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„Wir haben heuer das ‚Glück‘ gehabt, dass die Katastrophen immer an einem Wochenende waren."

Daniela Toth, 02.08.2016 12:52

BEZIRK GMUNDEN. Vom Brand im Schloss Ebenzweier über die Sturmschäden in Bad Ischl bis zu den Hochwässern im Norden des Bezirks: Die Feuerwehren werden in diesem Sommer extrem gefordert. Tips hat mit einigen betroffenen Kommandanten über die Herausforderungen bei den Einsätzen gesprochen.

Immer wieder mussten die Mitglieder der Feuerwehren im heurigen Sommer wegen Unwettern ausrücken. Foto: Wolfgang Spitzbart

Nachwuchssorgen kennt man bei den Freiwilligen Feuerwehren – Gott sei Dank – nicht, so Bezirksfeuerwehrkommandant Stefan Schiendorfer: 2775 Aktive, 523 Mitglieder der Feuerwehrjugend und 827 Mann Reserve sind in den 50 Feuerwehren und Feuerwachen des Bezirks organisiert.

Fordernde „Einsatz-Serie“

Dennoch sind derart gehäufte Einsätze wie in den vergangenen Wochen eine Herausforderung. Ein kleiner Ausschnitt: Die Altmünsterer Feuerwehren haben nur für das Schloss Ebenzweier 1130 Arbeitsstunden aufgewendet – gemeinsam mit den unterstützenden Kräften aus der Umgebung waren es 3600 Stunden. In Pinsdorf wurden heuer – bei fast 100 Einsätzen – bereits dreimal so viele Stunden geleistet wie im Vorjahr. Beim dramatischen Unwetter in Bad Ischl Anfang Juli wurde alleine die Hauptwache zu 240 Einsätzen gerufen, die innerhalb von zwei Tagen abgearbeitet wurden. Die Laakirchner Feuerwehren erlebten – nach dem Papierfabriks-Großbrand im Herbst des Vorjahres – mit bereits zwei großen Unwettern heuer eine weitere Herausforderung. Zuletzt war der gesamte Norden des Bezirks von Hagel und Starkregen schwer betroffen: In Vorchdorf blockierten Hangrutschungen Flussläufe, was zu Überflutungen führte.

Kurzfristige Alarmierungen

Die immer kurzfristig auftretenden Ereignisse stellen die Feuerwehren vor große Herausforderungen: So sorgte der Sturm in Bad Ischl in nur zehn Minuten für ein wahres „Weltuntergangsszenario“. Ein anderes Beispiel: „Vor zwei Jahren ist die Ischl einmal in nur 20 Minuten um drei Meter angestiegen“, erinnert sich der Ischler Pflichtbereichskommandant Franz Hochdanninger.

Er sieht daher auch keinen Ersatz für das dezentrale Freiwilligensystem der Feuerwehren in Österreich: „Wir haben dadurch eines der schnellsten Systeme in Europa.“ Da nicht jeder Dienstgeber die Feuerwehr-Mitglieder im Einsatzfall freistelle, brauche es eine hohe Mannschaftsstärke, um auch wochentags die Einsatzkraft sicherstellen zu können. „Wir haben heuer das „Glück“ gehabt, dass die Katastrophen alle an einem Wochenende waren – dadurch war die Mannschaftsstärke höher“, so Hochdanninger.

Urlaub genommen, um ehrenamtlich zu helfen

Um auch bei den Aufräumarbeiten helfen zu können, opfern viele Feuerwehrmitglieder sogar den eigenen Urlaub. Der Laakirchner Pflichtbereichskommandant Jürgen Sturm regt an, die Möglichkeiten für Dienstfreistellungen auszuweiten: Diese werden meist nur bei großflächigeren „Katastrophen“ gewährt, nicht aber im Fall von Unwettern wie jenen in Laakirchen.

Auch in anderen Bereichen sieht man Verbesserungsmöglichkeiten: „Da die Feuerwehr rechtlich Sache der Kommunen ist, bleiben die Gemeinden oft auf den Kosten sitzen, etwa wenn bei Einsätzen eine Pumpe beschädigt wird“, erklärt Bezirksfeuerwehrkommandant Stefan Schiendorfer. Schwierigkeiten ortet er auch im Führerscheingesetz, weil durch die hohen Kosten für den Lkw-Führerschein ein Mangel an Fahrern für die großen Einsatzfahrzeuge entstehen könnte.

„Vollkasko-Mentalität“

Dass die Bevölkerung den Einsatz ihrer „Feuerwehrler“ zu schätzen weiß, spüren die Einsatzkräfte bei den Großeinsätzen ganz besonders. Bei manchen Menschen herrsche jedoch eine Art „Vollkasko-Mentalität“, so Schiendorfer. „Bei mehreren gleichzeitigen Alarmierungen dauert es eine Weile, bis alles abgearbeitet ist. Die Prioritäten lauten: Erst Menschen, dann Tiere, dann Sachwerte“, erläutert Schiendorfer. Manche Menschen könnten eine Wartezeit jedoch nur schwer akzeptieren. Andere erwarten, dass die freiwilligen Einsatzkräfte die gesamten Aufräumarbeiten erledigen – und bei vielen fehle auch das Gefahrenbewusstsein, so Hochdanninger: „Manche gehen mit ihren Kindern Hochwasser-Schauen, ohne zu bedenken, dass weggeschwemmte Kanaldeckel zu tödlichen Fallen werden können, andere fahren bewusst durch Hochwassersperren – und wir müssen sie dann bergen.“ Ein bisschen mehr Eigenverantwortung wäre in manchen Fällen wohl angebracht.


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