AK Gmunden wurde im Vorjahr fast 10.000 Mal um Hilfe gebeten

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Bezirksstelle Gmunden Foto: Arbeiterkammer Oberösterreich
Daniela Toth Daniela Toth, Tips Redaktion, 11.02.2021 10:24 Uhr

BEZIRK GMUNDEN. Die Covid-19-Krise schlägt sich auch in der Bilanz der Arbeiterkammer Gmunden über das Jahr 2020 nieder: Die Sorgen, Ängste und Probleme der Beschäftigten im Bezirk führten zu einer Steigerung der telefonischen Beratungen um 44 Prozent. Die Beratungen per E-Mail haben sich mehr als verdoppelt. Insgesamt suchten 9801 Arbeitnehmer Rat und Hilfe. Erkämpft hat die AK im Bezirk alles in allem 14,2 Millionen Euro.

Die weltweite Krise forderte die Arbeitnehmer auch im Bezirk Gmunden so stark wie noch nie: Zu den traditionell häufigen Anfragen rund um die Beendigung von Arbeitsverhältnissen, zum Entgelt und zu Invaliditäts- und Berufsunfähigkeitspension kamen neue Themen hinzu. Rekordarbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Ängste vor Jobverlust, Probleme bei der Organisation der Kinderbetreuung und finanzielle Sorgen ließen viele Beschäftigte verzweifeln – und die Telefone der Bezirksstelle heiß laufen.

Tourismussektor als besondere Herausforderung

Dabei war die Beratung der AK-Mitglieder gar nicht so einfach: „Ein großer Dank gilt meinen Kolleginnen und Kollegen durch deren Flexibilität und Einsatz es möglich war, für unsere Mitglieder, trotz der schwierigen Umstände, ein bestmögliches Beratungsangebot zur Verfügung zu stellen“, sagt Bezirksstellenleiter Martin Kamrat. „Besonders herausfordernd ist, dass der Tourismussektor, der im Bezirk Gmunden eine sehr wichtige Rolle spielt, von der Pandemie besonders stark betroffen ist. Wir setzen alles daran, unsere Mitglieder im Bezirk in dieser schwierigen Zeit bestmöglich zu unterstützen.“

9.661 Beratungen, E-Mail-Anfragen mehr als verdoppelt

Zwei Drittel der Ratsuchenden nahmen eine telefonische Beratung in Anspruch (6.447, +44 Prozent). Die persönlichen Beratungen gingen durch die Lockdowns um ein Drittel auf 2.325 zurück. Sprunghaft, auf mehr als Doppelte, stiegen hingegen die E-Mail-Anfragen – von 421 auf 889. Die AK-Bildungsexperten haben in Gmunden 35 persönliche Bildungsberatungen durchgeführt.

Auch in den anderen Bezirken stiegen die Anfragen stark an: OÖ-weit bearbeiteten die AK-Experten eine Rekordzahl von rund 375.000 Anfragen.

Über 14 Millionen Euro erstritten

Durch außergerichtliche Interventionen wurden im letzten Jahr 468.031 Euro hereingebracht. Durch Rechtsvertretung vor dem Arbeitsgericht mussten 538.504 Euro erkämpft werden. Insgesamt wurden 342 Fälle gerichtlich oder außergerichtlich abgeschlossen. Im Fall mit dem größten Streitwert erreichte die AK eine Nachzahlung von 98.700 Euro. Aber auch bei kleinen Summen kämpft die AK konsequent um die berechtigten Ansprüche ihrer Mitglieder. In einem Fall musste die AK wegen offener 39 Euro intervenieren und diese mit Erfolg.

In Sozialrechtsangelegenheiten (Pensionen, Renten, Pflegegeld) erstritt die AK Gmunden im vergangenen Jahr in 197 Fällen insgesamt 4 355.830 Euro. Zusätzlich wurden 2020 für Arbeitnehmer aus insolventen Betrieben 8.813.657 Euro durchgesetzt. In Summe erreichte die AK Gmunden im Vorjahr an arbeits- und sozialrechtlichen Ansprüchen sowie an Forderungen nach Insolvenzen für ihre Mitglieder Zahlungen von insgesamt 14 176.022 Euro. 

Ein Fall aus dem Arbeitsrecht: Jahrelang zu wenig Gehalt

30 Jahre lang war ein Angestellter aus dem Bezirk Gmunden bei einer Holzbaufirma als Techniker und CAD-Konstrukteur beschäftigt und wickelte für die Firma zahlreiche Bauprojekte ab. Als er den Verdacht schöpfte, dass er dafür nach Kollektivvertrag zu wenig bezahlt bekam, ließ er bei der AK Gmunden seinen Gehaltsabrechnungen überprüfen. Die AK-Rechtsexperten stellten fest, dass er tatsächlich über Jahre hinweg in einer zu niedrigen Verwendungsgruppe eingestuft gewesen war. Als der Angestellte darauf hin das ihm zustehende höhere Gehalt geltend machte, reagierte der Arbeitgeber damit, dass er ihn einfach mit anderen – geringerwertigen Aufgaben betraute! Ganz offensichtlich wollte er dadurch einer korrekten Bezahlung des langgedienten Mitarbeiters entgehen. Aus verständlichen Gründen beendete der Techniker daraufhin das Arbeitsverhältnis. Für seine berechtigten Ansprüche musste die Arbeiterkammer vor Gericht gehen und erkämpfte für die letzten drei Jahre eine Nachzahlung von mehr als 12 000 Euro. Die weiter zurückreichenden Ansprüche waren leider bereits verfallen und könnten daher nicht mehr geltend gemacht werden.

Ein Fall aus dem Sozialrecht: Trotz schwerer Krankheiten I-Pension abgelehnt

Im Juni 2018 erlitt ein Angestellter aus dem Bezirk Gmunden einen Schlaganfall der zu dauerhaften schweren gesundheitlichen Einschränkungen führte. Zusätzlich zu den körperlichen Beschwerden litt er danach auch an Panikattacken, Angstzuständen, Depressionen und Schlaflosigkeit.

Da er seine Tätigkeit als Projektleiter nicht mehr ausüben konnte, stellte er auf Anraten seiner Ärzte bei der Pensionsversicherung (PV) einen Antrag auf Berufsunfähigkeitspension. Dieser Pensionsantrag wurde von der PV abgelehnt. Daraufhin wandte er sich an die Arbeiterkammer Gmunden um Hilfe. Die Sozialrechtsexperten der AK hielten den negativen Bescheid der PV für falsch und klagten für ihr Mitglied beim Arbeits- und Sozialgericht. Im Zuge des Verfahrens stellten die gerichtlich beeideten Sachverständigen eindeutig fest, dass der Mann nicht mehr arbeitsfähig ist. Er bekam endlich eine Berufsunfähigkeitspension zuerkannt.

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