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GMUNDEN. „S-Budget“ tut den Bauern weh: Während andere große Handelsketten Gesprächsbereitschaft mit der Landwirtschaft zeigen, setzt Spar - aktuell konkret im Milchbereich – weiterhin auf billigste Einstandspreise. Nun reicht es den Landwirten und sie protestieren auch vor einer Spar-Geschäftsstelle in Gmunden. 

Landwirte aus dem Bezirk Gmunden demonstrieren. Foto: Thomas Leitner
  1 / 6   Landwirte aus dem Bezirk Gmunden demonstrieren. Foto: Thomas Leitner

Die europäische Welle an Bauernprotesten hat jetzt auch Österreich erreicht. Offiziell vom Bauernbund unterstützt und organisiert, blockieren Landwirte lautstark angekündigt in mehreren Bundesländern die Zentrallager eines großen heimischen Lebensmittelhändlers. Hannes Royer, Obmann des Vereins Land schafft Leben, sieht die Bauernproteste als ein ernstzunehmendes Warnsignal, das nicht nur den Handel wachrütteln sollte. 

„Wenn wir weiterhin Lebensmittel aus Österreich konsumieren wollen, müssen wir uns wieder als Teil ein und desselben Systems betrachten. Dazu gehören Bauern, Verarbeiter, Handel, Tourismus und Konsumenten. Es geht dabei nicht um eine reine Preisdebatte, sondern um ein Überdenken unserer Werte, unserer Konsumkompetenz und dessen, was ein partnerschaftliches Miteinander innerhalb eines Systems ausmacht“, sagt Hannes Royer

S-Budget tut Bauern weh: mit Traktoren auf Barrikaden

Quer durch Europa demonstrieren Landwirte aktuell gegen Preisdruck und unfaire Handelspraktiken. Knapp 50 Traktoren fuhren auch in Gmunden bei einem Protestmarsch auf, um ein klares Zeichen zu setzen.

Ein Grund für die Protestaktionen ist zudem der steigende Druck auf den Agrarmärkten in einer Zeit, in der gleichzeitig auch die Standards in der Produktion permanent nach oben geschraubt werden. „Die aktuell positive Preisentwicklung in Teilen der Landwirtschaft kann mehr als zehn Jahre stagnierende oder sinkende Einkommen nicht kompensieren“, sagt Hiegelsberger. Auch bei der Bewältigung des Klimawandels kommt den Bauernfamilien eine bedeutende Rolle zu. „Die heimische Landwirtschaft ist Teil der Lösung und nicht das Problem. Das muss auch der Handel erkennen und honorieren. Stattdessen kommt zusätzlich noch ein enormer Preisdruck von der Abnehmerseite dazu. Da Gespräche nichts gebracht haben, müssen wir zu entsprechenden Maßnahmen greifen, um die Menschen aufzuklären“, sagt der OÖ Bauernbundobmann.

An Mitarbeiter und Konsumenten wurden vor Ort Informationen verteilt, da es nicht darum geht, zu jammern, sondern auf die Einkommenssituation auf den Höfen aufmerksam zu machen. Bei der Milch ist es ein Faktum, dass der Preis für die Bauern seit über 20 Jahren fast gleich ist. Und das bei immer höheren Qualitäts-, Umwelt- und Tierwohlstandards. Den Preis für diese höhere Qualität zahlen seit langem die Bäuerinnen und Bauern. Und nun geht es sich nicht mehr aus. Über 1000 Milchviehbetriebe haben im letzten Jahr aufgegeben. Der massive Preisdruck zwingt die Bauern zur Aufgabe.

Keine Spielchen mit rot-weiß-rotem Fähnchen

„Mehr Leistung und mehr Fleiß für weniger Geld geht sich nicht aus. Das bekommen wir Bauern und jetzt auch die lebensmittelverarbeitenden Unternehmen zu spüren. Wir fordern deshalb einen Stopp dieser permanenten Aktionitis bei heimischen Lebensmitteln“, betont Hiegelsberger. Lediglich 9,7 Prozent des Haushaltseinkommens wird durchschnittlich noch für Lebensmittel ausgegeben. Dem Bauernbund geht es nicht um eine Verteuerung von Lebensmitteln, sondern um eine gerechte Aufteilung der Margen entlang der Wertschöpfungskette. „Seit Jahren ist es ein unsäglicher Kampf zwischen Groß und Klein. Rund 150.000 bäuerliche Betriebe stehen wenigen Handelsriesen gegenüber. Die Erzeugerpreise stagnieren oder sinken, während SPAR in einem Jahr 352 Mio. Euro Gewinn verzeichnet. Dieses Ungleichgewicht ist für die Bauern ruinös“, sagt der Bauernbundobmann.

Mehr Wertschätzung für Österreichs Vorreiterrolle beim Umwelt- und Tierschutz durch eine faire Preisgestaltung. Österreichs Bäuerinnen und Bauern sind die ersten Betroffenen und gleichzeitig Teil der Lösung zur Bekämpfung des Klimawandels. Österreichische Standards zu Weltmarktpreisen sind nicht möglich. Wir fordern einen „Österreichbonus“ für in Österreich produzierte Lebensmittel.

„Wir fordern das Aus für das unsägliche Spielchen mit dem rot-weiß-roten Fähnchen auf Lebensmitteln aus dem Ausland. Wir brauchen eine praxistaugliche Umsetzung der Primärzutatendurchführungsverordnung in Österreich. Es darf nur Österreich draufstehen, wo Österreich drinnen ist – alles andere ist Konsumententäuschung“, sagt die konkrete Forderung des Bauernbundes.


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