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GRIESKIRCHEN. Sagen, Rituale, Kulturphänomene – all das hat sich Erika Brauneis zur Leidenschaft gemacht. Seit mehr als 30 Jahren sammelt die Grieskirchnerin Kultpuppen aus aller Welt.

Erika Brauneis hegt seit 30 Jahren ihre Sammelleidenschaft für Kultpuppen.Fotos: LangS
  1 / 5   Erika Brauneis hegt seit 30 Jahren ihre Sammelleidenschaft für Kultpuppen.Fotos: LangS

Afrika, Amerika, Australien, Asien, von den Fidschi-Inseln bis Nepal, von der Dominikanischen Republik bis Finnland und die Sahara – es gibt keinen Kontinent und kaum ein Land, aus dem Erika Brauneis keine Kultpuppe besitzt. 300 Stück seien es ungefähr, die sie in 30 Jahren gesammelt hat. Jede von ihnen erzählt eine Geschichte, jede ist einzigartig und auf ihre Weise mystisch. Mit dem Geschenk ihrer ersten Puppe aus Afrika wurde bei Brauneis die Sammelleidenschaft geweckt. „Die Puppen haben für mich keinen materiellen, sondern einen ideellen Wert. Sie faszinieren mich“, erzählt Brauneis. „Ich mag sie alle, es gibt keine hässliche Puppe“. Viele ihrer Puppen bekam Brauneis von Freunden aus ihren Urlauben mitgebracht. „Ich weiß von jedem meiner Freunde, wann und wo sie auf Urlaub waren“, sagt die Grieskirchnerin schmunzelnd. Alle ihre Sammelstücke wurden akribisch katalogisiert und werden nun im Rahmen der Ausstellung erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dabei will sie mit ihren Puppen die Menschen einladen, auf Reisen zu gehen, vielleicht in Erinnerungen an den Urlaub zu schwelgen und die Kulturen der Länder kennenzulernen.

Grabpuppen aus Peru

Dieser Puppentyp wurde schon in vorkolumbischer Zeit hergestellt. Die heute erhältlichen Puppen sind größtenteils neueren Datums und den Grabpuppen der Chancay-Kultur aus dem 13. Jahrhundert nachempfunden. Die Stoffe aber, die man dafür verwendet, sind sehr alt, sie stammen zum Teil aus dem achten Jahrhundert. Man findet diese vorkolumbischen Textilreste in relativ großer Anazahl im Sand der peruanischen Küstenwüste. Die Bedeutung dieser Puppen ist nicht bekannt. Man fand sie in Frauen- und Kindergräbern und bringt sie deshalb mit dem Totenkult in Verbindung. Quelle: Buch „Puppen aus fünf Kontinenten“ von Brigitte Bofinger

Das Kirchenspielpüppchen

Die Püppchen tauchten im gesamten alpenländischen Raum auf, mal gestrickt, mal aus Stoff. Unverhältnismäßig lange dauerten früher Gottesdienste, da wurde den Kindern schon einmal langweilig. Unruhige Kinder waren bei den Kirchgängern aber nicht sehr beliebt, deshalb kam wohl eine Mutter auf die Idee dieser Puppen. Es wurde ein Sackerl gestrickt oder genäht, ein Bettchen in Form einer Wiege hineingearbeitet und ein gestricktes Püppchen dazugegeben. Dieses musste weich sein, denn sonst hätte es wieder Lärm verursacht während der Messe. Diese Püppchen wurden den Kindern nur für den Kirchgang gegeben.

Kokeshi-Puppen

Eine Bedeutung liegt im Namen Kokeshi (Ko = Kind, Keshu = auslöschen). Es soll vorgekommen sein, dass man das Leben eines Kindes auslöschte, wenn man es in der Not nicht großziehen konnte. Zur Erinnerung an das getötete Neugeborene und zur Beruhigung von dessen Seele wurde im Haus eine Puppe aufgestellt. Die Kokeshi-Puppen waren auch Spielzeug. Starb das Kind, wurde seine Puppe aufbewahrt und umsorgt.In einer anderen Version steht die phallische Form mit einem Gott aus der Volksreligion in Verbindung. Kokeshi-Puppen gibt es seit 300 Jahren. Sie kommen von der japanischen Hauptinsel Honshu.


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