Leserbrief: Bodenverbrauch und Korruption
TRAGWEIN. Alois Landl aus Tragwein prangert in einem Leserbrief die Probleme mit der Bodenversiegelung in Österreich an und stößt sich dabei am Vorgehen in seiner Wohngemeinde Tragwein. Im Folgenden der Leserbrief im Wortlaut.

„Die Bodenversiegelung in Österreich ist ein bekanntes Problem, doch leider wird der Elefant im Raum nicht genannt: Der österreichische Föderalismus und wie er als Einfallstor für strukturelle Korruption auf Gemeindeebene ausgeartet ist. In Österreich übersteigt der Bodenverbrauch das Nachhaltigkeitsziels um mehr als das Vierfache. Trotzdem traut sich die Politik das wahre Problem nicht beim Namen zu nennen: Den falschverstandenen Föderalismus Österreichs. Insbesondere die Lokalebene kommt zu einfach davon.
Für das eigene Klientel oder die eigenen Freunde wird umgewidmet und willkürlich private Projekte verhindert, die den Bürgermeistern nicht schmecken. Ein besonderes Anschauungsbeispiel für diese Praktiken liefert die Marktgemeinde Tragwein. Dort soll ein Hektar knapp einen Kilometer außerhalb des Ortskerns für den Bau neuer Wohnungen umgewidmet werden. Ein Hektar grüne Wiese versiegelt für neuen Wohnraum inklusive neuer Kanal-, Wasser-, Strom- und Internetanschlüsse.“
Negativbeispiel Tragwein
„Die Tatsache, dass es gleichzeitig in Tragwein Initiativen gibt, den Ortskern zu verdichten, diese aber von der Gemeinde blockiert werden, wirft ein trauriges Licht auf die Vorgehensweise der Gemeinde. Im Ortskern kämpft ein Hausbesitzer seit Monaten darum, sein Haus aufstocken zu dürfen. Während der Bund die Bodenversiegelung eindämmen will, das Land Oberösterreich nichts gegen die Erweiterung hat, kann die Gemeinde mit fadenscheinigen Begründungen ein solches Projekt einfach stoppen und ihr bevorzugtes Projekt weitertreiben, denn die konkrete örtliche Raumplanung liegt in der Zuständigkeit der Gemeinden. Was das Beispiel aus Tragwein noch „österreichischer“ macht: Die Raiffeisenbank in der schwarzen Gemeinde, keine 100 Meter Luftlinien entfernt, hat eine ähnliche Aufstockung quasi zeitgleich genehmigt bekommen.“
von Alois Landl aus Tragwein


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04.01.2022 11:51
Maßnahmen für OÖ zum Stopp der Bodenversiegelung:
(A) In Österreich dürfen Umwidmungsgewinne bei der Umwidmung von Grünland in Bauland nicht mehr dem Grundstückseigentümer zufließen, sondern einem bundesstaatlichen Ökologie-Fonds, dessen Mittel ausschließlich für Rückwidmungen von Bauland in Grünland, Förderungen von Park- and Ride-Anlagen mit günstigem öffentlichem Anbindungs-Verkehr am Stadtrand von Landeshauptstädten, für Bepflanzungsaktionen, Erweiterung von Parkanlagen und die Herstellung von Wasserflächen in Parkanlagen der Landeshauptstädte sowie für Umwidmungen von Grundstücken für Schnellbahn-Ringe und Autobahn-Ringe um die Landeshauptstädte verwendet werden dürfen. (B) Vorbild für OÖ zur Vermeidung enormer Stadt-Hitze im Sommer sollte die Stadt Salzburg sein, wo für die Umwidmung besonders wertvoller Grünflächen eine Zweidrittelmehrheit im Gemeinderat notwendig ist. Zum Vergleich: in OÖ ist eine einfache Mehrheit ausreichend. Durch eine entsprechende Änderung kann sichergestellt werden, dass aktuell die jeweils regierende Rathauskoalition nicht sämtliche heiklen Umwidmungen im Alleingang beschließen kann. Der Schutz unserer Grünanlagen würde dadurch deutlich gestärkt werden