Arbeit und Wirtschaft auf dem Sprung zur EU-Kulturhauptstadt

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Thomas Leitner Thomas Leitner, Tips Redaktion, 19.09.2021 17:13 Uhr

SALZKAMMERGUT. IWS-Regional-Studie: Bad Goisern als Wachstumsmotor, Bad Ischl mit Nachholbedarf.

Im Jahr 2024 wird erstmals nicht eine einzelne Stadt, sondern eine Region „Europäische Kulturhauptstadt“ sein. Das Salzkammergut mit der Bannerstadt Bad Ischl wurde von einer internationalen Jury ausgewählt und mit dem Melina-Mercury-Preis ausgezeichnet. In der Region selbst wird diese Auszeichnung als eine große Chance für die weitere Entwicklung des Salzkammergutes betrachtet – „Kultur ist das neue Salz“, so das Motto der Preisträger. Damit knüpft man an die jahrhundertelange Tradition des wirtschaftlich bestimmenden Faktors „Salz“ an – Anlass für die Initiative Wirtschaftsstandort Oberösterreich (IWS), bei Friedrich Schneider eine Vergleichsstudie in Auftrag zu geben, welche die Ausgangssituation in ausgewählten Gemeinden beleuchten soll. Auch der Versuch, eine Handlungsanleitung zur bestmöglichen Optimierung der einzelnen Standorte zu geben, soll unternommen werden.

Gmunden und Bad Ischl – die großen Städte im Salzkammergut

Bis auf die annähernd gleich große Einwohnerzahl (GM 13.203 vs. BI 14.109) haben die beiden Städte nicht sehr viel gemein. Gmunden mit seiner Lage am Traunsee ist seit jeher eine Handelsstadt. Bad Ischl im Herz des Salzkammergutes war über die Jahrhunderte vom Abbau und der Fertigung des Salzes und der damit verbundenen Gewerke sowie der Holzwirtschaft geprägt. Viel mehr als in Gmunden entwickelte sich in Bad Ischl seit der Mitte des 19. Jahrhundert auch der Kur- und Sommerfrische-Tourismus. In Gmunden und Umgebung hingegen wurden erfolgreich große und leistungsfähige Industriebetriebe etabliert.

Arbeitsplätze und Steuereinnahmen

Diese Entwicklung schlägt auch bei den folgenden Kennzahlen durch: In Gmunden finden (per Ende 2018) 10.711 Personen Arbeit, in Bad Ischl sind es 7.218 Beschäftigte. Dieser doch sehr deutliche Unterschied zeigt sich auch in der Entwicklung der Steuerleistung der Betriebe. Besonders auffällig ist beispielsweise der Unterschied bei der Kommunalsteuer: Nimmt Gmunden pro Kopf und Jahr 536 Euro ein, so sind es in Bad Ischl mit 245 Euro deutlich weniger als die Hälfte. Insgesamt betragen die arbeitsplatzabhängigen Steuereinnahmen in Gmunden 7.082.089 Euro und sind somit doppelt so hoch wie in Bad Ischl mit 3.456.705 Euro.

Zwei Welten in der touristischen Entwicklung

Eindeutige Nummer eins der beiden Zentren des Bezirkes Gmunden im Tourismus ist die Kaiserstadt im Süden. Mit über 400.000 Nächtigungen im Jahr beherbergt Bad Ischl mehr als viermal so viele Gäste als die Traunseestadt mit knapp über 90.000 Nächtigungen. Im Mittel konnte Bad Ischl die Nächtigungen um 16 Prozent steigern, wobei Gmunden mit 0,47 Prozent  sogar einen Rückgang auf ohnehin niedrigem Niveau akzeptieren musste.

Gemeinde als Investitionsmotor

Eine sehr deutliche Veränderung in der Entwicklung der beiden Städte ist im Bereich der Gemeindeinvestitionen zu beobachten. Wurde im Jahr 2010 von der Stadtgemeinde Bad Ischl mit 4.722.000 Euro fast doppelt so viel investiert wie von der Stadt Gmunden, so hat sich dieser Wert im Jahr 2019 stark angenähert (Bad Ischl 3.703.000 vs. Gmunden 3.159.000 Euro). Zwischen 2010 und 2019 ist in Gmunden ein Zuwachs von 890.000 Euro (+39,2 Prozent) zu beobachten, in Bad Ischl hingegen eine Reduktion von 1.019.000 Euro (–21,6 Prozent) eingetreten.

Bad Ischl und die Nachbargemeinden Ebensee und Bad Goisern

Interessant ist auch der Vergleich der Bannerstadt 2024 mit seinen Nachbargemeinden. Im Bereich des Beschäftigungswachstums von 2011 bis 2018 ist Bad Goisern mit +11,48 Porzent  deutlicher Spitzenreiter vor Bad Ischl mit +1,78 Prozent. In Ebensee ist mit –3,97 Prozent ein signifikanter Rückgang zu beobachten. Bei der Neugründung von Unternehmen im Zeitraum von 2001 bis 2020 ist wiederum Ebensee mit einem Plus von 10,61 Prozent der Spitzenreiter dieses Trios, knapp gefolgt von Bad Goisern mit +10,34 Prozent. In Bad Ischl liegt das Wachstum bei Unternehmensgründungen zwischen 2001 und 2020 bei +2,19 Prozent.

Optimierungspotenzial für die vier Standorte

Die Studie zeigt also, dass in vier wichtigen Bereichen ein Spitzenreiter hervortritt, gegenüber dem die jeweils anderen einen mehr oder weniger größeren Aufholbedarf haben. Was die beiden großen Städte betrifft, bringt Studienautor Friedrich Schneider deren Stärken auf den Punkt:

Bei den touristischen Übernachtungen liegt der jährliche Durchschnitt in Bad Ischl beim rund 3,85-fachen des jährlichen Durchschnitts von Gmunden. 

Bei den Kommunalsteuereinnahmen pro Kopf liegt der jährliche Durchschnitt in Gmunden beim rund 2,2-fachen des jährlichen Durchschnitts.

Darüber hinaus lässt sich feststellen

Bad Ischl ist gut beraten, einen Schwerpunkt bei der Schaffung von mehr und hochwertigeren Arbeitsplätzen zu setzen. Je eher der deutliche Rückstand bei den arbeitsplatzabhängigen Steuern gegenüber Gmunden und auch Bad Goisern aufgeholt wird, desto besser für die weitere Entwicklung der Stadt.Unmittelbar mit den städtischen Einnahmen verbunden ist auch die Steigerung der gemeindeeigenen Investitionen, wenn diese nicht nur mit dem gleichzeitigen Aufbau von Schulden verbunden sein sollen. Hier muss Gmunden den eingeschlagenen Weg fortsetzen (+ 39,2 Prozent  in den letzten 10 Jahren) und Bad Ischl eine Trendwende schaffen 2010 – 2019 – 21,6 Prozent )In der touristischen Entwicklung hinkt Gmunden hinter Bad Ischl und Bad Goisern hinterher. Die Schaffung von qualitätsvollen Hotelangeboten sehen wir in Gmunden als das Gebot der Stunde. Speziell was das Potential des Jahres 2024 betrifft, sollten in allen Gemeinden zusätzliche Angebote geschaffen werden.Was die Schaffung von Arbeitsplätzen betrifft, ist Bad Goisern mit seinem starken Wachstum von 11,48 Prozent  das „Maß der Dinge“ unter den drei verglichenen Orten. Das geringe Job-Wachstum in Bad Ischl mit 1,78 Prozent in den letzten 10 Jahren und die Reduktion der Arbeitsplätze in Ebensee mit -3,97 Prozent signalisieren Handlungsbedarf.Auch bei den Neugründungen von Unternehmen schneidet die Kaiserstadt nicht gut ab. Mit einem Zuwachs von Unternehmen von 2001 bis 2020 von nur 2,19 Prozent liegt man deutlich hinter den direkten Nachbargemeinden Bad Goisern (+10,34 Prozent ) und Ebensee (+10,61 Prozent ).

„Ziel der IWS-Analyse ist es, neben den kulturellen Aktionen auch die nachhaltigen volkswirtschaftlichen Effekte der Kulturhauptstadt-Investitionen messen und bewerten zu können“, betont IWS-Geschäftsführer Gottfried Kneifel.

 

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