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GASPOLTSHOFEN. Birgit Aigner, Romana Waltenberger und Doris Gumplmaier wollten angesichts der Ukraine-Krise Flüchtenden helfen. Aigner holte dabei die Familie eines Jugendfreundes nach Gaspoltshofen. 

  1 / 2   Die vier Frauen mit den vier Müttern, fünf Kindern und einem Hund, die derzeit in der Nähe von Gaspoltshofen untergebracht sind. (Foto: LHackl)

Aigners Großmutter, Christine ­Dirisamer, bot in den Jahren 1999 und 2000 Kindern aus der Umgebung von Tschernobyl ein kurzfristiges Zuhause. Um Kindern nach dem Reaktorunfall unbeschwerte Ferien zu bieten, organisierte die Caritas damals Sommerfrischeaufenthalte, bei denen Dirisamer zwei Jugendliche über die Ferien beheimatete. Mit zwei der Kinder, beide mit dem Namen Andrei, war die Familie später noch jahrelang in Kontakt. „Wir haben Briefe geschrieben, sie von einem russischen Bekannten übersetzen lassen und sie anschließend in die Ukrai­ne geschickt“, erzählt Dirisamer. Die Briefe, die zurückgekommen sind, wurden ebenfalls übersetzt und aufgehoben. Mit den Jahren verlor sich der Kontakt, bis Aigner sich 2019 im November über sozia­le Netzwerke auf die Suche nach den beiden Andreis machte. „Es hat eine Weile gedauert, aber schließlich habe ich einen von ihnen auf facebook gefunden“, erzählt sie. Es kam zur Videotelefonie von ­Andrei und Dirisamer, beim ersten Kontakt weinten beide vor Freude. Sie haben Geschenke des jeweils anderen über Jahre aufbewahrt.

Krieg bricht aus

Von da an standen die beiden Familien in Kontakt, Besuchsversuche werden aufgrund der Corona-Krise immer weiter verschoben. Bis der Krieg ausbrach. „Ich habe dann Andrei kontaktiert und habe gesagt, kommt zu mir“, erinnert sich Aigner. Dieser saß mit seiner Frau Ira und seinen Kindern zu diesem Zeitpunkt schon im Luftschutzbunker. Acht Tage lang harrte die Familie mit 14 weiteren Menschen auf zehn Quadratmetern aus, bevor ihnen die Flucht gelang, 16 Stunden waren sie bis zur polnischen Grenze unterwegs, wo sie zehn Stunden anstehen mussten. Mit zwei Kindern musste Ira alleine ausreisen, Andrei hätte sie erst ab drei Kindern begleiten dürfen. In Polen setzte sich die Familie in Kontakt mit Aigner in Österreich. Sie überlegte, wie sie die Familie zu sich holen könnte. „Wir haben kurz überlegt, ob wir selbst nach Polen fahren, davon waren unsere Ehemänner aber nicht begeistert“, erklären Aigner, Waltenberger und Gumplmaier. Ein Bekannter organisiert schließlich einen Bus und bringt Andreis Familie, Iras Schwester Ala und ihre sieben Kinder nach Oberösterreich, wo sie bei der Familie unterkommen. Eine weitere Familie aus der Ukraine kommt bei den Frauen unter.

Austausch unterstützt

Aigner räumt ihr Schlafzimmer für die Flüchtlinge, über eine Whats-App-Gruppe halten die drei Frauen miteinander Kontakt, versuchen sich mit ihren neuen Mitbewohnern zu verständigen und tauschen sich aus. Aus der Umgebung bieten zahlreiche Menschen Hilfe an, die lokalen Schulen organisieren schnell Plätze für die Kinder. Die Familien kochen gemeinsam, die Kinder spielen, sie verständigen sich auch ohne gemeinsame Sprache. Für Andrei gibt es bereits eine Arbeitsstelle, er könnte in einem Unternehmen in der Nähe als LKW-Mechaniker arbeiten, ausreisen darf er aber derzeit nicht. „Abends, wenn die Kinder im Bett sind, tauschen wir uns aus und weinen gemeinsam“, erklärt Aigner. In solchen Fällen wünscht sie sich einen Dolmetscher, denn „diese Gefühle kann man in einer fremden Sprache nicht kommunizieren“. Die größte Herausforderung für die Freiwilligen ist es, die Familien richtig zu registrieren. „Wir haben die Familie in Linz am Hauptbahnhof angemeldet und versuchen eine Versicherungskarte zu organisieren, damit sie auch in Österreich versichert sind“, berichtet Aigner.

Mut machen

„Wir wollen anderen Menschen Mut machen, selbst Familien aufzunehmen“, erklären die drei Frauen und sprechen von einer großen Bereicherung für sie. Aus der Umgebung melden sich Menschen, die Sachspenden anbieten. Die Gaspoltshofener Volksschule organisiert einen Muffin-Verkauf, um damit Geflüchtete zu unterstützen. „Für uns und unsere Kinder ist es eine tolle Erfahrung, wenn sie merken, wie es anderen geht und dass sie auch selber helfen können“, erklärt die Frauengruppe. „Wir haben jetzt eine Familie, die noch ein Stück gewachsen ist“.

Kontakt zu Birgit Aigner 0660/8180971

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