"Soviel Wasser wie möglich in der Region für die Region zurückhalten!"
PREGARTEN. Vor zehn Jahren wurde die Initiative für Wasserhaushalt, Klima und Naturschutz in Pregarten gegründet. Ziel war es damals, eine Verbesserung des Hochwasserschutz- (HWS)-Projektes Aist zu erreichen. Kein Jubiläum, aber ein Anlass, um über Erreichtes und Unerreichtes nachzudenken. Tips sprach mit dem Obmann der Initiative, Fritz Robeischl sen. aus Pregarten.

Tips: Was war der Anlass für die Gründung der Initiative?
Robeischl: Im Wesentlichen drei Gründe: Die Absicht des HWS-Verbandes, 25 riesige Rückhaltebecken samt großer Staudämme mit risiko-und kostenintensiven, elektrohydraulisch gesteuerten Abflussschleusen zu errichten. Weiters der zunehmend sprunghafte, unnatürliche Anstieg der Fließgewässer bei Regenereignissen und drittens, die damit verbundene Zerstörung der Gewässerläufe und der rapide Verlust der darin beheimateten Tierwelt.
Tips: Was sind Ursachen für Veränderungen beim Wasserabfluss?
Robeischl: Die veränderte Landnutzung durch Bebauung, die Bodenversiegelungen, die Ableitungsverrohrungen und die Gewässerbegradigungen. Wasser von Dächern und Straßen erreicht so in kürzester Zeit die Feld- oder Waldaist. Das führt zu schwallartigen Abflüssen und verschärft zusätzlich die Hochwassergefahr. Deswegen braucht es Speicherrückhalte in der Fläche und ein Flachhalten des Wasserabflusses.
Tips: Was hat die Initiative bisher erreicht?
Robeischl: Dass das offizielle Rückhaltevolumen für eine 100-jährliche Hochwassersicherheit überprüft wurde und dieses nun nicht acht Millionen Kubikmeter, sondern „nur“ eine beträgt. Das hilft dem Steuerzahler in der Größe eines dreistelligen Millionenbetrages. Ein weiterer Erfolg war die Bürgerbefragung zum Thurytalbecken oberhalb von Freistadt. Etwa 3000 Anrainer haben dagegen votiert. Es wurde dann abgesagt. Wichtig ist auch, dass heute viel mehr Bürger über die „Baustelle“ Wasserhaushalt, Klima und Naturschutz Bescheid wissen und dass es vieler, durchdachter Kleinlösungen zur Verbesserung der Gesamtsituation rund um den Hochwasserschutz bedarf. Großretentionsbecken sind dazu jedenfalls höchst ungeeignet.
Tips: Was hat Wasserhaushalt mit Klimawandel zu tun?
Robeischl: Hochwassergefahr, Klimawandel und Wasserknappheit bedrohen unsere Zukunft. Die Austrocknung der Region ist furchterregend weit fortgeschritten. Sie ist in den Brunnen, in den Wäldern, aber auch in den Fließgewässern gut sichtbar.Wenn wir so weitermachen wie bisher, geht dem Wasserhaushalt das Wasser aus. Auch wenn wir in diesen Tagen wieder etwas sorgenfreier sein dürfen. Wir sollten Wasser zurückhalten, denn einmal abgeleitet, ist Wasser für immer dahin. Es gibt bewährte Möglichkeiten zum Gegensteuern: Hausteiche, Zisternen, ehemalige Senk-und Güllegruben, Gründächer, Versickerungsflächen etc. Regenwasser ist vielfach verwendbar und kostet nichts. Zudem kühlen Wasserspeicher und helfen Natur und Menschen, die Klimaveränderung durchzustehen.
Tips: Warum hat sich die Initiative „umgetauft“?
Robeischl: Wir wollen aktuell sein und die sich verschärfende Wasserknappheit durch den Klimawandel war ausschlaggebend. Ein intakter Wasserhaushalt ist Voraussetzung zur Bewältigung des Klimawandels. Was bringen monumentale Speicherbecken, wenn diese statistisch alle 100 Jahre das Gröbste verhindern, aber dazwischen Dürreperioden ein Überleben kaum ermöglichen? Hochwasser und Trockenheit haben viele Zusammenhänge. Eine davon heißt Wasserwegweisung.
Tips: Wer ist für die Situation aus Ihrer Sicht verantwortlich?
Robeischl: Die Landes- und Bundespolitik, sie müsste die Gesetze an die Herausforderungen der Zeit anpassen. Dass unsere Bürgermeister als Mitglieder des HWS-Verbandes dem Großbeckenkonzept des Landes damals zugestimmt haben, ist frustrierend, aber entschuldbar. Dass sie aber bis heute keinen Reparaturversuch unternommen haben, obwohl sie über den Zustand der Gewässer, den Wasserhaushalt, die Klimaveränderung etc. Bescheid wissen, ist unverzeihlich.
Tips: Was sind die konkreten Forderungen der Initiative?
Robeischl: Ein Neubeginn! Alle Abteilungen im Land, die Hochwasserschutz, Wasserhaushalt, Klima und Naturschutz betreffen, müssen zur Zusammenarbeit verpflichtet werden. Damit möglichst viel Wasser in der Region für die Region zurückgehalten wird! Dann reichen kleine Rückhaltebecken aus. Mit dem Ersparten können dezentrale Kleinlösungen gefördert werden. Es muss Änderungen im Wasserbautenfördergesetz geben. Wir fordern, dass die zwei Wasserbauorganisationen, wie die Wildbach- und Lawinenverbauung sowie die Gewässerbezirke zusammengeführt werden. Denn die Zweiteilung kostet unnötig Geld und die Zuständigkeiten sind unklar.
Tips: Wie sehen Sie die Chancen für Wasserhaushalt, Klima und Naturschutz?
Robeischl: Gut! So sehr der Klimawandel alle fordern wird, so sehr hilft er in unserer Argumentation gegen Großrückhaltebecken. Und Politiker, die sich nicht für Wasserhaushalt, Klima und Natur einsetzen, werden vom Wähler abgestraft werden.


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