Schwabe-Mitarbeiter organisieren Medikamenten-Lieferdienst in Freizeit

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Thomas Leitner Thomas Leitner, Tips Redaktion, 18.03.2020 17:28 Uhr

WIEN/GMUNDEN. Wie kommen dringend benötigte Medikamente jetzt zu den Menschen, die sich besonders schützen und das Haus nicht verlassen sollen? Und wie kann eine sichere Lieferkette garantiert werden? Mitarbeiter des Phytotherapie-Marktführer Schwabe Austria haben mit einem unkomplizierten Lieferdienst für Arzneimittel eine ganz persönliche – und sichere – Lösung gefunden. 

Es gibt wohl im Moment niemanden in Österreich, dessen Tagesgeschäft wie gewohnt weiterläuft. Das gilt auch für die Außendienstmitarbeiter des Phytotherapie-Herstellers Schwabe Austria. Besuche bei Ärzten und Apothekern wären im Moment ein unnötiges Risiko. Die Mitarbeiter des Außendienstes wurden daher von dem Pflanzenarzneimittel-Experten österreichweit bei normalen Bezügen freigestellt. „Wir sehen, wie viele Leute im Moment um ihren Arbeitsplatz zittern und sind daher für die Lösung unseres Unternehmens enorm dankbar. Genau deshalb wollten wir mit unserer freien Zeit auch etwas Sinnvolles anfangen“, schildert Georg Cirko, Außendienstmitarbeiter bei Schwabe Austria. Gemeinsam mit seiner Frau Barbara Rosenkranz-Cirko, die ebenso bei dem Traditionsunternehmen im Außendienst beschäftigt ist, suchte er nach Möglichkeiten, sich in der aktuellen Covid-19-Krise einzubringen.

Lieferinfrastruktur für Medikamente bereits vorhanden

„Mir ging es darum, mit der vorhandenen Infrastruktur organisierte Hilfestellung zu bieten. Und da in unseren Außendienstautos die gesamte Struktur, die man für den sicheren Transport von Medikamenten benötigt, bereits vorhanden ist, war die Idee schnell geboren: Wir bringen dringend notwendige Arzneimittel zu den Privatpersonen, die sich im Moment schützen und das Haus nicht verlassen sollen“, sagt Cirko. Geschäftsführer von Schwabe Austria, Fritz Gamerith, erteilte rasch die Zustimmung dafür, dass in dieser Ausnahmesituation die Firmenstruktur wie Dienstwagen, Kühlsysteme und Styropor-Boxen zu diesem Zweck auch in der Freizeit genutzt werden darf: „Ich bin stolz auf meine Mitarbeiter, dass sie diese erzwungene Ruhezeit dazu nutzen, etwas Positives für unsere Gesellschaft und unsere Gesundheit zu leisten“, sagt Gamerith.

Netzwerk an Helfern soll ausgebaut werden

Auch Elisabeth Mondl, verantwortlich für die Unternehmenskommunikation des Unternehmens, zeigt sich über die freiwillige Initiative der Außendienstler begeistert: „Dieses soziale Engagement ist eindrucksvoll und beweist einmal mehr, wie sehr den Schwabe Mitarbeitern die Gesundheit der Menschen am Herzen liegt“, sagt Mondl, die aus dem Homeoffice heraus bereits in intensivem Kontakt mit der IGEPHA (Interessengemeinschaft Österreichischer Heilmittelhersteller und Depositeure) ist, um weitere Arzneimittelhersteller dazu zu ermutigen, es den Schwabe Mitarbeitern gleich zu tun. „Wir begrüßen dieses Projekt und versuchen das Netzwerk gemeinsam mit unseren Mitgliedern in den nächsten Tagen sukzessive auszubauen“, sagt Christina Nageler, Geschäftsführerin der IGEPHA.

Projekt derzeit in Wien und Gmunden

In Wien werden derzeit der 10. und der 23. Bezirk betreut und auch in Gmunden hat eine Schwabe Außendienstmitarbeiterin bereits die ersten Medikamentenlieferungen durchgeführt: „Wir haben die Verantwortung über die Medikamente in unserem regulären Arbeitsalltag, darum sind wir auch jetzt genau die Richtigen für diese Aufgabe“, sagt Cirko, der die Möglichkeit sieht, dass alleine seitens Schwabe Austria der Testbetrieb auf den 17. und 18. Wiener Gemeindebezirk sowie auf Eisenstadt und Umgebung, die Städte Tulln, Bad Ischl, Ebensee, die Bezirke Weiz, Voitsberg, Hartberg, Leibnitz, und den Süden von Graz ausgeweitet werden kann. Derzeit werden die engagierten Helfer vom Apothekerverband, an den sich Cirko zur Organisation des Projekts gewendet hat, in der Kommunikation mit den Apotheken unterstützt.

Erfahrungen sollen weitergegeben werden

Die engagierten Schwabe Mitarbeiter sind mit ihren Handynummern auf Abruf: Die Apotheken geben Bescheid, sobald sie von einem Arzt ein Rezept sowie die Information übermittelt bekommen haben, dass es eine betroffene Person nicht abholen kann. „Und dann machen wir uns auf den Weg“, sagt Cirko. „Wir holen die Medikamente kontaktlos am Hintereingang der Apotheken ab, liefern sie bei den Patienten kontaktlos vor die Haustüre und melden uns dann telefonisch oder klingeln. So schützen wir uns und vor allem die besonders gefährdete Zielgruppe.“ Die Schwabe Mitarbeiter liefern freilich Medikamente aller Hersteller zu den Betroffenen, allerdings mit Einschränkungen: „Wir bringen nur wichtige Medikamente, sonst schaffen wir das bei der Zahl an Betroffenen nicht. Es soll hier nicht darum gehen, wegen einer Packung Hühneraugenpflaster loszufahren.“ Derzeit wird den Kunden ein Erlagschein mitgegeben. „Das ist noch nicht der Weisheit letzter Schluss, weil die Überweisung leicht vergessen werden kann und gerade Ältere dann wieder Unterstützung beim Onlinebanking benötigen. Aber wir sind gerade in der Testphase. Mitarbeiter anderer Firmen, die über die gleiche Infrastruktur verfügen und den Lieferdienst ebenso anbieten möchten, können sich in den nächsten Tagen gerne bei uns melden und auf unsere Learnings zurückgreifen.“

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