundner Milch gehandhabt wurde. Bei Berglandmilch gab es zuletzt einen höheren Milchauszahlungspreis als bei der NÖM und bei Gmundner Milch. Berglandmilch-Generaldirektor Josef Braunshofer hatte, wie berichtet, zugesagt, die Milchabholung noch diese Woche neu zu organisieren und in der nächsten Woche damit zu starten. In der Zwischenzeit wird die Abholung über die IG Milch organisiert und auch finanziert.
Befristung als Chance
Die Berglandmilch hat sich beim Milchauszahlungspreis für die Rückkehrer laut Josef Greindl, Mitglied des Vorstands der Milchunion Alpenvorland, einer Teigenossenschaft der Berglandmilch, an den Molkereien NÖM und Gmundner Milch orientiert, um keine Ungleichheit zu schaffen. „Der vergleichsweise höhere Abschlag ergibt sich durch den höheren Auszahlungspreis für die Schärdinger Bauern. Die Befristung auf ein Jahr ist auch eine Chance für jeden einzelnen Betrieb. Es macht ja bekanntlich der Ton die Musik, und wenn die richtige Gesprächskultur gefunden wird, dann kann so manches in einem Jahr ganz anders ausschauen.“


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