"Healthacross in Practice" ist Vorbild für Krankenhaus an deutsch-polnischer Grenze
GMÜND. Das Team des EU-Projektes „Healthacross in Practice“ und Vertreter des Landesklinikums Gmünd folgten einer Einladung in die Grenzstadt Guben in Deutschland zum Aufbau deutsch-polnischer Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich.

Im Frühjahr 2015 besichtigte eine Delegation des Naemi-Wilke-Stiftes (ein im Jahre 1878 aus einer Privatstiftung heraus gegründetes kirchliches Krankenhaus in Guben) das Landesklinikum Gmünd um sich über die geförderten grenzüberschreitenden EU-Gesundheitsprojekte „Healthacross“ und „Healthacross in practice“ zu informieren. Die Gäste waren damals äußerst beeindruckt von den bisherigen Ergebnissen der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung mit Tschechien.
Vom 6. bis 8. Juni 2016 folgte die niederösterreichische Expertengruppe einer Gegeneinladung nach Guben zur Teilnahme an einem vom Naemi-Wilke-Stift organisierten deutsch-polnischen Workshop zur Entwicklung einer grenzübergreifenden medizinischen Versorgung polnischer Patienten nach Gmünder Vorbild.
Ähnlichkeiten zwischen Gmünd und Guben
Die geografische Lage der Städte Guben und Gmünd, die geschichtliche Entwicklung und die Struktur der beiden Krankenhäuser sind verblüffend ähnlich. Die deutsche Stadt Guben liegt im Südosten des Landes Brandenburg, am westlichen Ufer der Lausitzer Neiße. Gegenüber am östlichen Ufer befindet sich die polnische Stadt Gubin. Guben wurde in den letzten Kriegsmonaten 1945 fast völlig zerstört. Die Ruine der im 14. Jhdt. erbauten spätgotischen Stadtkirche ist heute noch Zeuge der schrecklichen Kriegsereignisse. In dem im August 1945 geschlossenen Potsdamer Abkommen erfolgte eine endgültige Trennung der Stadt Guben in einen deutschen und einen polnischen Teil. Heute verbinden ein Straßen-, ein Eisenbahnübergang und eine Fußgängerbrücke die Städte Guben/Gubin.
Auch Gmünd musste nach dem Zerfall der Donaumonarchie einen Teil seines Territoriums, das heutige České Velenice, infolge des Vertrags von Saint-Germain 1919 an die Tschechoslowakei abtreten. Der Verlauf der Lainsitz trennt die beiden Städte, die heute ebenfalls über einen Straßen-, einen Eisenbahnübergang und eine Fußgängerbrücke erreichbar sind.
Das Landesklinikum Gmünd verfügt derzeit über 155 Betten. Das Naemi-Wilke-Stift ist mit ca. 150 Betten und den Abteilungen Anästhesiologie, Chirurgie, Innere Medizin und Orthopädie, sowie Röntgen, Labor und Ambulanzen, um einige Gemeinsamkeiten aufzuzählen, ähnlich strukturiert.
Tschechische Patienten hatten noch vor einigen Jahren keine Möglichkeit einer medizinischen Behandlung im Landesklinikum Gmünd und mussten ins ca. 60 km entfernte Krankenhaus nach Budweis ausweichen. Das Krankenhaus im polnischen Gubin wurde im Jahr 2012 geschlossen. Dementsprechend groß ist sowohl das Interesse der tschechischen als auch polnischen Bevölkerung sich in den ganz in der Nähe befindenden Krankenhäusern, also in Gmünd bzw. Guben behandeln zu lassen. Die ambulante Behandlung von tschechischen Patienten im Landesklinikum Gmünd gehört heute durch das Projekt „Healthacross in practice“ inzwischen zum alltäglichen Routinebetrieb. Rund 2.800 tschechische Patienten die im Landesklinikum Gmünd bereits ambulant versorgt wurden sind der Beweis dafür, dass eine grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung bestens funktionieren kann. Polnischen Patienten (ausgenommen solche, die im angrenzenden Deutschland arbeiten und dort versichert sind) steht diese Option derzeit in Guben nicht zur Verfügung und sie müssen zur Behandlung ins nächstgelegene 30 km entfernte Krankenhaus in Polen fahren.
Expertentreffen
Diskussionen in Kleingruppen der am Workshop teilnehmenden österreichischen und deutschen Ärzte, Vertreter der Pflege und des kaufmännischen Bereiches dienten einerseits dem fachspezifischen Erfahrungsaustausch der einzelnen Berufsgruppen und andererseits der Unterstützung für das angestrebte Gubener EU-Projekt. Die erfolgreich umgesetzten EU-Projekte „Healthacross“ und „Healthacross in Practice“ wurden bei den Überlegungen immer wieder als Vorbild herangezogen. Sie sind heute international anerkannt und inzwischen der Beweis dafür, dass künstlich geschaffene Grenzen mehr und mehr ihren Schrecken verlieren. Durch Bemühen, Aufgeschlossenheit und Toleranz sowohl auf österreichischer als auch auf tschechischer Seite und Unterstützung eines außergewöhnlich engagierten EU-Projektteams des NÖGUS unter der Leitung von Mag. Elke Ledl ist die großartige Idee einer grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung in Gmünd inzwischen den Kinderschuhen entwachsen und gelebte Realität die international Aufsehen erregt.


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