Schwester Ida Vorel von den Franziskanerinnen Vöcklabruck berichtet auf TikTok über das Leben im Kloster
VÖCKLABRUCK. Sr. Ida Vorel ist ein Star auf der Social Media Plattform TikTok. Über 38.000 Interessenten, Follower, freuen sich auf ihre erfrischenden Beiträge in der Reihe Kloster-Talk. Tips sprach mit der Ordensfrau, die das Quartier 16 für Frauen in schwierigen Lebenssituationen in der Salzburger Straße leitet

Tips: Wie kamen Sie auf die Idee, TikTok als Kommunikationsebene für das Thema Kloster zu nutzen?
Sr. Ida Vorel: Auf Social Media war ich seit ewigen Zeiten, auf TikTok nur konsumierend. Während einer Messe hatte ich einen Impuls. Das erste Video mit dem Titel „Hast Du schon mal mit einer Nonne geredet?“ war eher als Scherz gedacht. Es ist aber viral gegangen und erreichte eine Reichweite, mit der nicht zu rechnen war. Das war im heurigen Juni. Ich habe eine Ausbildung im Bereich Social Media Management und betreue die Kanäle der Franziskanerinnen Vöcklabruck. Die Sache ist für mich generell also nichts ganz Neues.
Tips: Nach welchen Kriterien legen Sie die Themen und Inhalte fest, die in Ihren TikTok-Videos besprochen und erklärt werden?
Sr. Ida Vorel: Über Fragen in den Kommentaren hat sich der Kloster-Talk ergeben. Ich gebe damit Antworten auf User-Fragen, mache aber auch selbst Themensetzungen. Ich erhebe nicht den Anspruch, anderen zu erklären, wie sie leben sollen. Ich will nicht belehrend sein. Ich erzähle, wie ich lebe. Es geht um Informationen zum Glauben, es geht um Erklärungen und ich möchte mit Klischees aufräumen. Ich trenne aber schon zwischen meiner eigenen Meinung und der Meinung des Ordens.
Tips: Die Rückmeldungen zeigen, dass die Clips und Sie als Person bestens ankommen, beziehungsweise der Informationsbedarf hoch ist. Sehen Sie weitere Gründe, warum der Kloster-Talk so beliebt ist?
Sr. Ida Vorel: Ich habe viele Deutsche, die gerne zuhören. Die lieben den Dialekt, wie wir reden. Viele haben mir nicht geglaubt, dass ich im Kloster bin, weil ich beispielsweise Ringe oder Schmuck trage. Viele erleben Kloster als Faszination, als etwas Mystisches, Unbekanntes. Es geht aber auch um die Unterhaltung. Die Leichtigkeit ist mir wichtig. Ich habe scheinbar schon das Talent mitbekommen, Geschichten zu erzählen. Ich mache täglich ein TikTok-Video und für manche ist es dann ein Ritual, das neue Video von Sr. Ida anzuschauen. Das Ordensleben ist wieder eine Option. „Kloster auf Zeit“ ist unverbindlich. Wir haben Frauen, die mitleben wollen. Auch der Orden ist nicht stehen geblieben. Das Bild vom Orden hat sich aber noch nicht aktualisiert in der Gesellschaft.
Tips: Sie sind ein Star auf einer digitalen Mission. Über 38.000 Follower sind schließlich kein Klacks. Haben Sie oder die Franziskanerinnen Pläne für einen weiteren Ausbau des Social Media Auftritts?
Sr. Ida Vorel: Die digitale Kirche formiert sich in Österreich gerade neu. 2026 wird ein Treffen der katholischen, österreichischen Influencer stattfinden. Es tut sich also etwas im Hintergrund. Die offizielle Amtskirche hat leider oft die Sprache nicht, dass verstanden wird, was gemeint ist. Es kommt darauf an, wie ich kommuniziere, als Amtskirche oder als Influencerin. Social Media ist ein alltäglicher Lebensbereich. Es kann also nicht sein, dass wir da nicht vorkommen. Wir schauen nach Kooperationen. Ich bin allerdings voll ausgelastet, ich leite ja das Quartier 16 der Franziskanerinnen in Vöcklabruck. Frauen finden hier Zuflucht bei schwierigen Trennungen, Delogierung oder Altersarmut und anderem mehr.


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