Wie für Künstlerin Angelika Toma Schicksalsschläge zu Kraft wurden
ALTMÜNSTER. Angelika Toma lebt seit dreizehn Jahren in Altmünster und hat hier ihr künstlerisches und persönliches Zuhause gefunden. Die Grafikdesignerin, Künstlerin, Galeristin und Schriftstellerin verbindet in ihrem Alltag Kreativität, Familie und gesellschaftliches Engagement auf eine Weise, die ihr Leben tief prägt. So entstehen Bilder, Skulpturen und Texte, die persönliche Erfahrungen, Trauer und Hoffnung gleichermaßen widerspiegeln.

Ihre tiefe Bindung zu Oberösterreich begann mit der Geschichte ihrer Mutter, deren Leben von Schicksalsschlägen und einer späten Wiederbegegnung mit ihrer ersten großen Liebe geprägt war. „Meine Mutter lebte in Litzlberg am Attersee mit ihrer ersten großen Liebe, Engelbert“, erzählt Toma. „1943 trennte der Krieg sie, Jahrzehnte später fanden sie wieder zusammen.“ Nach Kriegsende drohte der Mutter als Deutschstämmige die Deportation nach Sibirien. Durch die Heirat mit Tomas Vater, einem rumänischen Kerzenmacher, blieb sie in Rumänien.
Später führten Besuche am Attersee Toma selbst in die Region. Sie verliebte sich in die Landschaft, die Menschen und ihre Herzlichkeit und entschied sich 2012, von Bochum nach Oberösterreich zu ziehen. Schließlich fand sie in Altmünster ein Haus am Waldrand mit Garten und Schwimmteich für ihre Mutter – ein Rückzugsort voller Natur und Geborgenheit.
Ein Garten Eden für Kreativität und Erinnerung
Heute gedeihen in ihrem Garten 32 Obstbäume, vier Walnussbäume, Weinreben, Kiwis, Himbeeren und wilde Beeren. „Wir haben uns unseren eigenen Garten Eden geschaffen“, sagt die 67-Jährige. Selbst mit 90 Jahren schwamm ihre Mutter noch mehrmals täglich. Diese letzten intensiven Jahre mit ihr prägten Toma tief. Die Kreativität ihrer Mutter, ihre Geduld und Bescheidenheit flossen in das eigene Schaffen der Künstlerin ein. Hier, zwischen Natur, Kunst und Erinnerung, entwickelte sich eine tiefe Verwurzelung, die auch in ihren Werken sichtbar wird.
Trauer und Neubeginn
2018 starb ihre Mutter zu Hause, begleitet von einem engagierten Team der Hospizbewegung Gmunden. Die Unterstützung der Frauen während der letzten Lebensphase prägte Toma nachhaltig. Aus der Trauer entstand der Wunsch, etwas zurückzugeben. 2022 gründete sie das Atelier22 mit einer eigenen Galerie.
Zwei Jahre später veröffentlichte sie Romane und Sachbücher, die Künstlern Orientierung bieten. Doch das Leben stellte sie erneut vor eine schwere Prüfung: Im April 2025 verstarb ihr Sohn Michael bei einem Verkehrsunfall. „Er war der Fels unserer Familie und ein Vorbild für viele“, sagt sie. Die tiefe Trauer verwandelte sie in kreative Energie. Heute arbeitet sie an einem Near-Future-Roman über Technologie, Politik und Künstliche Intelligenz, den sie ihrem Sohn widmet.
Kunst mit Haltung
Tomas Arbeiten reflektieren Frauenthemen und gesellschaftliche Machtstrukturen. Sie spricht offen über Gewalt gegen Frauen, kritisiert soziale und politische Systeme, die Frauen benachteiligen, und thematisiert Femizide. „Selbstbewusstsein, Bildung und Gleichberechtigung sind keine Privilegien, sie sind Voraussetzungen für eine gerechte Gesellschaft“, betont sie. Die Rückeroberung weiblicher Stärke versteht sie als Akt des Widerstands. Kunst ist immer auch politisches Statement.
Bilder für den guten Zweck
Aus Dankbarkeit entstand die Aktion „Bilder für den guten Zweck“. Zweimal jährlich verlost Toma ein Gemälde im Wert von 3.000 bis 4.000 Euro. 122 Lose zu je 22 Euro stehen zur Verfügung. Der Erlös unterstützt soziale Projekte, insbesondere die Hospizbewegung Gmunden. „Es gibt Menschen, die sich mit großem Engagement für andere einsetzen. Ich möchte diese Arbeit unterstützen“, sagt sie. Parallel läuft die Initiative „Blumen, die mehr bedeuten“ über Newsletter und Social Media. Toma richtet ihre Worte besonders an Frauen: Sie sollen für ihre Rechte kämpfen, sich nicht entmutigen lassen und Solidarität leben. „Liebe bedeutet Selbstachtung, Verbundenheit und gegenseitige Wertschätzung. Zusammenhalt von Frauen kann eine starke politische Kraft sein gegen Gewalt und Ungerechtigkeit“, so die Künstlerin abschließend.


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