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EGGENBURG. Seit über 20 Jahren besteht das Eggenburger Sozialprojekt in Brasilien, initiiert durch Lois Gruber - seines Zeichens nicht nur Lehrer, sondern vor allem Empath, Weltenbummler und sozial engagierter Menschenfreund. Ruhig und bescheiden hält er sich stets im Hintergrund und erzählt in seinen beliebten Multimedia-Vorträgen, was mit den Spendengeldern erreicht wurde. Ziel des Hilfsprojektes ist es, den Einwohnern Hilfestellung zu geben um im eigenen Land überleben zu können und Perspektiven zu haben.

  1 / 4   Thomas Bauer (li.) und Lois Gruber (re.) bei dem Kleinbauern Luiz, der Sisal für Säcke und Kleidung erzeugt. Fotos: A. Gruber

Mit tatkräftiger Unterstützung von zahlreichen freiwilligen Helfern und fleißigen Spendern ist schon viel erreicht worden. „Das Sozialprojekt startete im Jahr 1996. Ein Jahr lang war ich auch persönlich vor Ort. In einem Slumgebiet bei Salvador/Bahia, genannt Itinga, haben wir drei Schulklassen aufgebaut, später auch beim Bau von einem Kindergarten finanziell mitgeholfen“, erzählt der Eggenburger im Gespräch mit Tips.

Hilfe für Landlose

Seit 2001 unterstützt das Projekt auch Thomas Bauer, der sich für die Landlosen in Bahia engagiert. Als landlos werden Bauern, Bauernfamilien und Landarbeiter bezeichnet, die keinen eigenen Grundbesitz haben, sondern ausschließlich auf gepachtetem Land arbeiten.

Gruber erklärt: „Thomas organisiert die Ausbildung für die Kleinbauern, er hilft ihnen, dass sie Land bekommen und dieses bewirtschaften können. Außerdem greift er den Mittellosen in Rechtsangelegenheiten unter die Arme. Thomas lebt und wirkt mitten unten den Leuten. Er ist mit einer Brasilianerin verheiratet und Vater von drei Kindern. Ursprünglich stammt er aus Vorarlberg und wir kennen uns seit 19 Jahren.“

Problemstoff Soja

Da die Großgrundbesitzer in Brasilien immer mehr Flächen für den Anbau von Agrotreibstoff (Biotreibstoff) und Soja brauchen, haben es die Kleinbauern immer schwerer, erläutert Gruber die Problematik: „Thomas ist ja seit zwei Jahrzehnten voll dabei und kennt die Entwicklung der Landwirtschaft und deren weltweite Zusammenhänge sehr genau. Ich habe ihn immer wieder besucht und so viele Infos von ihm erhalten.“

„Soja wird für Viehfutter verwendet, auch mein Bruder im Waldviertel verwendet es für die Rindermast und die Milchwirtschaft“, berichtet Gruber weiter, „auf riesigen Flächen wird in Brasilien billiges Viehfutter erzeugt, um es den Bauern in Europa und Amerika zu verkaufen. Für die Konzerne und Großgrundbesitzer ist das ein riesiges Geschäft. Als Folge davon müssen die Bauern bei uns immer mehr Fleisch produzieren, um zu überleben. Folglich brauchen sie immer mehr Viehfutter. Brasilien hat so weniger Flächen für die Kleinbauern und die lebensnotwenigen Produkte für die Brasilianer müssen importiert werden: für die Ernährung der Bevölkerung muss Weizen importiert werden.“ Der sozial Engagierte vergleicht anschaulich: „Brasilien hat mit etwas mehr als 200 Millionen Einwohner deutlich weniger als Europa, die Flächen aber sind etwa annähernd gleich groß, sowohl landwirtschaftlich genutzte Fläche als auch Bodenschätze würden leicht für die Brasilianer reichen. Leider wird das Land von Großgrundbesitzern und internationalen Konzernen ausgebeutet und die Masse der Bevölkerung leidet darunter. All diese Zusammenhänge sind Thomas Bauer natürlich seit langem bewusst und so kam er auf die Idee, einen Film darüber zu machen.“ Diesen wird er am 28. März im Eggenburger Landespflegeheim vorführen (siehe Info-Box).

Vom Wahnsinn der Konsumgesellschaft

Soja boomt, ein Großteil davon wird an Tiere verfüttert. In den Herkunftsländern sind die Folgen dramatisch.

In Österreich essen wir pro Kopf und Jahr mehr als 60 Kilo Fleisch. Der hohe Fleischkonsum hat global gravierende Folgen: Das Futter für Rind, Schwein, Geflügel und Co verbraucht rund zwei Drittel aller fruchtbaren Flächen weltweit. Die Europäische Union importiert einen großen Teil des Futtermittels Soja aus anderen Weltgegenden. Was das für Herkunftsländer wie Brasilien bedeutet, zeigt Thomas Bauer in seinem neuen Film auf. Er besucht Kleinbauern, die wegen der riesigen Gensoja-Plantagen ihr Land verloren haben und spricht mit Indigenen, die unter den Folgen der großflächig versprühten Pestizide leiden. Zu Wort kommen auch ein Arzt und ein Staatsanwalt, die sich gegen alle Widerstände für die Leidtragenden einsetzen.

Doch auch hier in Österreich profitieren die wenigsten Landwirte von einem Agrarsystem, das von ihnen verlangt, immer mehr und immer billiger zu produzieren.

Möglicher Lösungsansatz

Dass es auch anders gehen könnte, zeigt der Besuch am Hof eines Biobauern in Oberösterreich. In beeindruckenden Bildern spannt der Film einen globalen Bogen von Brasilien nach Österreich und regt zum Nachdenken über das gegenwärtige Wirtschaftssystem an. Thomas Bauer leistet einen äußerst wertvollen Beitrag. Er unterstützt die Kleinbauern bei ihrem Kampf gegen die Großgrundbesitzer, verhilft ihnen zu Ausbildungen und unterstützt sie bei Behördenwegen.

Im Anschluss an den Film gibt es ein Publikumsgespräch mit Regisseur Thomas Bauer. Als Eintritt wird um freie Spenden gebeten, die natürlich zur Gänze der Arbeit von Regisseur und Entwicklungshelfer Thomas Bauer zugute kommen.

INFOS

Dienstag, 28. März um 19 Uhr Festsaal des Landespflegeheimes Eggenburg

Eintritt: freie Spende die dem Projekt zugute kommen

 

Spendenkonto

Mission Brasilien bei der Raiba in Eggenburg

AT 34 3212 3000 3086 6099

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