Schauspieler und Trauerredner: Gebürtiger Haager verrät das Geheimnis eines guten Lebens

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Sabrina Lang Sabrina Lang, Tips Redaktion, 31.10.2020 20:24 Uhr

GRIESKIRCHEN/HAAG. Carl Achleitner wurde in Grieskirchen geboren und verbrachte seine Kindheit in Haag. Später verschlug es ihn in die Schauspielerei und er ist neben seinen TV-Rollen auch immer wieder Gast auf Friedhöfen - als Trauerredner. Seine Erlebnisse aus 2.500 Verabschiedungen hat der 57-Jährige in einem Buch zusammengefasst, wo er dem Geheimnis eines guten Lebens auf den Grund geht.

Carl Achleitner ist bekannt aus TV-Produktionen wie „Tatort“, „Inga Lindström“ und „Vier Frauen und ein Todesfall“. Er stand in mehr als 100 Kino- und TV-Produktionen vor der Kamera, spielt Theater und wurde in Hollywood mit einem Darstellerpreis ausgezeichnet. Doch er ist auch auf Friedhöfen daheim. Dort fasst er vor Särgen und an offenen Gräbern in wenigen Minuten die Lebensjahrzehnte Verstorbener so zusammen, dass die Hinterbliebenen Abschied nehmen können.

Tips: Sie sind gebürtig aus dem Bezirk Grieskirchen – erzählen Sie mehr.

Carl Achleitner: Meine Mutter stammte aus Haag. Ich bin die ersten drei Lebensjahre bei meinen Großeltern in Haag, direkt am wunderschönen Marktplatz, aufgewachsen und dann nach Aichkirchen bei Lambach „übersiedelt“, nachdem der damals neu erbaute Gasthof meiner Eltern fertig war. In meiner Kindheit war ich in den Weihnachts- und Sommerferien und an vielen Wochenenden in Haag. Ich verbinde mit Haag und meinen Großeltern die wunderschönsten Erinnerungen wie Wanderungen mit meinem Opa auf die Luisenhöhe, an den Symbrunn, einer Quelle vorbei zu den alten Holzhauerhütten, wo wir auf der Feuerstelle im Inneren der Hütte Würstel gebraten haben. Auf der Luisenhöhe habe ich Skifahren gelernt. Als kleiner Bub mit dem Einser-Sessellift ganz alleine hinaufzufahren war jedesmal ein Abenteuer. Meine Oma starb 1970, mein Opa 1979. Wann immer ich in der Gegend bin und es sich zeitlich ausgeht, mache ich einen Zwischenstopp in Haag.

Wie kamen Sie zur Schauspielerei?

1979 begann ich eine Koch- und Kellnerlehre im damaligen Theater-Restaurant Casino in Linz (heute „Promenadenhof“), dort hat mich der Theatervirus befallen. Von 1985 bis 89 habe ich meine Schauspielausbildung an der Schauspielakademie in Zürich absolviert, nach Engagements in Bregenz, Bonn, Frankfurt und München kam ich 1995 nach Wien, wo ich seither lebe.

Sie sind auch Trauerredner. Darum dreht sich auch Ihr Buch. Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?

Meine Frau meinte, das wäre doch was für mich. Ich dachte, jetzt ist sie verrückt geworden. Ich war anfangs sehr ablehnend und skeptisch. Täglich auf den Friedhof gehen? Mich täglich mit Tod und Trauer konfrontieren, wo das Leben doch so schön ist? Damals wusste ich noch nicht, dass mit Trauernden reden bedeutet, über die Liebe zu reden.

Was mögen Sie an Ihrem Beruf?

Ich kann Menschen in Trauer helfen, das Ritual des Abschieds so zu begehen, dass sie hinterher sagen: Schön war„s.

Wie bleibt man stark, wenn man mit so viel Traurigkeit konfrontiert ist?

Sich mit den harten Fakten des Lebens zu konfrontieren – und unsere Sterblichkeit ist ein solcher – nimmt ihnen jeden Schrecken. Der Tod ist nicht schrecklich, er ist einfach eine Tatsache, die ich akzeptiert habe. Die Vorstellung, wir würden ewig leben, ist für mich eine Horrorvision. Es ist schon gut, so wie es ist.

Warum sind Sie unter die Buch-Autoren gegangen und was dürfen sich die Leser von Ihrem Werk erwarten?

Ich durfte bisher über 2.500 Abschiede gestalten, hatte genauso oft Einblick in Lebenswege, die ein Ende gefunden haben. Das ist eine unbezahlbare Lebensschule für mich – und das wollte ich teilen. Ein befreundeter Regisseur meinte nach der Lektüre, es sei “ein Buch zum Weinen, zum Lachen und zum Nachdenken„.

Ihr Buch trägt den Titel “Geheimnis eines guten Lebens„ – was ist für Sie das Geheimnis eines guten Lebens?

Dieses Geheimnis kennt jeder Mensch. Wir vergessen es im Alltag und es gelingt uns nicht immer, danach zu leben, aber: “Das einzig wirklich Wichtige in unserem Leben sind die Spuren, die unsere Liebe in den Herzen anderer Menschen hinterlässt, wenn wir gehen müssen„, meinte schon Albert Schweitzer. Daran glaube ich, das erlebe ich täglich am Friedhof. Wenn wir versuchen, ein von der Liebe getragenes Leben zu leben, dann werden wir auch ein gutes Leben haben.

Das 224 Seiten starke Buch von Carl Achleitner erscheint am 31. Oktober zum Preis von 22 Euro. ISBN: 978-3-99001-437-0

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