Landesrat Achleitner (VP) auf Bezirkstour in Freistadt: "Erneuerbare Energie dort ausbauen, wo es sinnvoll und genehmigungsfähig ist"
FREISTADT. Bei der Umsetzung der Energiewende in unserem Bundesland spielt der Bezirk Freistadt eine bedeutende Rolle. Zahlreiche Betriebe, Gemeinden und Initiativen treiben den Ausbau erneuerbarer Energien aktiv voran und setzen damit wichtige Impulse für eine nachhaltige Entwicklung der Region.

Bereits 91 Prozent des Stromverbrauchs in Oberösterreich werden aus erneuerbaren Quellen erzeugt. Beispiele aus dem Bezirk Freistadt zeigen, wie die Energiewende auf regionaler Ebene umgesetzt werden kann. Im Rahmen eines Bezirkstages informierte Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner (ÖVP) über aktuelle Entwicklungen und besuchte mehrere Vorzeigeprojekte.
Besuch bei neeom
Ein zentraler Akteur ist die neoom International GmbH mit Sitz in Freistadt. Das Unternehmen entwickelt Energiemanagementsysteme, die den Energiefluss innerhalb von Gebäuden optimieren und gleichzeitig die Vernetzung in Energiegemeinschaften ermöglichen. Projekte wie die „Free City“ in Freistadt, die vollständig mit erneuerbarer Energie versorgt wird, unterstreichen die Innovationskraft des Unternehmens.
E-Ladepark im Autohaus Ortner
Auch im Bereich der Mobilität setzt der Bezirk starke Akzente. Das Autohaus Ortner in Wartberg ob der Aist hat im Herbst 2025 einen modernen Ladepark eröffnet. Mehr als 30 Ladepunkte stehen zur Verfügung, darunter zahlreiche Schnellladestationen. Der benötigte Strom stammt aus Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 1.000 Kilowatt sowie einem leistungsstarken Stromspeicher. Ergänzt wird das Angebot durch einen rund um die Uhr geöffneten Genussmarkt und Aufenthaltsmöglichkeiten für Besucher.
Mehr als 100 Energiegemeinschaften
Neben einzelnen Betrieben prägen zahlreiche Projekte die Energiewende. So wurden im Bezirk Freistadt bereits mehr als 100 Energiegemeinschaften gegründet. Diese ermöglichen es Bürgern und Unternehmen, gemeinsam erneuerbare Energie zu erzeugen und zu nutzen.
Am Klinikum Freistadt wurde 2025 eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 500 Kilowatt installiert. Der erzeugte Strom wird direkt vor Ort genutzt und reduziert den externen Energiebedarf deutlich.
Messe Mühlviertel setzt auf PV
Auch die Messe Mühlviertel setzt auf nachhaltige Energieversorgung. Eine Photovoltaikanlage mit 100 Kilowatt Leistung, eine Fassadenanlage sowie ein Ladepark mit zwölf Ladestationen wurden umgesetzt. Überschüssiger Strom wird innerhalb einer Energiegemeinschaft weiterverwendet, unter anderem für die Bierproduktion der Braucommune Freistadt.
Nachhaltig gebrautes Bier
Die Braucommune selbst gilt als Vorzeigebetrieb: Mehrere Photovoltaikanlagen, eine Pelletsheizung, Wärmepumpen sowie die Umstellung auf LED-Beleuchtung tragen zu einer klimafreundlichen Produktion bei.
Ein weiteres Beispiel ist die Stadt Freistadt, wo durch die Sanierung der Straßenbeleuchtung im Rahmen des Energiecontractings jährlich rund 25.000 Kilowattstunden Strom eingespart werden.
Zu den Maßnahmen, die Unternehmen und Private zum Umstieg auf erneuerbare Energiequellen bewegen sollen, gehört die neue Speicherförderung für die Nachrüstung bestehender PV-Anlagen. „Damit schließt das Land OÖ eine Förderlücke, denn mit der Bundesförderung werden nur Speicher für Neuanlage abgedeckt“, so Achleitner.
Bei Windkraft auf der Bremse
Dass der Ausbau der erneuerbaren Energieträger in unserem Bundesland weiter vorangetrieben werden muss, steht für den Landesrat außer Zweifel. „Ausbauen werden wir dort, wo es sinnvoll und genehmigungsfähig ist“, spielte er auf die derzeit geplanten Windkraftprojekte im Innviertel, aber auch im Mühlviertel an. Wie jüngst bekanntgegeben, wird das Land Oberösterreich die Flächen für Beschleunigungszonen für Windkraft (sie ermöglichen den Entfall von Umweltverträglichkeitsprüfungen) beim Projekt Sternwald bei Vorderweißenbach (Bezirk Urfahr-Umgebung) streichen. Grund seien mögliche grenzüberschreitende Auswirkungen auf tschechische Schutzgebiete und den grenznahen Naturraum.
Ausbau der Energieinfrastruktur im Mühlviertel
Ein entscheidender Faktor für das Gelingen der Energiewende ist laut Landesrat Achleitner der Ausbau der Netzinfrastruktur. Ein zentrales Projekt ist die 110-Kilovolt-Stromversorgung im Mühlviertel, die auch den Bezirk Freistadt umfasst. Sie soll die Integration erneuerbarer Energiequellen langfristig sichern „und ist absolut notwendig für die wirtschaftliche Prosperität der Region“, so Achleitner. Insgesamt sind in Oberösterreich Investitionen von rund 3,9 Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren für den Ausbau der Energieinfrastruktur geplant.


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