Klares „Nein“ von der SPÖ zur kostenpflichtigen Kinderbetreuung
GRIESKIRCHEN/EFERDING. Die kostenlose Kinderbetreuung am Nachmittag soll mit Anfang kommenden Jahres Geschichte sein. Eltern müssen dann für ihren Sprössling voraussichtlich bis zu 150 Euro im Monat berappen, damit sie diesen in guten Händen wissen. Die genauen Beträge stehen noch nicht fest, sollen aber in den nächsten zwei Wochen festgelegt werden. Eine Gegenoffensive startet die SPÖ. Sie verpasst den Sparplänen der schwarz-blauen Landesregierung eine klare Absage.

„Nein zur Kindergartensteuer“ lautet der Tenor aus SPÖ-Kreisen. Man vermisse mit den Sparplänen der Landesregierung jegliches soziale Gespür, so SP-Bezirksfrauenvorsitzende Eva Fohringer. Sie verurteilt die Kürzungspläne von Schwarz-Blau: „Es ist zu befürchten, dass aufgrund der Kosten künftig weniger Eltern ihre Kinder in den Kindergarten bringen, obwohl feststeht und wissenschaftlich belegt ist, wie wichtig frühkindliche Bildung ist - besonders für Kinder aus sozial benachteiligten Familien und solchen mit Migrationshintergrund“, meint Fohringer. Wenn weniger Kinder im Kindergarten angemeldet werden, würde das die Pädagogen treffen, die mit Einkommensverlusten zu rechnen hätten.
Kritik an Sparplänen
„Es wird einfach forsch und brutal darübergefahren. Man setzt sich inhaltlich nicht mit den Folgen auseinander. Wenn die Nachmittagsbetreuung etwas kostet, trifft es vor allem Frauen, die wenig verdienen und unregelmäßige Arbeitszeiten haben“. erklärt SP-Bezirksparteivorsitzender Erich Pilsner. „In weiterer Folge verlieren Frauen, die in der Kinderbetreuung tätig sind, ihren Job oder haben von heute auf morgen eine Stundenreduzierung“, so Pilsner. Auch Schlüßlbergs Bürgermeister Klaus Höllerl kritisiert die Sparpläne: „In vielen Familien müssen beide Elternteile arbeiten gehen. Wenn die Nachmittagsbetreuung kostenpflichtig wird, wird sich die Zahl der Kinder dort verringern, Gruppen vielleicht gar nicht mehr zustande kommen. Das ist ein Problem für die Kindergartenbetreuer sowie die Eltern. Beide könnten den Job verlieren. Ich mache mir große Sorgen, wie manche Familien so über die Runden kommen sollen“.
Für FPÖ ein „Denkanstoß“
Der Grundgedanke hinter der Wiedereinführung der kostenpflichtigen Nachmittagsbetreuung geht für FPÖ-Bezirksfrauensvorsitzende Sabine Binder dahin, mehr Bewusstein zu bilden. „Es soll ein Denkanstoß geliefert werden, um die Kinderbetreuungsplätze am Nachmittag wieder bewusster zu nutzen. Mit dieser Maßnahme besteht die Möglichkeit, den bedarfsgerechten Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen zu garantieren und nachhaltig voranzutreiben“. Für sozial schwache oder Familien mit Migrationshintergrund sieht Binder kein Problem: „Durch die soziale Staffelung der Elternbeiträge, die an das Familieneinkommen geknüpft ist, soll auf die persönlichen Lebensumstände eines jeden Erziehungsberechtigten – auch auf Alleinstehende – Rücksicht genommen werden. In besonderen Härtefällen wird es den Trägern ermöglicht, gänzlich auf die Einhebung eines Elternbeitrages zu verzichten“.
Beitrag „vertretbar“
Auch Maria Pachner, Vertreterin der ÖVP-Frauen auf Bezirksebene, steht hinter der Entscheidung ihrer Landespartei. „Ein kleiner Solidarbeitrag zur qualitätsvollen und anspruchsvollen Kinderbetreuung in unseren Kindergärten ist durchaus gerechtfertigt – was nichts kostet ist oftmals nichts wert und wird als allzu selbstverständlich angesehen“. Sie sehe immer beide Seiten: „Die Gemeinden verzeichnen hohe Abgänge bei der Kinderbetreuung. Land und Gemeinden müssen viel Geld in die Hand nehmen, um die wachsenden Krabbelstuben und Kindergärten bauen und erhalten zu können, da ist ein kleiner Beitrag seitens der Erziehungsberechtigten vertretbar“.
Kinderanzahl wird sinken
Manuela Sperz, Kindergartenleiterin in Schlüßlberg, rechnet mit Konsequenzen, wenn die Nachmittagsbreuung beitragspflichtig wird: „Was sind uns die Kinder wert? Diese Frage stellt sich, seit der Kindergarten für Kinder ab zweieinhalb Jahre gratis ist. Mit der Einhebung eines Betrages für die Betreuung am Nachmittag wird elementare Bildung also nur am Vormittag geschätzt“, kritisiert Sperz. Das Land reagiere ihrer Meinung nach überraschend schnell mit dem Kostenersatz für die Nachmittagsbetreuung. „Es wäre interessant zu wissen, welche pädagogischen Qualifikation die Personen vorweisen, die diese Entscheidung getroffen haben und welche Mütter oder Pädagogen zur Situation befragt wurden. Die finanzielle Belastung trifft Eltern, die flexible Arbeitszeiten haben, alleinerziehend sind oder die pädagogische Qualität am Nachmittag schätzen“, meint die Kindergartenleiterin. In ihrem Kindergarten werde laut Sperz die Kinderanzahl am Nachmittag sinken. Daraus ergäbe sich im schlimmsten Fall die Kürzung der Öffnungszeiten.
„Klar im Nachteil“
„Als Pädagogin, Mutter und Frau sehe ich mich klar im Nachteil. Als Pädagogin werde ich nicht mehr ganztägig beschäftigt sein, als Frau soll ich maximal bis 13 Uhr arbeiten und als Mutter möchte ich für meine Kinder eine flexible Betreuung mit pädagogischer Qualität“.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden