Brocks zu Internetkriminalität: Prävention und Information wichtigste Faktoren
GMÜND. Internetkriminalität macht auch vor dem ländlichen Raum nicht halt. Auch im Bezirk beschäftigen die Polizei immer wieder solche Straftaten, mit fortschreitender Digitalisierung wird das Problem noch zunehmen. Tips bat Bezirkspolizeikommandant Wilfried Brocks zum Gespräch über das Problem.

Generell handelt es sich bei Internetkriminalität um Straftaten, die auf dem Internet basieren oder mit den Techniken des Internets geschehen. Dies ist nicht zu verwechseln mit Computerkriminalität, bei der primär der Computer, auch ohne Internetnutzung, als Tatwaffe eingesetzt wird.
Die Erscheinungsformen sind sehr vielfältig: Internetbetrug, das Ausspähen von Daten (Phising), Verstöße gegen den Jugendschutz, Identitätsdiebstahl, Urheberrechtsverletzung, Cyber-Terrorismus, Cyber-Mobbing, Volksverhetzung sowie das Verbreiten von Kinderpornographie.
Tips: Welche sind die häufigsten Fälle von Internetkriminalität? Womit hatte die Polizei im Bezirk schon zu tun?
Wilfried Brocks: Der Bezirk Gmünd unterscheidet sich in keiner Weise von anderen Bezirken. Wir haben das gleiche Deliktsfeld wie überall, aber noch in geringerem Umfang. Es gibt natürlich den Klassiker des Internetbetrugs, regelmäßige Fälle von „Ransom-Ware“ (Daten am Rechner werden verschlüsselt und wenn überhaupt gegen Bezahlung wieder freigegeben). Aber auch Formen von Erpressung und Phising.
Tips: Was raten Sie Menschen im Umgang mit dem Internet?
Brocks: Grundsätzlich rate ich dazu sich Überblickswissen zu verschaffen. Beim Umgang mit dem Internet ist Wissen ein großer Faktor, man muss wissen wie man auf Dinge richtig reagiert. Wenn man die häufig ähnlichen Tricks kennt, fällt es schwer hereinzufallen. Auf der anderen Seite ist es verpflichtend sich im Internet zu schützen. Das heißt, eine hochwertige Antiviren-Software und Firewall ist ganz ganz wichtig. Wir wissen aus den statistischen Daten, dass nur 60 bis 65 Prozent der Nutzer eine solche Software benutzen. Dies muss sich auf 100 Prozent steigern, weil nur dann der Rechner soweit geschützt ist, dass ich meine Daten halbwegs sicher wähnen kann. Es gibt zwar auch brauchbare konstenlose Services, aber ich rate jedem ein hochwertiges Kaufprogramm zu erwerben (ab circa 30 Euro/Jahr).
Tips: Was sollte man auf keinen Fall tun?
Brocks: Was gar nicht geht ist zum Beispiel auf E-Mails zu reagieren, die in irgendeiner Form Gewinne versprechen. Oder auf Preisausschreiben zu antworten bei denen niemand in der Familie mitgespielt hat. Generell gilt: Versprechungen, auf die man auch im normalen Leben nicht reagieren würde, sind auch im Internet so gut wie immer ein versuchter Betrug oder Phising-Angriff. Daten herzugeben oder in Formulare einzutragen ist immer gefährlich. So gibt und gab es keine Bank die ihre Kunden dazu auffordern würde, Daten und Passwörter per E-Mails nochmals bekanntzugeben! Hier kommt es dann oft sofort zu Schädigungen, da mit den Passwörtern, Daten und PIN-Nummern meist fast alles möglich ist. Auch empfiehlt es sich, keine Bankgeschäfte über ungesicherte Netzwerke durchzuführen (offene WLAN-Netzte), dies ist grob fahrlässig. Auf der sicheren Seite ist man, wenn man eine entsprechend verschlüsselte Verbindung hat und auch der Computer selbst durch aktuelle (das heißt tägliche Updates) Software geschützt ist.
Tips: Was sollte man speziell in Sozialen Medien beachten?
Brocks: Eine der unangenehmsten Formen ist das „Hacken“ von Profilen in sozialen Netzwerken wie zum Beispiel Facebook. Hier werden Fake-Profile angelegt, mit immer dem gleichen Ziel: den Leuten Daten zu stehlen bzw. sie dazu zu bringen Zahlungen zu leisten. Auf der anderen Seite haben wir hier aber auch Fälle von Anbahnung von Sexualkontakten zu Minderjährigen, wo sich Erwachsene mit entsprechenden Neigungen in sozialen Netzwerken oder Gruppen, die für Kinder und Jugendliche gedacht sind, einschleichen. Ziel ist meist das Erlangen von Nacktfotos oder zu persönlichen Treffen zu überreden. Auf das müssen speziell Eltern besonders aufpassen. Die Generation der Eltern hat dabei aber oft das Problem von der Materie wenig Ahnung zu haben. Dies ist zwar verständlich, kann aber höchst problematisch sein. Das Innenministerium hat das früh erkannt und bietet Kurse für Eltern zum Thema. Bei „Cyber.Sicher“ wird den Erwachsenen gezeigt, was alles möglich ist und passieren kann. Es soll den Eltern ermöglichen, ihre Schutzfunktion auch im Internet wahrnehmen zu können! Denn es ist ohne Kenntnisse praktisch unmöglich nachzuvollziehen, was mein Kind im Internet macht. Es kann durchaus sein, dass mein Kind Opfer ist und ich merke das nicht oder erst viel zu spät. Zumindest ein Elternteil sollte sich deswegen damit auseinandersetzen können- dies auszublenden ist gefährlich.
Tips: Eines der wichtigsten Werkzeuge zur Kriminalitätsbekämpfung ist die Prävention. Was kann die Polizei in diesem Bereich leisten?
Brocks: Prävention ist beim Thema Internetkriminalität das Hauptanliegen der Polizei. Wir haben verschiedene Programm für alle Zielgruppen. Angefangen wird sehr früh in den Schulen mit „Click & Check“, für die Acht- bis Zwölfjährigen gibt es dann „Cyberkids“. Wenn eine Schule oder Klasse Bedarf sieht, können sie an uns herantreten und speziell geschulte Beamte kommen vorbei. Das Programm ist dreiteilig und richtet sich an das Lehrpersonal, die Eltern und schließlich die Kinder und Jugendlichen. Aber auch Pensionisten werden im Internet immer aktiver, weshalb wir auch hier mit unseren Beratungsangeboten helfen.
Tips: Warum ist es so wichtig schon einen Verdacht zu melden?
Brocks: Jeder Verdachtsfall hilft uns, ein kriminelles Netzwerk aufzudecken. Wenn man Fälle nicht meldet, nimmt man sich die Chance Entschädigung zu bekommen bzw. der Polizei die Chance dem ein Ende zu setzen.
Meldestelle
Wer einen Verdacht auf Internetbetrug hat und über die weitere Vorgangsweise Informationen benötigt, wendet sich an folgende E-Mail Adresse:
Wer durch eine Straftat geschädigt wurde oder konkrete Hinweise auf einen Täter hat, kann die Straftat bei jeder Polizeiinspektion zur Anzeige bringen.


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