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WKO-Obmann Christian Naderer: Arbeitszeitverkürzung gefährdet Wohlstand und Pensionen

Mag. Claudia Greindl, 24.08.2023 12:34

BEZIRK FREISTADT. Obwohl die regionale Wirtschaft derzeit deutlich mehr Menschen beschäftigt als 2019, fehlen Arbeitskräfte. „Der Grund ist, weil alle im Schnitt immer weniger arbeiten“, formuliert es Christian Naderer, Bezirksobmann der WKO Freistadt. Eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung würde den Fachkräftemangel weiter verschärfen.

WKO-Bezirksobmann Christian Naderer, Bezirksstellenleiter Dietmar Wolfsegger (r.) (Foto: Roman Gutenthaler)

Die 32-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich ist eine Kernforderung des neuen SPÖ-Vorsitzenden Andreas Babler. Auch Arbeiterkammer (AK) und Gewerkschaft machen sich für eine Arbeitszeitverkürzung stark. Die Grünen sind ebenfalls für weniger Arbeitsstunden bei gleichem Lohn. Für die WKO-Vertreter aus dem Bezirk Freistadt ist dies eine völlig verkehrte Entwicklung. Laut Statistik Austria ist die tatsächlich geleistete Wochenarbeitszeit in Österreich durchschnittlich um anderthalb Stunden kürzer als 2019 und um fünf Stunden kürzer als vor zwanzig Jahren. Die Arbeitszeit sinke also von allein.

„32 Stunden-Korsett passt nicht für alle“

„Eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung, z. B. auf 32 Wochenstunden, würde den Arbeitskräftemangel noch weiter verschärfen. Ein Eingriff von außen ist also unnötig, ja sogar schädlich“, betont Naderer. Charakteristisch für die Wirtschaft im Bezirk Freistadt sind kleine und mittelständische Familienunternehmen. „Die Erfahrung gerade in unseren Betrieben zeigt: Jobs oder Arbeitszeit lassen sich nicht nach Belieben auf mehr Köpfe umverteilen. Ein 32-Stunden-Korsett für alle passt da nicht“, kritisiert Naderer. “Unsere Forderung an die Politik lautet daher nicht: Redet weiter über die Verkürzung der Arbeitszeit. Sondern vielmehr fordert die regionale Wirtschaft: Tut etwas für die Entlastung des Faktors Arbeit. Wer mehr arbeiten will, soll davon spürbar mehr Einkommen haben“, so Naderer.

Arbeitsvolumen als Basis für Wohlstand und Pensionsfinanzierung

„Die Erwerbstätigen finanzieren einerseits ihren eigenen Lebensstandard, andererseits im Umlageverfahren die aktuellen Pensionen und mit ihren Steuern das Bildungs-, Gesundheits- und Pflegesystem“, sagt Dietmar Wolfsegger, Bezirksstellenleiter der WKO Freistadt. Die Zahlen der Pensionen und Pflegebedürftigen steigen rasant, die Zahl der Erwerbspersonen sinkt. „Eine Verkürzung der Arbeitszeit, beispielsweise beim Gesundheitspersonal, ohne neue Arbeitskräfte würde die Situation auch in unserem Bezirk deutlich belasten“, warnt Wolfsegger.

 

Die gewerblichen Betriebe im Bezirk Freistadt beschäftigen mit Ende Juli 2023 rund 11.500 Mitarbeiter. Das sind um etwa 6 Prozent mehr als 2019 vor der Pandemie. Damit liegt der Bezirk Freistadt deutlich über dem oberösterreichischen Durchschnitt, der um 2 Prozent gestiegen ist.

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