Hunderte Interessierte bei Infoabend zu Asylwerbern in der „Marienbrücke“
GMUNDEN. Volles Haus gab´s im Stadttheater beim Infoabend zur Ansiedlung von 50 Asylsuchenden im ehemaligen Waldhotel Marienbrücke. Stadtpolitiker, Behördenvertreter, NGOs und Exekutive versuchten Fragen zu beantworten und Ängste zu nehmen.

Besorgte Anrainer übergaben zu Beginn Bürgermeister Stefan Krapf eine Unterschriftenliste. Die Unterzeichner fordern, nicht mehr als 25 Personen im Gebäude aufzunehmen. „Ich nehme Ängste, Sorgen und Skepsis ernst. Als Stadtgemeinde haben wir aber keinen Einfluss auf die Anzahl, die in einem privaten Gebäude untergebracht werden“, so Bürgermeister Krapf. Zur Zeit befänden sich sich 52 Asylwerber in Gmunden. mit jenen die demnächst in der „Marienbrücke“ untergebracht werden, sind es rund 100. „Laut Quotenregelung müsste Gmunden eigentlich 200 Personen aufnehmen“, so Krapf.
Der Vertrag zwischen der Volkshilfe als Flüchtlingsbetreuungsorganisation und den Hauseigentümern ist zunächst auf fünf Jahre befristet. „Es wird eine Mischbelegung sein – also Familien, Kinder und Einzelpersonen, vorrangig aus Syrien, Afghanistan, Irak und Pakistan. Zudem sind hier Büros für drei Vollzeitmitarbeiter situiert. Das Haus wird momentan den Vorgaben entsprechend noch adaptiert und ist dann optimal für eine Unterbringung geeignet“, konkretisierte Flüchtlingsbetreuerin Marlene Ebenberger.
Polizeikommandant: „Kaum Probleme mit Asylwerbern“
Zu Sicherheitsfragen äußerte sich Bundespolizei-Bezirkskommandant Oberstleutnant Walter Höczli, der für eine parlamentarische Anfrage in allen Gemeinden des Bezirkes die Kriminalität unter Asylsuchenden recherchiert hat. Sein Ergebnis: „Wir stehen im Bezirk sehr, sehr gut da. Dort wo eine Durchmischung bei der Unterbringung da ist, gibt“s fast nichts.“ Probleme, allerdings auch nur minimale, seien im Containerdorf Ohlsdorf, wo viele junge Männer auf engem Platz leben müssten, erkennbar. Das Fazit des obersten Bezirkspolizisten: „Wir haben bei den Flüchtlingen dieselbe Dichte an Delikten wie unter uns Österreichern.“ Wenn Anrainer sich sorgten, dass dauernd Polizei bei den Quartieren vorfahre, habe das einen einfachen Grund. Denn behördliche Schriftstücke im Asylverfahren müssen von der Polizei persönlich zugestellt werden. Für Schmunzeln im Publikum sorgte ein Zwischenruf eines Diskutanten, wonach die Polizei wegen des mobilen Radars ohnehin täglich vor Ort sei. „Für die einen sind wir halt zu wenig da, für die anderen zu oft“, analysierte Hölczli folgerichtig.
Viele gegenseitige Ängste könnten mit respektvollem Begegnung auf Augenhöhe abbauen, betonten ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuer aus Altmünster, Bad Goisern und Ohlsdorf, die ihre Erfharungen schilderten. Bürgermeister Stefan Krapf und Sicherheits-Stadträtin Beate Enzmann boten an, sie persönlich sofort zu kontaktieren, falls es zu Problemen komme. „Geben wir diesen Menschen erstmal eine Chance“, schloss Krapf den Abend mit der für ihn wichtigsten Botschaft, der sich doch auch mancher Skeptiker anschließen konnte.
Um Ängste abzubauen und ein Kennenlernen zu ermöglichen, denkt man ein Begegnungsfest vor Ort. Herta Grüneis von der Plattform „Willkommen in Gmunden“ verwies darauf, dass bereits jetzt jeden zweiten Freitag im Monat zwischen 15 und 18 Uhr ein „Begrüßungs-Café“ im Kapuzinerkloster stattfindet, bei dem man mit bereits in Gmunden untergebrachten Asylwerbern in Kontakt treten kann. „Zuletzt waren 70 Personen dabei“, so Grüneis.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden