Cumberland Wildpark: Rothirsch Mandi wirft Geweih ab – warum dieser Moment so besonders ist
GRÜNAU. Im Cumberland Wildpark Grünau hat Rothirsch Mandi sein Geweih abgeworfen. Schon jetzt startet das Wachstum neu – rasant und faszinierend.

Im Cumberland Wildpark Grünau ist eingetreten, worauf Tierpfleger und Besucher schon seit Tagen gewartet haben: Rothirsch Mandi hat in der Nacht sein Geweih abgeworfen – und zwar gleich beide Stangen gleichzeitig. Für den imposanten Waldbewohner bedeutet das zwar ein paar Kilo weniger auf dem Kopf, biologisch markiert dieser Moment aber vor allem den Start eines faszinierenden Neubeginns.
Wenn aus Kraft plötzlich Leichtigkeit wird
Der Abwurf des Geweihs ist bei Rothirschen ein völlig natürlicher Vorgang, der sich Jahr für Jahr wiederholt. Was für viele Besucher spektakulär aussieht, ist für das Tier Teil eines exakt gesteuerten Kreislaufs. Nach dem Abwurf verheilt die Stelle in der Regel rasch. Fast unmittelbar danach beginnt bereits das Wachstum des neuen Geweihs.
Gerade diese Phase zählt zu den erstaunlichsten Vorgängen im Tierreich. Das neue Geweih wächst in kurzer Zeit nach und kann dabei mehrere Zentimeter pro Woche zulegen. Aus dem scheinbar abrupten Verlust wird also binnen weniger Tage der Beginn eines neuen Kraftsymbols.
Erst weich, dann Knochen
In der ersten Wachstumsphase ist das neue Geweih noch weich. Es besteht zunächst aus Knorpelgewebe und ist von einer gut durchbluteten Haut überzogen, dem sogenannten Bast. Diese sensible Schicht versorgt das entstehende Geweih mit Nährstoffen und spielt eine entscheidende Rolle beim Aufbau der späteren Struktur.
Nach und nach verändert sich das Material. Der Knorpel wird zu festem Knochen umgebaut, gleichzeitig nimmt die Blutversorgung im Bast ab. Damit beginnt der Übergang vom empfindlichen Wachstum zur harten, stabilen Form, die man von einem ausgewachsenen Hirsch kennt.
Warum der Hirsch an Bäumen reibt
Sobald das Geweih vollständig ausgehärtet ist, trocknet die Basthaut ein. Für den Hirsch wird das unangenehm, das Geweih beginnt zu jucken. Dann startet das sogenannte Fegen: Der Hirsch reibt sein Geweih an Bäumen und Sträuchern, um die trockene Haut abzustreifen.
Erst danach kommt das fertige, harte Geweih vollständig zum Vorschein. In diesem Zustand erfüllt es seine eigentliche Funktion. Es dient nicht nur zur eindrucksvollen Präsentation, sondern spielt auch bei Rangkämpfen mit Rivalen während der Brunft eine zentrale Rolle.
Für Besucher des Cumberland Wildparks Grünau ist dieser Moment besonders spannend, weil er einen selten so deutlich beobachtbaren Abschnitt im Leben eines Rothirsches zeigt. Und für Mandi heißt es jetzt vor allem eines: Der nächste große Auftritt wächst bereits nach.

