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Von Fahnl'n und Rumpeln: In der Karwoche kommen die Ratscherbuam

Online Redaktion, 23.03.2024 16:00

EBENSEE. Wenn in der Karwoche - wie der Volksmund sagt - die „Kirchenglocken nach Rom fliegen“, übernehmen die Ratscherbuam deren Funktion und erinnern die Bevölkerung an die Gebetszeiten. Mit ihren hölzernen, lärmenden Instrumenten ziehen die Buben von Haus zu Haus.

Die Ratscherbuam erinnern die Bevölkerung an die Gebetszeiten zum Osterwochenende. (Foto: Hörmandinger)
Die Ratscherbuam erinnern die Bevölkerung an die Gebetszeiten zum Osterwochenende. (Foto: Hörmandinger)

Traditionell in der Karwoche üben die Ratscherbuam im Alter zwischen sechs und 16 Jahren den Brauch des Ratscherlaufens aus. Am Karfreitag und Karsamstag zieht die Jugend wieder mit Ratschen oder Rumpeln durch die Ortschaften und will so an die Gebetszeiten erinnern. Die Buben freuen sich auf ihren Einsatz in der Karwoche 2024.

„Ratscherlaufen ist ein besonderes Erlebnis. Jeder Bub in Ebensee muss, ähnlich wie beim Glöcklerlauf, einmal mit dabei gewesen sein. Bei allem Spaß, den wir dabei haben, dürfen wir nicht vergessen, dass dieser Brauch religiöse Wurzeln hat und dass wir uns in der Karwoche befinden“, sagt Gabriel Steinkogler, der Vorläufer der Ratscherpasse Bartlberg.

Lärmbrauch erinnert an Gebetszeiten

Das Ratschen ist ein Lärmbrauch, der in verschiedenen Formen in den Tagen vor Ostern in ganz Österreich praktiziert wird. Dieser Karwochenbrauch ist im 18. Jahrhundert entstanden. Im Salzkammergut werden vorwiegend Fahnenratschen und Rumpelratschen verwendet. Bei einer „Rumpel“ werden durch das Drehen der Kurbel die Hämmer im Inneren des hölzernen Rumpelkastens in Bewegung gesetzt und erzeugen den typischen, schlagenden Lärm. Das „Fahnl“ besteht aus einer Hartholzwalze, die durch Bewegung mit dem Drehstock auf den eingespannten Eschenleisten das nicht zu überhörende Ratschergeräusch von sich gibt.

Zwischen Karfreitag morgen und Karsamstag Abend sieben Mal im Einsatz

Besonders hochgehalten wird der Brauch des Ratscherlaufens in der Traunseegemeinde Ebensee. In mehreren Ortschaften sind die Buben unterwegs und erinnern die Bevölkerung mit ihren hölzernen Lärminstrumenten an die Gebetszeiten. Die Ratscherbuben sind vom Karfreitag morgen bis zur Osternacht am Karsamstag Abend insgesamt sieben Mal im Einsatz, wobei immer ein bestimmtes Gebet gesprochen wird:

„Die Glocken hängen still am Turm, bedenk`du stolter Erdenwurm, dass deine Zung`einst ruhig ist, d`rum sei gelobt Herr Jesus Christ“, lautet das Ratschersprüchlein am Karfreitag und Karsamstag morgen. Am Karfreitag Nachmittag, zur Todesstunde Jesu', wird gebetet: „Ihr Christen hört die neunte Stund`, sie gibt uns Jesu Scheiden kund. Der Herr hat unsere Seel` befreit, d`rum sei er gelobt in Ewigkeit“.

Großes Ratscherfeuer am Traunseeufer

Die Rindbacher Ratscher entzünden am Karfreitagmorgen am Traunseeufer ein großes Ratscherfeuer, das noch vor Sonnenaufgang „angeratscht“ wird. Am Karsamstag Abend verstummen die Ratschen und werden wieder für ein Jahr zur Seite gelegt. Die Ratscherbuben werden von der Bevölkerung für ihren Einsatz belohnt: Wurden früher Ostereier, Speisen oder Süßigkeiten gegeben, erhalten die Ratscherbuben heutzutage eine angemessene Geldspende.

 


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