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GMÜND. Die Waldviertler Vorlesung am Mittwoch, 13. Juni ging in der Wirtschaftskammer Gmünd der Frage nach, ob hochqualifizierte Zuwanderung eine Antwort auf den akuten Fachkräftemangel sein kann. Gemeinsam mit der Donau-Universität Krems, dem Wirtschaftsforum Waldviertel und der Stadtgemeinde Gmünd lud die WALDVIERTEL AKADEMIE ein, um gemeinsam mit den beiden Migrationsforschern Mathias Czaika und Anna Faustmann dieser spannenden Frage nachzugehen.

V.l.: Otmar Dienstl (Waldviertler Sparkasse Bank AG), Bürgermeisterin Helga Rosenmayer, Anna Faustmann, Mathias Czaika und WALDVIERTEL AKADEMIE-Vorsitzender Ernst Wurz

Bürgermeisterin Helga Rosenmayer nahm schon zu Beginn der Veranstaltung die Bevölkerung mit in die Pflicht: „Wir brauchen ein Miteinander mit den „Zuagroasten“. Uns allen geht es besser, wenn wir uns gegenseitig respektieren.“

Umsatzeinbußen aufgrund von Fachkräftemangel

Czaika, Leiter des Departments für Migration und Globalisierung an der Donau-Universität Krems, ging zunächst auf die globale Perspektive ein. „Die Wirtschaft boomt, der Fachkräftemangel ist die primäre Herausforderung für Unternehmen im Jahr 2018“, so Czaika, „jedes dritte Unternehmen in Österreich plant zusätzliche Mitarbeiter einzustellen, aber 56 Prozent beklagen bereits Umsatzeinbußen aufgrund des Fachkräftemangels.“ Kann Zuwanderung also die Lösung sein?

Humankapital aufbauen

„Arbeitsmigration können nur eine Option zur Meidung von Engpässen sein“, so Czaika weiter, „auch Erhöhung der Löhne bzw. der Ausbau von Mobilität, Vermittlung und Ausbildung direkt in Österreich müssen angedacht werden, um diese Mängel zu beseitigen.“ Bei der hochqualifizierten Zuwanderung gehe es aber nicht nur um die Beseitigung des Fachkräftemangels, man müsse viel weiter denken: Humankapital als Ressource für die Wissensökonomie, Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft, Wirtschaftswachstum, demografischer Übergang sowie Sicherung der Sozialsysteme. „Um die Wirksamkeit zu erhöhen, muss die Zuwanderung aber in einer Gesamtstrategie gesehen werden: „Bildung, Soziales, Klima, Lebensqualität und vieles mehr müssen hier mitgedacht werden.“

Rot-Weiß-Rot-Card wiederbeleben

Anna Faustmann, ebenso Mitarbeiterin am Department für Migration und Globalisierung an der Donau-Universität in Krems, bestätigte dann: „Österreich war immer ein Zuwanderer-Land, denken wir nur an die Gastarbeiter-Regelung.“ Mit Punktesystemen, wie der Rot-Weiß-Rot-Card könne hochqualifizierte Zuwanderung gesteuert werden. „Seit 2011 wurden aber nur 12.000 dieser Karten vergeben“, so Faustmann. Es gehe nicht darum, Personen nur zur Arbeit anzuwerben, sondern um Integration und längerfristigen Verbleib. „Integration ist genauso wichtig, wie das Hier-Sein“, so Faustmann weiter.

Projekt aus Oberösterreich vorgestellt

In weiterer Folge, stellte sie auch ein oberösterreichisches Projekt vor, in dem der Frage nachgegangen wurde, was eine Region für Fachkräfte attraktiv mache. „Die qualifizierte Zuwanderung ist eine Chance für ländliche Gebiete und Unternehmen“, so Faustmann abschließend, „aber dafür braucht es verstärkte Anwerbung sowie regionalpolitische und integrationspolitische Maßnahmen mit Fokus auf weichen Faktoren. Weiters ist auch die Aus- und Weiterbildung vom bis dato ungenützten Fachkräftepotential in Österreich ein wichtiges Thema.“

Intensive Diskussion

Das zahlreich gekommene Publikum nutzte die Möglichkeit an den Vortrag, noch intensiv über die Thematik zu diskutieren. „Auch im Waldviertel ist der Fachkräftemangel schon spürbar“, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Vorsitzender Ernst Wurz, „offene Stellen können nicht besetzt werden und somit Aufträge nicht bearbeitet werden. Diese Situation wird sich in den nächsten Jahren noch dramatisch verstärken, das heißt die Waldviertler Betriebe brauchen qualifizierte Zuwanderer. Eine Antwort wäre das Nutzen der derzeitigen Flüchtlinge, hier werden derzeit noch Chancen vertan.“


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