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Fünf Jahre Nationalratsabgeordnete Johanna Jachs: Sprachrohr des Mühlviertels in Wien

Mag. Claudia Greindl, 11.11.2022 06:00

FREISTADT. „Das schönste an der Arbeit in Wien ist das Heimkommen“, sagt Johanna Jachs und meint damit, mit den Menschen in der Region in Kontakt zu kommen, mit ihnen über die politische Arbeit zu reden. Die Freistädterin, seit fünf Jahren Abgeordnete der ÖVP im Nationalrat, sieht sich als Bindeglied zwischen dem Mühlviertel und der Bundeshauptstadt.

Sieht den Sitzungen im neu renovierten Parlament ab Jänner mit großer Vorfreude entgegen: Johanna Jachs, Abgeordnete zum Nationalrat aus Freistadt (Foto: Manuel Hutsteiner)

52 Reden hat Johanna Jachs seit ihrer Angelobung als Nationalratsabgeordnete am 9. November 2017 im Plenum gehalten. „Bei meiner ersten Rede im Dezember 2017 zum Thema Beamtengehälter und Nulllohnrunde für Politiker war ich unglaublich nervös und akribisch vorbereitet“, blickt die heute 31-Jährige zurück. Die Nervosität des Anfangs ist großteils verflogen, die Faszination für die politische Arbeit dagegen hält an. Obwohl die politische Karriere Jachs' Leben „gehörig auf den Kopf gestellt“ hat und den Terminkalender füllt, könnte sie sich keine schönere Tätigkeit vorstellen, als die Anliegen der Region in der Bundeshauptstadt zu vertreten. „Es war schon eine große Herausforderung, sich in Wien zurechtzufinden, das Parlament und die Arbeitsweise kennenzulernen und plötzlich als Frau Abgeordnete angesprochen zu werden“, sagt die Freistädterin. Der große Zuspruch, den sie von Anfang an erhalten hat, gibt ihr jedoch viel Energie für die tägliche Arbeit.

Schwerpunkt Familien

Thematisch sind der jungen Freistädterin, die Mutter einer dreijährigen Tochter ist, Familien und Kinderbetreuung ein großes Anliegen. An der Einführung des Familienbonus Plus im Jahr 2019 hatte sie im Nationalrat bereits Anteil. „Im Bezirk Freistadt waren es 12.383 Familien, denen dadurch mehr Geld übrig geblieben ist“, rechnet Jachs stolz vor. 2019 war für die politisch „familiär vorbelastete“ (Vater Christian war Freistädter Bürgermeister und Bundesratsabgeordneter, der Ururgroßvater Abgeordneter zum Reichsrat, dem Parlament der Monarchie) aber auch ein äußerst herausforderndes Jahr: Der Ibiza-Skandal führte zu Neuwahlen und bedeutete für Johanna Jachs Wahlkampf, während sie sich eigentlich in ihrer Mutterrolle einfinden und sich Tochter Franziska widmen wollte. „Meine Familie und auch die Funktionäre haben mich derart gut unterstützt, dass ich den Spagat Mutterschaft und Wahlkampf bestmöglich hinbekommen habe.“ Am Wahltag zog die Wahlkreis-Spitzenkandidatin schließlich mit mehr Vorzugsstimmen als 2017 wieder in den Nationalrat ein.

„Funktionäre halten Kopf hin“

An Herausforderungen hat es auch in der 27. Gesetzgebungsperiode bisher nicht gemangelt. „Zuerst kam Corona, dann der Einmarsch Russlands in der Ukraine. Trotz allem haben wir seither rund 1600 Gesetze verabschiedet - das beweist, dass Krise und Arbeit zugleich möglich sind“, sagt die Abgeordnete. Die Korruptionsvorwürfe und die Chat-Affäre rund um Ex-Kanzler Sebastian Kurz hätten das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik allerdings leider stark beschädigt. „Die eigentlich Leidtragenden sind die Funktionäre vor Ort, die werden ständig auf die Affäre angesprochen und müssen ihren Kopf hinhalten. Das tut mir leid, weil sie die Basisarbeit in der Region machen - vom Sandkastenbefüllen bis zum Seniorenbundausflug.“ Umso mehr setzt sich Johanna Jachs mit Leidenschaft für „ihre“ Region ein. Nicht ohne Stolz verweist sie auf die Unterstützung lokaler Initiativen zum Weiterbau der S 10 beigetragen haben. Als Mitglied in den Ausschüssen für Inneres, Landesverteidigung und Justiz tritt die Abgeordnete stets für Projekte wie die Sicherheitsinfrastruktur (z. B. die neue Autobahnpolizeiinspektion Kefermarkt) oder den Weiterbestand der Tilly-Kaserne Freistadt ein. „Die Kaserne ist ja nicht nur für Sicherheit und in Krisen wichtig, sondern auch ein wirtschaftlicher Faktor und Arbeitgeber in der Region.“ Die Standortgarantie für die Kaserne, die Verteidigungsministerin Claudia Tanner bei ihrem jüngsten Besuch in Freistadt aussprach, freut Johanna Jachs daher besonders.

Mutterschutz für Politikerinnen

Für ihre zukünftige politische Arbeit hat sich die 31-jährige zum einen vorgenommen, in persönlichen Gesprächen das Vertrauen in die Politik und die Politiker wieder herzustellen. Gerade der jungen Generation soll Politik bürgernah, jung und vor allem weiblich vermittelt werden. Damit verbunden ist auch ihr Steckenpferd - das Eintreten für einen geregelten Mutterschutz für Berufspolitikerinnen, für die es keine derartigen Regelungen gibt. „Nur so kann der derzeit immer noch zu geringe Frauenanteil in politischen Ämtern nachhaltig gesteigert werden.“


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