Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

STEEGEN/TOLLET. Die Werkstätte St. Pius der Caritas in Steegen und das Sägewerk Kemptner in Tollet verbindet seit mehr als 25 Jahren eine außergewöhnliche Partnerschaft.

  1 / 2   Harald Wintersteiger ist seit über 20 Jahren fixer Bestandteil des IB-Teams im Sägewerk Kemptner. (Foto: Caritas)

Es ist eine Geschichte über gelebte Inklusion und ein wirtschaftliches Miteinander. Als das Sägewerk Kemptner in Tollet vor über 25 Jahren mit dem Hobeln von Holz für die Caritas-Werkstätte St. Pius in Verzug geriet, bot ein Caritas-Mitarbeiter an, dass die Werkstattgruppe doch beim Hobeln helfen könnte. Die Zusammenarbeit funktionierte auf Anhieb und die Gruppe war mit Begeisterung bei der Sache. Von da an rief der damalige Firmenchef Alfred Kemptner sen. immer wieder an, wenn es Arbeit für die Caritas-Gruppe gab. Durch die gezielte Suche von Kemptner wurden die Aufträge im Laufe der Zeit mehr und die Kooperation wuchs. Die Zusammenarbeit mündete in eine Integrativen Beschäftigung (IB), die es seit 2008 gibt. 

Diese ermöglicht es Menschen mit Beeinträchtigungen, in Unternehmen mitzuarbeiten – außerhalb eines Angestelltenverhältnisses, aber mit geregelter Unterstützung. Vertragspartnerin ist die Caritas Oberösterreich. Zwei Caritas-Mitarbeiter begleiten die Gruppe vor Ort und sorgen für Qualität und sichere Arbeitsbedingungen. Im Sägewerk haben von Seiten der Caritas Tischlermeister Johann Maier und Rudolf Wöginger die Verantwortung für die neun integrativ beschäftigten Mitarbeiter, die fixer Teil des Teams im Sägewerk sind.

„Am Anfang war es eine große Herausforderung – es gab keine Strukturen, die Halle war eigentlich nur ein Lagerraum“, erinnert sich Johann Maier, der seit 2004 als IB-Begleiter im Einsatz ist. „Aber wir haben gemeinsam mit der Firma die Ausstattung aufgebaut – und heute ist es ein schön gewachsenes Projekt.“

In die nächste Generation mitgenommen

Alfred Kemptner jun., der das Familienunternehmen heute führt, lebt das soziale Engagement seines Vaters weiter: „Es war ihm wichtig, Menschen eine Chance zu geben. Dass ich das fortführe, liegt für mich auf der Hand. Ich sehe, dass dabei viel Gutes entsteht - auch wirtschaftlich. Die soziale Komponente spielt auch bei der Auftragsvergabe eine Rolle.“

Gefertigt werden hier unter anderem jährlich Holzauflagen für rund 2.000 Parkbänke der Stadt Wien, Bauteile für Pelletsilos, Fensterhölzer und Schulmaterialien. Gearbeitet wird mit speziell adaptierten Maschinen, die auch von Menschen mit Beeinträchtigungen bedient werden dürfen. Spezielle Aufträge werden zusätzlich für die Firma Kemptner auch in der Tischlerei in St. Pius erledigt.

Viel Freude bei der Arbeit

„Ich freue mich jeden Tag, wenn ich hierherfahren darf. Die Gruppe taugt mir, und die Gaudi – hier tut sich was“, sagt der 53-jährige Michael Luftensteiner. Für ihn ist die Tätigkeit im Sägewerk weit mehr als nur Beschäftigung. Er und seine Kollegen sind Teil eines Teams, das gemeinsam arbeitet, lacht und einander unterstützt. Luftensteiner hilft unter anderem beim Zuschneiden und Bohren und hat sich mit Caritas-Mitarbeiter Johann Maier sogar eine eigene Zeichensprache für die laute Werkshalle zugelegt.

Auch Harald Wintersteiger, 49 Jahre, ist mit Herzblut dabei: „Ich mag alles – Fräsen, Hobeln, Schleifen, Bohren und das Lasieren für die Wiener Parkbänke.“ Er ist seit über 20 Jahren fixer Bestandteil des Teams. Einem seiner Kollegen eröffnete sich durch die Integrative Beschäftigung die Möglichkeit, dass er in den ersten Arbeitsmarkt wechselte. Dieser ist mittlerweile seit 15 Jahren bei der Firma Kemptner angestellt.

„Wir sind für das langjährige Vertrauen, das außergewöhnliche soziale Engagement und die nachhaltige Zusammenarbeit mit der Firma Kemptner sehr dankbar“, betont Johann Maier. „Diese Partnerschaft zeigt, wie aus kleinen Ideen große Entwicklungen werden können – wenn man aneinander glaubt.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden