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BEZIRK FREISTADT. Der Bezirksabfallverband Freistadt feiert sein 30-jähriges Jubiläum und kann auf eine gute Entwicklung und auch Auszeichnungen zurückblicken.

Das aktuelle Team des BAV Freistadt (Foto: Maurer)
  1 / 4   Das aktuelle Team des BAV Freistadt (Foto: Maurer)

Der Bezirksabfallverband (BAV) Freistadt wurde – so wie die übrigen 14 oberösterreichischen BAVs auch – vor 30 Jahren aus einer Notlage heraus als Gemeindeverband mit Pflichtmitgliedschaft der bezirksangehörigen Gemeinden gegründet. Es sollte der vorhergesagte „Deponienotstand“ vermieden werden und so wurden die BAVs mit der Aufgabe betraut, im jeweiligen Bezirk geeignete Deponiestandorte zu finden und entsprechendes Deponievolumen zu schaffen sowie den Restmüll zu reduzieren.

Einzigartiger Weg

„Aufgrund des mäßigen Erfolgs bei der Suche nach neuen Standorten für Bezirksdeponien kam der getrennten Sammlung von Altstoffen rasch immer mehr Bedeutung zu. In diesem Bereich ging der BAV Freistadt einen erfolgreichen eigenen Weg, der von außen aber nicht immer wohlwollend und sehr kritisch beäugt wurde“, erzählt Franz Xaver Hölzl, Vorsitzender des BAV Freistadt und vergleicht den Bezirk mit einem „gallischen Dorf“. In den anderen Bezirken haben mehrere Gemeinden ein ASZ gemeinsam, nur im Bezirk Freistadt hat (fast) jede Gemeinde ein eigenes. Im Mittelpunkt der kommunalen Abfallwirtschaft des Bezirks Freistadt steht eine bürgernahe und dezentrale Struktur an Altstoffsammelzentren (26 ASZs, nur die kleine Gemeinde Kaltenberg kooperiert mit Unterweißenbach) und landwirtschaftlichen Kompostieranlagen (22 Landwirtschaften). Mit dieser Struktur verfolgt der BAV Freistadt mehrere Ziele: regionaler und nachhaltiger Umweltschutz, hohe Akzeptanz in der Bevölkerung, Geld und Arbeit soll in der Region bleiben und Kosten werden in Grenzen gehalten. „In den ASZs kann auch gut getrennter Restmüll kostenlos abgegeben werden. Somit bedarf es keiner eigenen LKW-Sammeltouren“, sagt Hölzl. „Und man muss nicht vier bis sechs Wochen warten, bis die Müllabfuhr den Müll holt.“

Arbeitsplätze und Förderung

In den ASZs des Bezirks sind 140 Mitarbeiter, überwiegend in Teilzeit, beschäftigt und (außer in Freistadt, Pregarten und Rainbach) über die jeweilige Standortgemeinde angestellt. „Trotz der anfallenden Personal- und Gebäudekosten können die Abfallgebühren in den Gemeinden des Bezirks Freistadt niedrig gehalten werden. Grund dafür ist ein solidarisches Fördermodell des BAV Freistadt bei ASZ Neu- und Umbauten sowie die Tatsache, dass 95 Prozent der lukrierten Altstofferlöse wieder an die Mitgliedsgemeinden zurückfließen. Unser Modell hat sich schon oft bewährt, auch in der Corona-Krise. Wir konnten auch während der Pandemie die ASZs am Laufen halten“, sagt Richard Freinschlag, Geschäftsstellenleiter BAV Freistadt.

Erfolgreiche Projekte

Der BAV Freistadt erhielt für das Gebäude „Zentrum Umwelt“ 2009 den OÖ Landespreis für Umwelt und Natur. 2013 wurde Margit Überegger von der ARA für ihr „persönliches Langzeitengagement“ in der Abfallberatung ausgezeichnet. 2019 wurde Überegger als „Abfallberaterin des Jahres“ für das Projekt „Abfallentsorgungsservice in Wohnanlagen“ ausgezeichnet. Sie richtete in zwei Freistädter Wohnhausanlagen und in einem Studenten-Wohnheim in Hagenberg Mini-Altstoffsammelzentren ein und verkürzte damit den Weg der Bewohner zu passenden Abfallbehältern. Der Erfolg äußert sich in deutlich besseren Sammelquoten. 2017 wurde das „Projekt Orange“ in der Stadt Freistadt (mittlerweile in drei weiteren Gemeinden) eingeführt. Tips hat berichtet: https://www.tips.at/nachrichten/freistadt/leben/384466-freistadt-startet-projekt-orange

Abfallwirtschaft in Zahlen

Aktuell werden im Bezirk Freistadt jährlich rund 40.000 Tonnen Altstoffe und Abfälle entsorgt, was einer „Pro-Kopf-Quote“ von 607 Kilogramm entspricht. 60Prozent der gesammelten Abfälle werden ins ASZ gebracht (bis zu 80 verschiedene Fraktionen), 37 Prozent betrifft die öffentliche Sammlung (Altglas, Altpapier, Bio-Eimer) und 3 Prozent werden als Restabfall beim Haus abgeholt. Im Jahr 2021 wurden vom BAV 1.561.285 Euro an Altstofferlösen an die Mitgliedsgemeinden ausbezahlt und 364.362 Euro für die Entsorgung von kostenpflichtigen Stoffen (Altholz, Problemstoffe, exkl. Restabfall) vorgeschrieben. 75 Prozent der Altstoffe aus dem Bezirk werden aktuell einem Recycling zugeführt, 21 Prozent werden deponiert (Bauschutt, Eternit, Mineralfaser), 3 Prozent werden thermisch verwertet und 1 Prozent muss in Sondermüllverbrennungsanlagen entsorgt werden (Problemstoffe). Restabfälle gehen zu 100 Prozent in die Müllverbrennungsanlage nach Wels.

Was (noch) zu tun ist

„Aktuell befinden wir uns in einem massiven Wandel von linearen Wirtschaftsformen (von der Primär-Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung) hin zur Kreislaufwirtschaft, in der Rohstoffe im Produktionsprozess gehalten werden sollen. Dadurch werden auch an die kommunale Abfallwirtschaft und somit auch den BAV Freistadt neue Herausforderungen gestellt“, sagt Hölzl. Ziele sind: Weitere Verringerung des Anteils der Restabfälle an der Gesamtabfallmenge, Optimierung der Biotonnenabfall-Sammlung inkl. Erhöhung der Sammelquote, Verbesserung der Abfallentsorgung in Gemeinschaftswohnanlagen – weg von der Anonymität hin zur Eigenverantwortung, Aufklärungsarbeit über „ökologische Rucksäcke“ von Produkten, Unterstützung des EU-Kreislaufwirtschaftspaketes und dessen Zielsetzungen. „Da sich im Zuge der Wirtschaftstransformation auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen massiv verändern werden, ist es auch Ziel des BAV Freistadt, sich aktiv in diese Prozesse einzubringen (z. B. Pfand). Außerdem muss es möglich sein, dass der Bezirk Freistadt bei allen Tendenzen der Vereinheitlichung seine erfolgreiche Struktur beibehalten und weiterentwickeln kann“, erklärt Hölzl.


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