Als das Lehrerzimmer noch qualmte und die Lausbuben noch Streiche spielten
GRIESKIRCHEN. 25 Schüler der Grieskirchner Knabenhauptschule des Jahrganges 1953 bis 1957 trafen sich nach 60 Jahren wieder. Auch der heute 90-jährige Lehrer Johann Ebner freute sich, seine ehemaligen Schüler wieder zu sehen. Für Tips erinnern sich Johann Ebner und sein Schüler Franz Pühretmair an die Schulzeit von „damals“ zurück.

Großer Lehrermangel und hohe Schülerzahlen - mit diesen Problemen kämpfte man in den Schulen der 50er-Jahre besonders. Im Bezirk Grieskirchen gab es nur wenige Hauptschulen, drei in Grieskirchen, eine in Peuerbach und eine in Haag. „Für den Unterricht gab es kaum Bücher und kaum Lehrmittel, die Klassen waren überfüllt. 36 Schüler pro Klasse waren die Regel. Um das Auslangen zu finden, wurden im Schulhof zwei Holzbaracken aufgestellt, in denen auch Schüler untergebracht waren“, erinnert sich Klassenvorstand Johann Ebner zurück.
Nur eine warme Suppe am Tag
Auch Schüler Franz Pühretmair erinnert sich noch gut an seine Schulzeit: „Damals gab es keinen Schülerbus, sondern nur den planmäßigen Linienbus der Post, zeitig in der Früh und meist am späten Nachmittag zurück. Obwohl wir erst am Abend wieder nach Hause kamen, gab es keine Schulausspeisung, nur eventuell eine warme Suppe in den Gasthäusern zu kaufen“, erzählt Pühretmair. „Die Schüler, die aus Hofkirchen kamen, stammten fast ausschließlich aus Flüchtlingsfamilien, die ihre Heimat wie Siebenbürgen verlassen mussten. Es gab in Hofkirchen ein Barackenlager, wo sie untergebracht waren“.
Die Lausbuben
Auch so manchen Lausbubenstreich wird Pühretmair nicht vergessen: „Die Wartezeit bis zum Bus konnten wir in der Schulklasse verbringen und Hausaufgaben machen. Bei trockenem Wetter wurde diese Wartezeit oft beim Hohlweg mit seinen steilen Böschungen oder den Lehmgruben der ehemaligen Ziegelfabrik Scheibl verbracht. Dort gab es zum Transport des Lehmes eine kleine Feldbahn, wo oft verbotenerweise mitgefahren wurde. Und auch Apfelbäume mit saftigen Äpfeln waren nicht selten das Ziel für uns Lausbuben“, erzählt Pühretmair.
Schach und Tarock im Konferenzzimmer
Johann Ebner begann seine Lehrertätigkeit 1948 in St. Agatha. Aufgrund des Mangels an Hauptschullehrern kam er 1954 nach Grieskirchen. Ein „lehrreicher“ Kulturschock ließ sich dadurch nicht vermeiden. Vor allem das Konferenzzimmer, ein „kleines Kammerl mit regem Leben“, wie Ebner diesen Ort des Geschehens beschreibt, faszinierte den jungen Lehrer damals besonders. „Es wurde darin geraucht, Lebensmittel gehortet und nach Unterrichtsende gab es ausgelassene Tarock- und Schachturniere. Oft bis spät in die Nacht wurde gespielt. Nicht selten ging es für manche Lehrer in der Früh gleich wieder zum Unterricht“, erzählt Ebner.
Freunde fürs Leben
Für ihn war das Klassentreffen nach 60 Jahren etwas ganz Besonderes: „Mir war es immer ein Anliegen, dass aus meinen Schülern etwas wird. Und mit welcher Zuneigung sie nun heute an mich herantreten, fühlt es sich nicht wie ein Lehrer-Schüler-Verhältnis an, sondern wie wahre Freundschaft.“


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